In Deutschland sind weniger Menschen von Armut und Abstieg bedroht als im EU-Durchschnitt - die Angst der Menschen wächst trotzdem.
Für Deutsche besteht ein geringeres Risiko, zu verarmen, als für die meisten anderen Europäer. Während hier zu Lande nur 13 Prozent der Bürger, und damit jeder Achte, als armutsgefährdet gelten, sind es beispielsweise in Spanien 20 Prozent und in Lettland 23 Prozent. Europaweit ist fast jeder Sechste von Armut bedroht, das entspricht 16 Prozent. Diese Daten gehen aus dem Bericht "Leben in Europa" hervor, den das Statistische Bundesamt vorgelegt hat.
In Deutschland fürchten sich viele Menschen vor Armut. (© Foto: AP)
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Die Zahlen der Erhebung stammen aus einer Befragung unter 200.000 Haushalten in Europa aus dem Jahr 2005. Es sind zum großen Teil dieselben Daten, die auch dem von der Bundesregierung kürzlich verabschiedeten Armuts- und Reichtumsbericht zugrunde liegen. Zur Berechnung der Armutsgefährdung haben die Statistiker das mittlere Einkommen in den jeweiligen europäischen Ländern herangezogen.
Wer als Alleinstehender weniger als 60 Prozent dieses mittleren Einkommens verdient, gilt der Definition der Europäischen Union zufolge als armutsbedroht. Wie die Ergebnisse zeigen, schwanken die Schwellen zur Armutsgefährdung europaweit dabei heftig: In Deutschland liegt die Grenze nach unten gemäß der EU-Definition bei 781 Euro netto im Monat, in Luxemburg beträgt sie dagegen 1484 Euro. Der EU-Durchschnitt liegt bei 697 Euro. In Lettland und Litauen gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 127 Euro netto pro Monat hat. In den zwei Ländern sind 23 beziehungsweise 20 Prozent der Menschen von Armut bedroht.
Sozialsysteme funktionieren
Die Daten der Statistiker geben auch Auskunft darüber, für welche Altersgruppen ein besonders hohes Risiko besteht, abzurutschen. So sind beispielsweise in Spanien, Italien und Ungarn ein Viertel der jungen Menschen unter 18 Jahren von Armut bedroht. In Zypern ist dagegen das Abstiegsrisiko für Ältere extrem hoch: 52 Prozent der über 65-Jährigen sind armutsgefährdet.
In Deutschland schwanken die Zahlen in den Altersgruppen und nach Geschlechtern deutlich weniger als in vielen anderen Ländern Europas: Ob Mann oder Frau, jung oder alt - die Gefährdungsquoten liegen relativ konstant zwischen elf und vierzehn Prozent. Nach Aussage einer Sprecherin des Statistischen Bundesamtes spricht das für die deutschen Sozialsysteme. Diese erfüllen demnach ihren Zweck, weil sie den sozialen Ausgleich so leisten, dass keine Bevölkerungsgruppe in extremer Form abstiegsbedroht ist.
Überdurchschnittlich armutsgefährdet sind europaweit Arbeitslose. In Deutschland drohen 43 Prozent der Erwerbslosen unter die 781-Euro-Grenze zu rutschen, in der Europäischen Union sind es 41 Prozent. Auch die Art der Tätigkeit und des Vertrages - ob Voll- oder Teilzeitbeschäftigung, dauerhaft oder befristet - hat Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. Je sicherer das Arbeitsverhältnis, umso niedriger die Gefahr. Die besser Ausgebildeten sind zudem besser vor Armut geschützt als die weniger Qualifizierten.
Ostdeutsche sorgen sich
Obwohl Deutschland in der Erhebung zur Armutsgefährdung überdurchschnittlich gut abschneidet, folgten den Daten aus Wiesbaden Warnungen vor wachsender Armut. Laut einer Umfrage des ostdeutschen Sozialverbandes Volkssolidarität gehen 88 Prozent der Bürger in den neuen Bundesländern davon aus, dass die Armut in der Bundesrepublik in den nächsten zehn Jahren zunimmt.
Jeder zweite über 18-Jährige im Osten mache sich große Sorgen über die soziale Entwicklung, teilte die Volkssolidarität mit. Verbandspräsident Gunnar Winkler sagte, Berechnungen zufolge werde in zehn bis zwanzig Jahren mehr als jeder Fünfte der künftigen Rentnergeneration von Armut betroffen sein. Das Konzept, die gesetzliche Rente zunehmend durch private Vorsorge zu ersetzen, erweise sich immer mehr als Irrweg.
Winkler erklärte zudem, es sei ein Armutszeugnis, "wenn in einem der reichsten Länder der Welt rund 26 Prozent der Bürger von Armut bedroht sind". Die Zahl der Volkssolidarität, wonach in Deutschland doppelt so viele Menschen armutsgefährdet sind, als vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen, ergibt sich aus einer unterschiedlichen Interpretation der Daten.
