Italiens Regierung will mit Hilfe mehrerer Tausend Soldaten Kriminalität und illegale Zuwanderung bekämpfen. Innenminister Maroni verteidigte den umstrittenen Notstand.

In Italien sollen Soldaten die Polizei bei der Bekämpfung von Kriminalität und illegaler Zuwanderung unterstützen. Von Montag an werden nach dem Willen der konservativen Regierung mehrere Tausend Armeeangehörige in den Straßen von Großstädten wie Rom, Mailand, Neapel und Palermo auf Streife gehen.

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Die Regierung in Italien hat ihre umstrittene Migrationspolitik verteidigt. Unterdessen ereignete sich ein weiters Flüchtlingsdrama. (© Foto: AFP)

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Sie sollen zudem den Vatikan, den Mailänder Dom, Bahnhöfe, Botschaften und andere mögliche Anschlagsziele bewachen. Innenminister Roberto Maroni und Verteidigungsminister Ignazio La Russa vereinbarten den Unterstützungseinsatz am Dienstag.

Die Entscheidung zeige die Entschlossenheit der Regierung, die Sorgen der Bürger zu zerstreuen, sagte La Russa. Vertreter der linken Opposition warnten dagegen, der Einsatz von Soldaten im historischen Stadtzentren auf dem Höhepunkt der Urlaubssaison werde das Ansehen des Reiselandes Italien zerstören. Die Probleme bei der Kriminalitätsbekämpfung seien auf Etatkürzungen bei der Polizei zurückzuführen. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen seien so erfolgversprechend wie "Gesicht waschen mit schmutzigem Wasser"" sagte der Oppositionsabgeordnete Antonio di Pietro.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat unterdessen den umstrittenen landesweiten Flüchtlings-Notstand verteidigt. Gleichzeitig stützte er die Politik der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Sollte sich die Flut der illegalen Einwanderer ungebrochen erhöhen, werde deren Zahl in diesem Jahr mehr als 30.000 erreichen, sagte Maroni vor der Abgeordnetenkammer in Rom. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der auf Sizilien und Sardinien sowie in Apulien und Kalabrien angekommenen Flüchtlinge im ersten Halbjahr 2008.

Die bestehenden Zentren seien ungenügend auf diese Immigrantenwelle vorbereitet. Deshalb will der Minister der rechtspopulistischen Lega Nord die Zahl der Aufnahmelager auf 20 verdoppeln.

Mit dem am vergangenen Freitag ausgerufenen Notstand werden die Befugnisse der Polizei und der Behörden im Kampf gegen illegale Einwanderer ausgeweitet. Maroni hielt der linken Opposition erneut entgegen, dass es sich mit dem Notstand um keine neue Maßnahme handele. Diese war landesweit 2002 - auch unter Berlusconi - erstmals aufgerufen und von der Mitte-Links-Regierung unter Romano Prodi verlängert worden. Das Innenministerium verwahrte sich auch gegen Kritik aus dem Europarat, Italien verletze mit seiner Politik gegen Einwanderer die Menschenrechte.

Der Sozialist Vittorio Craxi bekräftigte am Dienstag den Vorwurf an die Regierung, "unnötige Panikmache" zu betreiben. Er verlangte ein "Ende dieses ideologischen Kreuzzuges", der dem Land international nur Negativschlagzeilen zur Immigration einbringe..

Flüchtlingsdrama: Mehrere Tote

Unterdessen berichteten italienische Fischer und Behörden von einem erneuten Flüchtlingsdrama vor der libyschen Küste. Bei einem Schiffbruch seien mindestens 7 Einwanderer umgekommen, 21 konnten gerettet werden, berichtete der Kapitän eines Fischerbootes am Abend.

"Sie sind sehr erschöpft und müssen seit langem auf See gewesen sein", berichtete der Kapitän eines Fischerboote über die Überlebenden. Es seien junge Menschen im Alter von 20 bis 25 Jahren an Bord gewesen. Sie hätten nur durch Gesten zu erkennen geben können, dass sie Hunger und Durst hätten, sagte Angelo Giacalone.

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