Kritik an Lötzsch und Ernst Führungskrise der Linken eskaliert

"Grobe Unterschätzung des Diskussionsbedarfs": Das Führungsduo Lötzsch und Ernst bekommt die Flügelkämpfe in der eigenen Partei nicht unter Kontrolle. Jetzt droht der erste Landeschef mit dem Rückzug aus der Bundesspitze.

Von Daniel Brössler, Berlin

In der Linkspartei eskaliert der Führungsstreit. Der Landeschef der Linken in Sachsen-Anhalt, Matthias Höhn, drohte mit dem Rückzug aus der Bundesspitze. "Wenn ein kooperativer Stil nicht mehr gewünscht wird, dann werde ich meine Konsequenzen daraus ziehen. Für einen solchen Führungsstil stehe ich nicht zur Verfügung", sagte Höhn der Süddeutschen Zeitung. Höhn ist Mitglied des geschäftsführenden Parteivorstandes mit Gesine Lötzsch und Klaus Ernst an der Spitze.

Nach der schweren Krise und den Zerwürfnissen im vergangenen Jahr sei klar gewesen, dass es das neue Personaltableau nicht leicht haben werde, sagte Höhn. "Ich habe mich um Ausgleich und Verständigung bemüht. Allerdings lege ich auch Wert darauf, dass ich nicht der Einzige bin, der das tut", fügte er hinzu. Ein Rückzug des Ostdeutschen, der dem Reformerlager zugerechnet wird, dürfte die Konflikte in der Partei deutlich verschärfen.

Streit war zuletzt durch Diskussionen über eine Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Parteispitze ausgebrochen. Kritik an diesen Überlegungen durch den sächsischen Landeschef Rico Gebhardt hatte der Parteibildungsbeauftragte Ulrich Maurer mit dem Hinweis beantwortet, Gebhardt könne "wieder laut werden", wenn er bessere Wahlergebnisse habe.

"Die Lage wird nicht dadurch besser, dass die Landesvorsitzenden pampig von der Seite angegangen werden. Damit wird das Frustpotential nur größer", warnte Höhn. Zudem handele es sich um "eine grobe Unterschätzung des Diskussionsbedarfs, den es in der Partei gibt, und eine Art des Umgangs, die nicht meinem Parteiverständnis entspricht". Die Verantwortlichen in der Linken müssten sich endlich "zusammenreißen und die Partei durch die nächsten drei Wahlkämpfe führen".