sueddeutsche.de: Und die neue Mafia?

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Orlando: Sie pervertiert moderne Werte wie Freiheit oder Wettbewerb. Es gibt Brücken zwischen alter und neuer Mafia. Sie agiert global und lokal.

sueddeutsche.de: So wie 2007 in Duisburg. Dort ermordeten Profikommandos der Mafia sechs Personen.

Orlando: Die töten modern: Leise und effizient, aber brutal, so wie einst Baader-Meinhof oder die Roten Brigaden. Die neue Mafia braucht nicht Pietro oder Francesco, sie braucht Peter, Wolfgang und Jürgen. Nach Duisburg haben die Deutschen verstanden, dass sich die Mafia längst nicht mehr auf die italienische Gastronomie beschränkt. In einem italienischen Lokal riskiert man allenfalls, eine schlechte Pizza zu essen. Die Interessen der Mafia sind so groß geworden, dass eine Pizza zu klein ist.

sueddeutsche.de: Wo wird die neue Mafia in Deutschland aktiv?

Orlando: In Frankfurt an der Börse, in Banken, in Immobilien. Viele italienische Unternehmer haben ihre Liquiditätsprobleme durch das neue Schwarzgeld-Gesetz gelöst.

sueddeutsche.de: Was kann die EU gegen italienische Verhältnisse tun?

Orlando: Brüssel muss klare Wettbewerbsregeln aufstellen, die auch für Italien gelten. Die Flugfirma Alitalia zum Beispiel war in einer Existenzkrise, und nach einer Ausschreibung wurde Air France zum Käufer gekürt. Doch dann kam rasch der Wahltag, und Berlusconi gewann. Sofort gründeten seine schwerreichen Freunde eine neue Firma und kauften damit Alitalia - gewissermaßen mit nichts: Alle Schulden von Alitalia wurden vorher vom Staat übernommen. Selbst meine rechtsorientierten Freunde fragen mich inzwischen: "Wann werden sie uns freilassen von Berlusconi?" Mein Traum ist es, in einem Rechtsstaat zu leben - und gute Opposition zu machen.

sueddeutsche.de: Die EU hat kaum Chancen, etwas zu bewegen, wenn Berlusconi widersteht.

Orlando: Sicher: Europa ist noch nicht stark genug, aber für uns ist es eine Garantie. Ohne die europäische Einbindung wäre die Lage bei uns katastrophal, wir hätten Zustände wie in einem lateinamerikanischen Land. Machen wir uns nichts vor: Wenn Italien nicht schon längst Teils Europas wäre, könnte das Land nicht Mitglied werden.

sueddeutsche.de: Tatsache ist aber auch: Italiens Opposition wirkt trotz Berlusconis Possen zerstritten und schwach.

Orlando: Meine Partei "Italien der Werte" (Italia dei Valori) gilt als stärkste Kraft der Opposition. Dabei hat sie nur acht Prozent der Wähler hinter sich. Die größere Demokratische Partei hat viel Zeit verloren, zu verstehen, wie gefährlich Berlusconi ist. Dort glaubten sie, Berlusconi mache unglaubliche Fehler - und erledige sich selbst.

sueddeutsche.de: Eine Fehleinschätzung. Haben Sie einen Vorschlag, wie Berlusconi beizukommen ist?

Orlando: Wir belegen immer wieder: Berlusconis Regierung ist antidemokratisch. Dem schließen sich immer mehr Italiener an. Wir mobilisieren mit wachsendem Erfolg: In welchem europäischen Land protestieren schon 300.000 bis 400.000 Leute für die Pressefreiheit?

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  1. "Berlusconi pervertiert sein Amt"
  2. "Illegales Geld kann Europa kaufen - dank Berlusconi"
  3. Sie lesen jetzt "Die neue Mafia braucht Peter, Wolfgang und Jürgen"
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