Landtagswahl in Schleswig-Holstein Intimes im Wahlkampf

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig plaudert übers Heilfasten und seine gescheiterte Ehe. Es könnte ihm im Kopf-an-Kopf-Rennen vor der Landtagswahl eher schaden als nützen - wie anderen vor ihm.

Von Ulrike Heidenreich

Wenn ein Spitzenkandidat mitten im Wahlkampf von sich gibt, dass er und seine Liebste zehn Tage lang nur verdünnte Säfte, Tee und Brühe konsumiert haben, ist immer die Frage, was das soll. Für Torsten Albig, SPD-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, war die Folge einerseits erfreulich - nämlich fünf Kilogramm Gewichtsverlust. Andererseits haben sich einige Sätze aus seiner Homestory im Fachblatt Bunte verselbständigt und beträchtliches Erstaunen provoziert. Erneut bestätigt sich die Erkenntnis: Politiker, die Intimes preisgeben, sollten sich zuvor intensiv beraten lassen.

Albig, früher als Pressesprecher des Finanzministers Steinbrück selber ein Berater, hatte der Öffentlichkeit nicht nur sein Heilfasten dargelegt, sondern auch, warum er sich nach 27 Jahren Ehe trennte. Klar, neue Liebe und so, aber halt auch der fehlende Austausch "auf Augenhöhe" mit seiner künftigen Ex-Frau Gabriele. "Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres." Und: "Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen."

Der einen oder anderen ebenfalls am Herd gefangenen Hausfrau in Schleswig-Holstein wird diese Äußerung sauer aufgestoßen sein. Und draußen auf dem Land hagelt es seitdem Kritik und Häme; genussvoll zitieren Albigs Gegner die Bunte-Passagen - mit dem Hinweis, dass das ja schon eine recht rückständige Rollensicht der Geschlechter sei. Der Ministerpräsident selbst aber bleibt tapfer dabei, dass Menschsein irgendwie dazugehört und dass Politiker dann wohl auch Privates preisgeben müssten.

Private Inszenierungen von Politikern sind riskant

Dass der Preis recht hoch sein kann, wenn dies schiefgeht, ist hinlänglich bekannt seit Rudolf Scharping. Der schaffte es als Verteidigungsminister immerhin im August 2001 auf die Titelseite der Bunten - wo man ihm zusehen konnte, wie er mit seiner neuen Freundin in einem Pool auf Mallorca planschte. Dies geschah, während sich Scharpings Soldaten zum Einsatz in Mazedonien rüsteten, und kam so schlecht an, dass Scharping als Politiker im Grunde damit erledigt war. Elf Monate durfte er noch im Amt bleiben, dann feuerte ihn Kanzler Schröder.

Das Publikum lehnt sich amüsiert zurück. Noch vor ein paar Jahrzehnten schließlich war das Äußerste, das privat von einem Staatsmann zu bekommen war, ein inszeniertes Statement vorm Feriendomizil am Wolfgang- oder Comersee. Wenn Konrad Adenauer sich sommers in Cadenabbia beim Boccia zeigte, wurde das einmal im Jahr der Nation als Spitzenmeldung in den Abendnachrichten gezeigt. Nachdem der Bundeskanzler dann zurück durchs Gartentor schritt, war das Spektakel vorbei.

Die heutigen Politiker-Inszenierungen sind riskanter; häufig lösen sie Häme und Fremdschämen aus. Glücklich sind dann auch die Protagonisten nicht mehr. Cornelia Pieper öffnete vor Jahren als FDP-Generalsekretärin drei Stern-Reportern das Haus. Stolz präsentierte sie ihnen einen Topf mit der "grünen Aufzucht meines Sohnes". Diese entpuppte sich als Hanfgewächs; auf den Besuch der Reporter folgte der der Polizei. Oder Brigitte Seebacher-Brandt, die letzte Ehefrau von Willy Brandt. Deren Sympathiewerte hat es nicht gesteigert, dass sie über ihren Mann berichtete, der putze nun gerne in der Küche Lauch, Sellerie und Möhren. Außerdem müsse er ganz dringend zwei Kilogramm abnehmen.

Bei Albig in der Bunten ging es übrigens auch noch ums Thema Essen. Seine neue Lebensgefährtin freue sich über Aufmerksamkeiten wie "besonderen Balsamico-Essig" oder ein Stück "leckeren Parmesan". Immerhin, diese Form von Augenhöhe hat er jetzt.

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