Erstmals ist es zu Straßenkämpfen zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Aktivisten gekommen: Die israelische Armee hat offenbar eine strategisch wichtige Ortschaft im Südlibanon eingenommen. Die Hisbollah bestreitet das.

Das Dorf Marun el Ras sei weitgehend unter israelischer Kontrolle, sagte der israelische General Beni Gantz am Samstag.

Israelische Soldaten, AFP

Israelische Soldaten warten auf ihren Einsatz. (© Foto: AFP)

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Bei neuen israelischen Luftangriffen in der Nacht zum Sonntag wurden vier Menschen verletzt. Die Hisbollah schoss Raketen auf israelische Städte.

Boden- und Lufteinheiten hätten das fünf Kilometer von der Grenze entfernte Marun el Ras "beinahe komplett" unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der israelische General. Nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise kam es in dem Dorf erstmals zu Straßenkämpfen zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Aktivisten. Die Hisbollah teilte jedoch mit, die israelischen Panzer seien "zurückgeschlagen" worden.

Marun el Ras gilt als strategisch wichtiger Ort, weil er auf einer Anhöhe gelegen einen guten Überblich über die brisante israelisch-libanesische Grenzregion gewährt.

Vier Menschen wurden bei einem israelischen Luftangriff auf das Zentrum der südlibanesischen Stadt Sidon verletzt. Zuvor hatte die Luftwaffe bereits zahlreiche Angriffe auf die Umgebung von Sidon geflogen und dabei unter anderem eine Brücke zerstört. Israel griff auch den Süden der Hauptstadt Beirut erneut an, wo die zentralen Einrichtungen der Hisbollah sich befinden.

Am Samstag hatten israelische Flugzeuge in den Bergregionen nordöstlich von Beirut und nordöstlich von Tripoli mehrere Sendeanlagen für das Fernsehen und den Mobilfunk zerstört. Bei dem Beschuss kam ein Mitarbeiter eines privaten Fernsehsenders ums Leben.

Hisbollah-Angriffe gehen weiter

Die Hisbollah schoss unterdessen mit Raketen auf Städte in Nordisrael, darunter Haifa. Mindestens 19 Zivilisten wurden verletzt. Seit Beginn der israelischen Offensive starben auf libanesischer Seite rund 350 Menschen. Auf israelischer Seite wurden bisher 33 Menschen getötet.

UN-Hilfskoordinator Egeland warnte, es gebe bereits "eine schwere Krise mit einer halben Million direkt betroffener Menschen". Diese Zahl werde "in spektakulärer Weise ansteigen, weil Israel die Bevölkerung im Südlibanon zum Verlassen der Region aufgefordert hat".

Egeland sagte, die UN werde sich in auf die Einrichtung von Korridoren für Hilfslieferungen konzentrieren. Egeland will am Sonntag einen Appell an die internationale Gemeinschaft richten und dabei wohl um 100 Millionen Dollar (80 Millionen Euro) Soforthilfe bitten.

Rice und Steinmeier wollen vermitteln

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und US-Außenminiserin Condoleezza Rice wollten in der Region vermitteln. Rice wollte am Sonntag in die Region reisen. Sie will dort unter anderem mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen.

Auch Bundesaußenminister Steinmeier reist nach Israel und in die Palästinensergebiete, um mit Olmert und Abbas die Lage zu erörtern. Am Samstag war er bereits zu Krisengesprächen in Kairo. Dort hatte er eine politische Lösung des Libanon-Konfliktes gefordert.

US-Präsident George W. Bush warf Syrien und dem Iran vor, einer Lösung der Libanon-Krise im Wege zu stehen. Syrien warf er in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache vor, Hauptfinanzier der libanesischen Hisbollah-Miliz zu sein und ihr iranische Waffen weitergegeben zu haben.

Den Iran beschuldigte er, nach Atomwaffen zu streben und terroristische Organisationen zu unterstützen.

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(AFP)