(SZ vom 15. Dezember 2000) - Laura Welsh Bush, die Frau des zukünftigen Präsidenten von Amerika, interessiert sich nicht für Politik. Die Wähler ihres Mannes sehen das als Stärke. "Sie ist die Anti-Hillary", hieß es in den vergangenen Monaten immer wieder aus dem Bush-Lager, als sei das ein Wahlversprechen.
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Denn für die Konservativen in den USA war die ehrgeizige First Lady Clinton in den vergangenen acht Jahren zu einem Symbol für den Verfall der heiligen Institution der Ehe geworden. Eine Frau, die sich nicht damit begnügt im Schatten ihres starken Mannes zu stehen, und die aus offensichtlichen Karrieregründen auch noch seine moralischen Verfehlungen verteidigt.
Welche Wohltat wird da die 54-jährige Gattin des Gouverneurs aus Texas sein, die ganz offen zugibt, dass sie damit zufrieden ist, "zu tun, was traditionelle Frauen tun". Eine schüchterne Volksschulbibliothekarin, die weiß, wie man das inoffizielle Amt einer First Lady mit Würde trägt: als Förderin der Wohlfahrt und der Künste.
In Texas setzte sie sich leidenschaftlich für die Kindererziehung ein, organisierte Buchfeste mit texanischen Autoren, Ausstellungen mit texanischen Künstlern und sammelte Gelder für Bibliotheken. Aufgewachsen ist Laura Bush als einzige Tochter eines Bauunternehmers in George W. Bushs Heimat Midland, einer Kleinstadt inmitten der Ölfelder in der Wüste von Texas.
Sie machte ihren Magister in Bibliothekarswesen an der Texas University in Austin. Fast zehn Jahre lang arbeitete sie als Lehrerin und Bibliothekarin. Dann lernte sie 1977 bei einer Grillparty George W. kennen. Nach einer dreimonatigen Romanze heirateten die beiden. Laura gab ihren Job auf.
George W. begann am Tag nach ihrer Hochzeit seinen vergeblichen Wahlkampf für einen Sitz im Kongress. Vier Jahre später wurden die Zwillingstöchter geboren, die sie nach den Großmüttern Barbara und Jenna benannten. Privat gilt Laura Bush als der Fels in George W. Bushs Brandung.
Eine perfekte Hausfrau, die Nervosität dadurch kompensiert, das Haus zu putzen und die Schränke aufzuräumen. Und die ihren Mann dazu gebracht hat, das Trinken aufzugeben. Nach einem kräftigen Rausch anlässlich seines 40. Geburtstages half sie ihm, dem Alkohol zu entsagen und sein Seelenheil als "wiedergeborener Christ" in der Bibel zu suchen.
Die Wahlkampfauftritte der zierlichen Erscheinung mit dem adretten, braunen Pagenkopf und den strahlenden blauen Augen beschränkten sich neben ihrem Mann auf zustimmendes Nicken und ermunterndes Lächeln. Selbst ihre Ansprache vor dem Konvent der Republikanischen Partei in Philadelphia wurde von politischen Beobachtern als Manifest ihrer apolitischen Rolle gewertet.
Glaubt man der offiziellen Biografie, kritisierte sie ihren Mann nur einmal. Nach einer Rede während seines ersten Wahlkampfes 1978.
Auf dem Heimweg von einer Wahlveranstaltung soll er sie gefragt haben, wie sein Auftritt gewesen sei. Als sie daraufhin meinte, furchtbar, habe er den Wagen gegen die Garagenwand gefahren. Seither beschränkt sie ihre Kritik auf ein gelegentliches, freundliches "Oh, George".
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