Dieter Althaus verliert seine absolute Mehrheit - nur mit der SPD könnte die Union weiterregieren. Doch die Genossen flirten auch mit den Grünen und der Linken. Nur wer wäre dann Ministerpräsident?
Ein kurzer Händedruck auf dem Treppenhaus des Landtages. Mehr haben sich Dieter Althaus und sein Vorgänger im Amt des thüringischen Ministerpräsidenten, Bernhard Vogel, an diesem Abend nicht zu sagen. Althaus, der bleich und schmal die Stufen hinauf hastet, hat soeben die schwerste Wahlschlappe seiner Laufbahn einstecken müssen.
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus kann nicht mehr alleine regieren. (© Foto: AP)
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Vogel, der gemächlich die Treppe hinunter geht, ist ein gern gesehener Gesprächspartner, wenn es darum geht, die erdrutschartigen Verluste seines Nachfolgers zu erklären. Gab es einen speziellen Grund dafür? Vogel antwortet diplomatisch: "Siege haben immer nur einen Vater, Niederlagen hingegen viele."
Schon kurz nach 18 Uhr hatten die Christdemokraten im Erfurter Landtag ihre Niederlage eingestehen müssen. Entsetzte Gesichter im Saal der CDU, als die ersten Wahlprognosen über den Bildschirm laufen. Zwar ist der unwirtliche Raum mit den Neonleuchten im Erdgeschoss gut gefüllt, Wahlhelfer aus dem ganzen Land sind hergekommen, auch aus dem Eichsfeld, der Heimat von Althaus. Einer, der am Morgen mit ihm im Gottesdienst gewesen ist, räumt gefasst ein, dass man das schlechte Ergebnis irgendwie habe kommen sehen.
Innenminister Helmut Scherer (CDU), der vor Jahren wie Vogel aus Rheinland-Pfalz nach Thüringen gewechselt war, schaut gespannt in Richtung Bildschirm. Eben trank er noch gut gelaunt sein Bier, jetzt sieht er eher betreten aus. Schweigsam verfolgen die CDU-Sympathisanten, was der Moderator im Fernsehen erklärt. Mehr als zehn Prozent minus - ein Ergebnis, dass sie erst einmal schlucken müssen.
Strahlender Linke-Kandidat
Und so erklärt sich vielleicht, dass erst, als die enormen Verluste für die CDU im Saarland mitgeteilt werden, ein Schreckensschrei den Raum erfüllt: Nun scheinen die Zuschauer zu begreifen, wie viel die CDU tatsächlich verloren hat. An einer der kahlen Wände im Versammlungsraum der CDU steht ein Transparent aus Wahlkampfzeiten: "Hauptsache Thüringen", steht da. Was könnte das für die Christdemokraten bedeuten? Klar ist schon nach der ersten Prognose, dass die absolute Mehrheit von Althaus verloren ist. Doch selbst mit den Liberalen reichen die Prozente nicht aus, um eine Regierung zu bilden. So bliebe für sie nur eine Koalition mit der SPD.
CDU-Fraktionschef Mike Mohring bringt diese Variante auch sofort ins Gespräch: Zwar habe man sich mehr erwartet, meint der Politiker, der sich stets sehr religiös gibt und ein Kreuz im Büro hängen hat, "doch wir nehmen das Ergebnis mit Demut an". Immerhin sei die CDU stärkste Fraktion geblieben, mithin werde sie auch die anderen Parteien einladen zum Gespräch über Bündnisse. Mohring lässt keinen Zweifel, dass an Althaus als Spitzenmann nicht gerüttelt werde. Unter der Hand aber sind kritische Stimmen zu hören, die Niederlage sei vorhersehbar gewesen: "Es gab so eine Stimmung, die sich immer mehr verfestigt hat", sagt ein Kabinettsmitglied, das sei "schon lange vor dem Unfall" so gewesen. Spielte der Skiunfall vom Jahresanfang womöglich gar keine Rolle für die Thüringer? Am Wahlabend ist jedenfalls nirgendwo die Rede davon.
Glücksstrahlend gibt sich Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Linken: Endlich sei "der schwarze Filz" abgewählt, endlich könne der Politikwechsel eingeleitet werden, frohlockt er. Er bräuchte freilich zum Regieren sowohl die SPD, als auch die Grünen, die nach 15 Jahren Abwesenheit wieder in Thüringens Landtag sind. Ramelow macht keinen Hehl daraus, dass er die Vertreter der beiden anderen Parteien einladen und damit auch den weiteren Weg vorgeben will.
Auf der nächsten Seite: Warum die Linke zu Gesprächen mit Grünen und SPD einlädt - ihr Spitzenkandidat aber nur minimale Chancen auf das Amt des Ministerpräsidenten hat.
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Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
'Hahaha! Sie vergaßen zu erwähnen - mit Absicht? , dass sie das aber nicht allein kann, sondern einen Koalitionspartner braucht. Das ist ja gerade der Casus knaxus. '
@ninapril08: Verrat liegt in der Luft
'Wo ist das Problem? Alle schreien immer, die stärkste Fraktion stellt den Chef. Das ist die Linke,'
Die Linke ist eben nicht die stärkste Fraktion in Thüringen. Das ist alles. Ich habe das nicht gewertet, sondern nur festgestellt. Nebenbei - in Thüringen ist keine Partei ohne Koalitionspartner in der Lage zu regieren.
Mir persönlich wäre eine Koalition CDU mit den Linken am Liebsten, hat diese doch den größten Spassfaktor.
Auch wenn es schwerfällt zu glauben, die SPD war nicht SED-hörig, sie war aufgrund des Zusammengehens mit der KPD Bestandteil der SED -im Gegensatz zur CDU-. Wie man dem vom mir zitierten ARTIKEL in der SZ entnehmen kann, ist dort von einem Zusammenhang zwischen der abgelehnten "Auszeichnung" und der Zahlung von 500 M keine Rede. Ihre Mutmaßung, dass die abgelehnte "Auszeichnung" auch eine Zahlung von 500 M beinhaltet, hat keine Grundlage. Zumindest kann man das aufgrund dieses von mir zitierten Artikels nicht herstellen. Noch mal mein Appell, etwas genauer mit den hwerangezogenen Quellen umgehen, und nichts hineinlesen (oder nachverbessern), was im ursprünglichen Text nicht steht.
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Nein Veltliner, ich hab nicht falsch zitiert, sondern nur versäumt, meine Quelle anzugeben. Es war Wikipedia.
Wo aber steht in Ihrem Zitat geschrieben, dass es da "keinen Zusammenhang" gab? Sie haben wirklich eine seltsame Lesart. Wofür soll er denn sonst die 500 Mark bekommen haben?
Die DDR-CDU war übrigens - im Unterschied zur SPD - eine SEDhörige Partei. Was soll ich da "zurücknehmen"?
Zitat:"Rot-rot alleine hat die Mehrheit."
.. aber nur wenn bei der SPD nicht wieder jemand querschießt. Rot-Rot hat nur eine Mehrheit von einer Stimme (Hessen läßt grüßen). Angesichts des generellen Chaos bei der Linken und dem gelegentlichen Chaos bei der SPD wäre es eine Frage der Vernunft, die Regierung auf eine breitere Basis zu stellen. Natürlich kann Ramelow ja auch versuchen die die Grünen als stille Reserve und U-boot auf der Oppositionsseite anzuheuern. Wowereit hat das in Berlin auch geschickt hinbekommen.
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