Der Verband zählt - ähnlich wie jüngst Sozialminister Olaf Scholz (SPD) beim Armutsbericht - auch jene Menschen zu Gefährdeten, die mithilfe von Sozialleistungen über die 781-Euro-Grenze kommen. Wenn man dieser Methode folgt, ist in Deutschland jeder vierte Mensch von Armut bedroht. Scholz hatte diese Interpretation des Armutsberichts vor einigen Wochen dazu genutzt, die SPD-Forderung nach Mindestlöhnen zu untermauern. Innerhalb der großen Koalition hatte das zu einem Konflikt geführt. Vor allem das Wirtschaftsministerium hatte kritisiert, der Armutsbericht sei konzeptionell und sprachlich tendenziös verfasst. Vor kurzem hat das Kabinett eine überarbeitete Fassung verabschiedet.
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(SZ vom 9.7.2008/vw)
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bei diesem emotional aufgeladenen Thema. Stets in Prozenten aber kaum absolute Zahlen, bei manchen beginnt die Armut wenn das Einkommen unter 3000 Euro liegt, \
Was soll damit eigentlich bezweckt werden, die sonst so kritischen Journalisten moechten nicht informieren sondern emotionalisieren.
@Bruxx: Dafür sind die Kosten für den Lebensunterhalt in Luxemburg auch viel höher. Und die Luxemburg sind nicht alle reich. Auch in Luxemburg gibt es Obdachlos und Sozialhilfeempfänger, die gucken müssen wie sie über die Runden kommen. Und da kümmert es einen wenig, wenn man sich kein Auto leisten, wie billig der Benzin ist.
so wie es der Bericht weiterträgt, wie es die EU Statistiken vorschreibt und erstellt, sind Äpfel mit Birnen verglichen.
Wenn bei uns das Kilo Brot für 20ct zu haben wäre und das Kilo Schweinefleisch für zwofuffzich, dann wären 200 im Monat ein Vermögen mit dem sich gut haushalten liese. Aber das durchschnittliche Singlehartzopfer bekommt gerade einmal so viel, daß er sich 300kg Brot kaufen könnte. Hiervon muß er aber sofort die Hälfte an einen Vermieter abgeben. Vom verbliebenen fallen dann nochmals 20% für Strom und Wasser weg. Von den restlichen 120kg kann er immer noch nicht zehren. Denn die müssen für alles weitere herhalten: Kleidung, Hygiene, Fahrtkosten, Bewerbungskosten/Porto, GEZ, Versicherungen, Neuanschaffungen und Reparaturen, Soziale Aktivitäten (Geburtstagsgeschenke, Kontakte in Gatstätten).
Es wird schon einen wirtschafltichen Grund haben, warum die Litauer mit 130 im Monat weder verhungern noch erfrieren. Ein Vergleich der suggeriert dass man in Deutschland deswegen auch mit 130 auskommen könnte, ist ein klares Lügengebäude.
http://37gradplus.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,7260890,00.html
http://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/37-
grad-fuer-eine-handvoll-euro_aid_316791.html
Auszug: "Der Anteil der so genannten Geringverdiener unter den Berufstätigen ist in Deutschland innerhalb eines Jahrzehnts von 15 Prozent auf 22 Prozent gestiegen und liegt nur noch knapp unter dem US-Niveau. Als Niedriglöhner gilt, wer im Westen weniger als 9,60 Euro je Stunde verdient oder im Osten weniger als 6,80 Euro."
Angesichts dieser von der Politik und Wirtschaft verschuldeten Situtation, dass Menschen nicht mehr von ihrer Arbeit leben können und massenhaft als nicht arbeitslos, aber so wenig verdienen, dass sie vom Sozialamt bezuschusst werden müssen, sollten die Deutschen rebellieren.
Hier werden wissentlich durch die Politik und Wirtschaft amerikanische Verhältnisse produziert!
Auch im Zeitarbeitsbereich werden Niedriglöhne bezahlt! Wer sitzt in den beiden größten Adecco und DIS AG? Richtig Wolfgang Clement!
Die Leute sind nicht faul - aber die Wirtschaft will nicht mehr zahlen und die Gewinne steigen ohne Ende!
Hier soll eine breite Masse betteln und durch die Erweiterung des inzwischen 1/4 Niedriglohnbereich sinken die Beiträge in die Sozialkassen!
Darüber schweigen die Politiker und die Wirtschaft leugnet diese Tatsache selbstverständlich.
In dem Beitrag vom ZDF wird klar gesagt: Die Leute haben keine geringe Qualifizierung, inzwischen arbeiten auch Akademiker im Niedriglohnbereich!
Was hiier passiert ist bewusst verursachte Sklavenarbeit!
Diese hart arbeitenden Leute können sich nichts mehr leisten und müssen sogar bei den einfachsten Lebensmitteln sparen - und diejenigen, die am Ruder in Politik und Wirtschaft sind, stopfen sich auf kosten dieser Leute die Taschen!
ich lese Ihre Kommentare ja sehr gerne, aber bitte benutzen Sie doch auch mal das Komma. Ihre langen Sätze lesen sich dann einfacher. Nix für ungut.
Paging