Landtagswahl in Schleswig-Holstein Kubicki - Macho, Menschenfreund oder beides gleichzeitig?

Aber natürlich hat der Erfolg der FDP in Schleswig-Holstein vor allem mit Kubicki zu tun. "Er ist bekannter als der Ministerpräsident", sagt Kumbartzky, als der eher unscheinbare Sozialdemokrat Torsten Albig also. Kubickis Gesicht zieht so gut wie immer. Nach Jahrzehnten der geschliffenen Lautsprecherei ist er drin in den Köpfen der Leute. Wobei der Begriff Lautsprecherei seinem Stil nicht ganz gerecht wird, schon gar nicht jetzt, da er "altersbereinigt richtig gut drauf" ist, wie Kubicki sagt. In seinen Auftritten steckt die Kraft einer nassforschen Vernunft, durch die man nie so genau weiß, ob Kubicki ein Macho, ein mitfühlender Menschenfreund oder beides gleichzeitig ist.

Kubicki hält nicht viel von den Umständlichkeiten grüner Weltverbesserungsmodelle. An der Landesregierung kritisiert er, dass sie trotz sprudelnder Steuereinnahmen mit einem kleinteiligen Naturschutzeifer Bildung und Infrastruktur vernachlässige. Und er lächelt über eine Moral, die nur den eigenen Anspruch gelten lässt, wie er sie beim Ministerpräsidenten Albig erkennt. "Ich würde nie versuchen zu erklären, dass das, was ich glaube, denke und fühle, eine absolute Weltgeltung hat", sagt er.

Neue Umfrage

Nach einer neuen Umfrage des NDR vom Donnerstag kann die SPD derzeit auf 33 Prozent der Stimmen hoffen, die Grünen auf zwölf und der von der Fünf-Prozent-Hürde befreite SSW auf drei Prozent. Damit könne die bisherige Koalition weiterregieren. Die CDU bekäme 31, die FDP neun und die AfD nur noch fünf Prozent. Die Piraten würden aus dem Landtag fliegen, die Linken nicht hineinkommen. dpa

Oliver Kumbartzky: Mit 28 zum ersten Mal in den Landtag gewählt

Klar, zwischendurch fordert er schon mal den Rücktritt der grünen Finanzministerin Monika Heinold, weil die aus seiner Sicht zu leichtgläubig ist im Umgang mit dem taumelnden Regional-Geldinstitut HSH-Nordbank. Das gehört zum Job des Oppositionellen. Aber im Grunde lässt er jedem seine Façon. Wenn man mit Kubicki spricht, versteht man besser, warum Gutmenschen für ihn nicht automatisch die besseren Freigeister sind: Weil sie so sehr in ihren Befindlichkeiten gefangen sind, dass sie keine klaren Entscheidungen treffen. "Ich glaube nicht, dass es wirkliche Verschwörungen gibt", sagt Kubicki, "ich glaube, dass es professionelles Arbeiten gibt."

Kubicki ist streng und lässig zugleich, damit kann er Menschen gewinnen. Außerdem ist er kein Chef, der Angst vor seinen potenziellen Nachfolgern hat - das ist ein Vorteil für eine Partei, die für eine bessere Zukunft einen neuen Kubicki braucht und möglichst noch einen und noch einen. Und dazu den einen oder anderen weiteren Lindner. Oliver Kumbartzkys Beispiel zeigt, dass die Jungen bei den Freidemokraten was bewegen dürfen: Ins Kieler Parlament zog er zum ersten Mal mit 28 ein. "Bei der CDU muss man erst 30 Jahre Plakate kleben, bis man für den Landtag kandidieren darf", sagt Kumbartzky, "das ist bei uns deutlich anders." Prompt scheint sich Kubicki im Wahlkampf von Schleswig-Holstein etwas zurückzunehmen. Wenn man ihn darauf anspricht, sagt er: "Den Raum, den Sie in diesem Wahlkampf identifiziert haben, den nehmen sich die Abgeordneten der FDP-Fraktion selbst."

Schleswig-Holsteins Liberale sind anders als die Bundes-FDP

Schleswig-Holstein ist anders als andere Bundesländer. Die Randlage im Norden, die Nähe zur See haben den Leuten ein klares Bewusstsein für den Wert der Natur und die Weite der Welt gegeben. Hier stellt man sich gerne gegen das Establishment. Das merkt man auch der Landes-FDP an, die in manchen Fragen anders tickt als die Bundes-FDP: Den Atomausstieg fand sie gut, Fracking findet sie schlecht. Kubicki hat sich immer wieder mit den Berlinern angelegt. Und jetzt sind die Parteifreunde im Norden so selbstbewusst, ihren berühmtesten Mann umstandslos in die Hauptstadt schicken zu wollen.

"Uns ist nicht bange", sagt Oliver Kumbartzky. Kubicki muss weg, damit er die Partei woanders stark machen kann.

Wie Christian Lindner die FDP auf den Wahlkampf einstimmt

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