Hannelore Kraft hatte nach der NRW-Wahl drei Machtoptionen. Jetzt hat sie keine mehr. Eine große Koalition ist keine Alternative. Was NRW braucht, ist ein radikaler Neustart.
Ein gefühlter Wahlsieg nutzt gar nichts, wenn die Mehrheiten fehlen, ihn Regierungsrealität werden zu lassen. Die Spitzenfrau der SPD in Nordrhein-Westfalen bekommt das jetzt zu spüren. Nach den gescheiterten Sondierungsgespräche über ein Linksbündnis und eine große Koalition musste Hannelore Kraft in der vergangenen Nacht auch ihre dritte Option beerdigen: Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.
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Kein Koalitionspartner, nirgends: Hannelore Kraft hat keine Machtoption mehr. (© dpa)
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Das eigene Siegesgefühl, das muss ehrlicherweise gesagt werden, resultierte aus der herben Wahlniederlage für die CDU (minus zehn Prozentpunkte) und dem sehr guten Ergebnis der Grünen. Fast wäre eine eigene rot-grüne Mehrheit in NRW möglich gewesen. Es waren Sieg und Niederlage der anderen, die Kraft bestärkt haben, Anspruch auf den Posten des Ministerpräsidenten zu erheben - obwohl ihre SPD am Ende eine paar tausend Stimmen hinter der CDU gelandet war.
Vorzuwerfen ist ihr das nicht. Ihr Verhalten entspricht dem Grundgefühl der Menschen in NRW, die erkennbar einen Politikwechsel wollen. Anders steht es um Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Er hätte nach dieser krachenden Niederlage gleich am Wahlabend zurücktreten müssen. Offenbar will er den Rat seines hessischen Amtskollegen Roland Koch beherzigen und die Sache einfach aussitzen.
Jetzt müsse es einen neuen Anlauf für eine große Koalition geben, heißt es vor allem aus dem Unionslager. In klassischen Kategorien gedacht mag das stimmen. Die Sondierungsgespräche mit der CDU aber sind nicht umsonst gescheitert. Und offenbar macht die CDU keine Anstalten, für eine große Koalition wenigstens den Wahlverlierer Rüttgers zu opfern. Ohne seinen Rücktritt aber und einen erkennbaren Systemwechsel in der Schulpolitik wird die SPD einer großen Koalition nicht zustimmen können. Zu beidem ist die CDU nicht bereit.
Es bleibt nur ein weg: Neuwahlen. Das ist keine schöne Lösung. Die Wähler sollen im Prinzip nicht so lange ihre Stimme abgeben müssen, bis sie ein Ergebnis zusammengewählt haben, mit dem die Parteien etwas anfangen können.
Doch die Wähler in NRW können in dieser Situation nicht beides haben: eine stabile Regierung und zwei Parteien, die glaubwürdig bleiben. Kompromisse gehören zur Politik. In diesem Fall aber wären sie so groß, dass faul dafür noch eine harmlose Umschreibung wäre.
Neuwahlen wären auch eine Chance für einen Neustart der politischen Kultur in NRW. Im Wahlkampf haben die Parteien aufeinander eingedroschen, dass jeder Kesselflicker seine Freude gehabt hätte. In einem zweiten Wahlkampf hätten die Parteien die Chance, verbal abzurüsten. Andere Parteien sind keine Feinde, die es zu bekämpfen gilt. Sie sind Mitbewerber und im Fünf-Parteien-System automatisch potentielle Partner.
Bei allen Risiken, die Neuwahlen für die einzelnen Parteien bergen: Sie könnten eine reinigende Wirkung haben auf das Verhältnis der Parteien untereinander. Und damit auf das Verhältnis der Bürger zu ihrer Demokratie.
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(sueddeutsche.de/bavo)
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Die Ja-aber-Frau
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Regieren in der Unterzahl
Das ist doch echt unglaublich, was manche Menschen in Mathematik rein interpretieren. Das können doch nur Analysten sein die früher für "Lehman Brothers" gearbeitet haben.
Also, noch einmal zum Mitschreiben, für alle wie "DerWanderer":
2+2=4 und nicht 22.
Wenn ein Wähler eine Partei nicht will, wählt er sie nicht. Bekommt eine Partei weniger Stimmen, kann man in keinem Fall mit der Tendenz arbeiten. So funktioniert die Demokratie nicht. Nach dieser Logik müssten nämlich dir Grünen die NRW regieren. Das war nämlich die einzige Partei mit einer klaren Tendenz nach Oben.
Aber so ist es eben nicht. Die Wähler haben klar gewählt und da kann keiner kommen und sagen obwohl wir weniger Stimmen haben, sind wir mehr wert. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die ihresgleichen sucht.
Der Wähler hat hier aber sich klar für seine Partei entschieden. Das Ergebnis ist genauso klar. Somit haben die Parteien unter einander auszuloten, mit wem sie arbeiten. Eines ist dabei klar: Eine große Koalition, die ja schon im BT funktioniert hat, hat hier mehr Stabilität und kann klarer regieren. Wenn nur deren hohen Köpfe die ihren erst einmal aus den Wolken ziehen.
In diesem Sinne
Schönes WE
Rot-Rot _Grün und gut ist
Herrschaftzeiten, es GIBT einen Regierungsauftrag für drei Parteien in diesem Land und aufgrund des Zuwachses der Linken und der Niederlage der FDP ist die gelbe eindeutig vom Wähler als dritte nicht gemeint. Die Mehrheit will einen Richtungswechsel, das Abstrafen der CDU zeigt das mehr als deutlich, und die Wähler haben dazu den Auftrag erteilt. Daran, dass die beauftragten Parteien nicht willens sind, diesen Auftrag anzunehmen, weil's viel Arbeit bedeutet, sind jetzt die Wähler schuld? Müssen nochmals wählen gehen, weil sie anscheinend was falsch gemacht haben? Ja, geht's noch?
Außerdem ist etwas ganz klar: Bei Neuwahlen wird die Wahlbeteiligung dramatisch klein sein, denn wer hat denn noch Vertrauen darin, dass seine Stimme tatsächlich zählt? Und das Ergebnis zu geringer Wahlbeteiligung ist immer in Schieflage zum realen politischen Willen der (verstummten) Mehrheit.
Nein, alle, die jene drei Parteien gewählt haben, sollten sich in Düsseldorf versammeln und sie zwingen, ihre Arbeit zu tun! Hier herrscht TINA!!
"Es ist tatsächlich etwas anders, als sie glauben und das schon immer seit 1949! "
Jein. Ich weiß was Sie meinen, aber: Tatsächlich hat der Wähler die Macht, was er auch hier klar zeigte. Er kann wählen, wen er will (so lange sich derjenige zur Wahl stellt natürlich). Die Parteien und einzelne Politiker haben danach nur die Möglichkeit zu versuchen daraus das Beste für ihre Partei zu machen.
Eines ist aber klar:
Sollte es eine Neuwahl deswegen geben (den Parteien gefällt das Wahlergebnis nicht, weil sie nicht können, wie sie wollen), würde es ein klarer Fall sein: Die Parteien entscheiden, wie der Wähler zu wählen hat.
Sorry, aber ich halte von dem Vorschlag Neuwahlen gar nichts.
Es kann ja nicht angehen, das der Wähler solange runwählt, bis die Psychosen und Neurosen unserer Herren und Frauen Politiker deckungsgleich sind.
Der Kommentar von Herrn Denkler könnte aus dem Jahr 1931/32 stammen.
Da zitier ich jetzt mal Willi Brandt: Wehret den Anfängen!
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