Libanesische Paramilitärs in Syrien Hisbollahs Krieg für Assad

Seite an Seite mit der syrischen Armee attackiert die Hisbollah die von Rebellen gehaltene Stadt Al-Kuseir - und zieht damit den Libanon in den syrischen Sumpf. Warum die paramilitärischen Einheiten der "Partei Gottes" den Waffengang riskieren.

Ein Kommentar von Sonja Zekri, Kairo

Die Zahl der Kämpfer in Syrien ist größer und die Worte ihres Führers über den Einsatz sind offen, ja triumphal geworden: Die libanesische Hisbollah, die größte Miliz des Nahen Ostens und die stärkste politische Kraft im Libanon, brüstet sich inzwischen damit, dass sie ihre Männer nach Syrien schickt, um für Präsident Baschar al-Assad zu kämpfen.

Lange hatte die libanesische Miliz ihre Rolle im syrischen Bürgerkrieg heruntergespielt und von einzelnen Freiwilligen gesprochen, als die syrischen Aufständischen schon ganze Brigaden aus Beirut beschrieben. Noch vor ein paar Wochen hörte man im Westen in den Reden von Hisbollah-Chef Nasrallah sogar Anzeichen der Distanzierung heraus. So wie die palästinensischen Radikalen der Hamas mit Damaskus gebrochen hatten, erwartete man es idealerweise auch von der Hisbollah.

Spätestens nach diesem Pfingstwochenende ist klar: Das Warten kann man sich sparen. Seite an Seite mit der syrischen Armee führen Hisbollah-Einheiten die Offensive gegen die syrische Stadt Al-Kuseir. Die Stadt an der libanesischen Grenze wurde über Wochen belagert. Für die Rebellen liegt Al-Kuseir an der Nachschublinie aus dem Libanon, für das Regime auf einer Achse von Damaskus bis an die Küste im Nordwesten, wo Assads alawitische Hausmacht lebt.

Libanon gerät in den Sog des syrischen Bürgerkrieges

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Kanonenfutter für den Präsidenten eines fremden Landes

Hier, so die Hisbollah, verteidige man libanesische Christen und Muslime gegen "Terroristen". Dutzende Hisbollah-Kämpfer starben beim Vormarsch auf Al-Kuseir. Über 100 sollen bislang in Syrien ihr Leben gelassen haben, Kanonenfutter für den Präsidenten eines fremden Landes.

Aber was heißt fremd? "Euer Blut ist unser Blut, eure Zukunft ist unsere Zukunft, eure Sicherheit, euer Schicksal ist unser Schicksal", rief Hisbollah-Chef Nasrallah den Syrern zu. Manchen klang es wie eine Drohung. Lange profitierten der Assad-Clan in Syrien und die Schiiten-Miliz im Libanon von einer historischen Symbiose. Von Beirut über Damaskus bis Teheran erstreckte sich die Achse des "Widerstandes" gegen Israel, eines schiitischen Halbmondes, einer antizionistischen Allianz zum Schutz vor Israel und den USA.

Assad macht den Westen mürbe

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Es war eine Legende, die blendend funktionierte. Dank iranischer Waffen rüstete die Hisbollah auf. Aber nun ist das Arrangement zum Risikofaktor geworden für die Hisbollah und die ganze Region.

Der Konflikt frisst sich Zentimeter um Zentimeter voran

Die Hisbollah trainiert Assads Milizen, die wilden Haufen der Schabiha, und stützt offen ein repressives Regime, das in der arabischen Welt keine Sympathien mehr hat. Ihren Landsleuten gelobte die Hisbollah, ihre Waffen nur gegen Israel, zur Verteidigung des Libanon einzusetzen. Nun sticheln ihre Gegner, dass sie - wie Assad - ihre Männer von der israelischen Grenze abgezogen hat, um in Syrien auf andere Muslime zu schießen. Und dass dies meist Sunniten sind, macht es noch schlimmer. Denn auch Libanons sunnitische Salafisten mobilisieren für den Kampf um Al-Kuseir, während die sunnitischen Assad-Gegner aus Syrien libanesische Dörfer beschießen.

Der Konflikt frisst sich Zentimeter um Zentimeter Richtung Libanon voran. Ohnehin hält der Libanon seit Ausbruch des syrischen Aufstands den Atem an. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an den Bürgerkrieg, zu schwach die Institutionen, zu viele Warlords sind in die Politik gegangen, ohne ihre konfessionellen Rivalitäten beizulegen. Nun zieht die Hisbollah, die Retterin vor der israelischen Aggression, die Heimat in den syrischen Sumpf.

Warum riskiert sie das? Weil Iran drängt. Weil Israel droht. Israelische Kampfflugzeuge bombardieren Syrien, um Waffenlieferungen für die Hisbollah abzufangen. Fällt Assad, könnte Israel mit der Hisbollah abrechnen, ein für alle Mal, so die Sorge. Die düstersten Prognosen sehen Syrien ohnehin nur als Prolog.