Das Verteidigungsministerium untersucht, ob Bundeswehr-Offiziere von den Totenschändungen wussten. Ex-Minister Peter Struck hingegen weist jede Verantwortung von sich.

Die Frage einer Mitwisserschaft von Bundeswehr-Offizieren werde mit Hochdruck geklärt, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) der Leipziger Volkszeitung. Ein früherer Entwicklungshelfer der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) berichtete der Zeitung, es habe in der nordafghanischen Region Kundus schon länger Gerüchte über "Exzesse in einem Knochenfeld" unter Beteiligung "deutscher und anderer Friedenssoldaten" gegeben. Kundus ist eines der Zentren der deutschen Sicherheitstruppen.

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Bundeswehrsoldaten beim Einsatz in Afghanistan (© Foto: ddp)

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte eine harte Bestrafung der Schuldigen und appellierte an die Menschen in Afghanistan, besonnen zu reagieren. "Die schnelle Aufklärung dieser abscheulichen und schockierenden Vorfälle, die Verteidigungsminister Franz Josef Jung durchgesetzt hat, wird ihre Wirkung beim afghanischen Volk hoffentlich nicht verfehlen. Es kommt darauf an, dass Afghanistan sieht: Solche Vergehen werden nicht geduldet, sondern schonungslos verfolgt und bestraft", sagte Merkel dem Focus.

Struck: "Keine Hinweise"

Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck wies jede eigene Verantwortung im Zusammenhang mit den Totenschändungen von sich. "Hätte der Führungsstab oder gar ich davon erfahren, wäre das natürlich sofort bestraft worden. Aber es gab zu keiner Zeit Hinweise auf solche Vorgänge", sagte der SPD-Politiker der Bild am Sonntag. Struck war von 2002 bis 2005 Verteidigungsminister.

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, nahm die Bundeswehrführung vor pauschalen Vorwürfen in Schutz: Es gebe keine Truppe, die ihre Einsätze "so sorgfältig, so umfassend und so wohlüberlegt" vorbereite wie die Bundeswehr, sagte der Ex-General im RBB-Inforadio. Die Vorfälle in Afghanistan offenbarten vielmehr ein Problem der Gesellschaft. "Wie soll die Bundeswehr in wenigen Wochen oder Monaten, das, was an Fehlentwicklungen in 18 Jahren entstanden ist, ändern", sagte Kujat.

Nach einem Bericht der Bild-Zeitung sind in den Skandal möglicherweise auch Fallschirmjäger der Bundeswehr verwickelt. Das Blatt veröffentlichte am Samstag eine dritte Fotoserie auf der angeblich Fallschirmjäger zu sehen sind. Die Aufnahmen sollen Ende 2003 oder Anfang 2004 entstanden sein. Das Verteidigungsministerium wollte zunächst keine genaueren Angaben zur Herkunft der Soldaten machen. "Wir ermitteln in diesem Fall wie in den anderen auch", sagte ein Sprecher der dpa.

Auf den Bildern ist unter anderem zu sehen, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Totenschädel hält. "Bild" liegen nach eigenen Angaben "dutzende neuer Bilder" vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit menschlichen Knochen zeigen.

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(dpa)