Berliner Lageso Hunderte Menschen warten in der Kälte

Eine Mutter wärmt die Hände ihres Kindes: Die beiden warten vor dem Berliner Lageso.

(Foto: AP)

Am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales ist die Betreuung der Flüchtlinge nach wie vor chaotisch. Helfer fordern bessere Zelte.

Von Hannah Beitzer, Berlin

Die Helfer vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), das seit Monaten wegen chaotischer Zustände in der Kritik steht, fordern einen besseren Kälteschutz für Flüchtlinge. Die Temperaturen liegen in der Hauptstadt seit einigen Tagen konstant unter null, teilweise erreichten sie zweistellige Minuswerte. Dennoch warten vor dem Lageso Tag für Tag Flüchtlinge. "Die Lage für die wartenden Flüchtlingen ist nicht zufriedenstellend", sagt Christina Busch von der Caritas, die vor dem Lageso ehrenamtliche Ärzte koordiniert und eng mit den anderen Helferorganisationen zusammenarbeitet.

Zwar gibt es auf dem Gelände des Lageso beheizte Zelte, doch die reichten nicht für alle Wartenden. Ein Hörsaal, in dem zusätzlich Flüchtlinge warten können, ist bisher nur tagsüber geöffnet. Auch am Donnerstag standen Hunderte Menschen im Schnee vor der Zentralen Leistungsstelle. Viele trugen keine winterfeste Kleidung, sondern Turnschuhe und dünne Jacken.

In sozialen Netzwerken und unter Helfern war bereits von Flüchtlingen die Rede, die wegen Erfrierungen vom Notarzt behandelt werden mussten. Die zuständige Senatsverwaltung für Soziales dementierte die Berichte. Die Caritas widersprach zumindest einem Gerücht, wonach einem Flüchtling ein Zeh amputiert werden musste. Dass es aufgrund der Kälte schon zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen ist, kann Christina Busch dennoch nicht ausschließen. "Es ist körperlich anstrengend, bei diesen Temperaturen zu lange im Freien zu stehen und zu warten."

Qualität der Zelte müsse überprüft werden

Viele Helfer bemängeln das Krisenmanagement des zuständigen Sozialsenators Mario Czaja. "Moabit hilft" verbreitete ein Bild von einem kleinen Jungen, der nur in Decken eingewickelt beim Lageso erschienen sei. Eine Sprecherin verwies hingegen im Tagesspiegel auf Verbesserungen. Auch Busch sieht gute Ansätze - so werde das Personal am Lageso aufgestockt. Sie lobt auch die neu ausgegebenen Gesundheitskarten, sie sollen Asylbewerbern künftig ersparen, sich einmal pro Quartal einen Behandlungsschein abholen zu müssen.

Dennoch mahnt sie: "Wir brauchen schnelle Lösungen für die Menschen, die unmittelbar hier vor Ort sind." Die kleine Notunterkunft auf dem Gelände für besonders Schutzbedürftige - zum Beispiel: allein reisende Frauen mit kleinen Kindern, Schwangere, Kranke - sei voll belegt. Außerdem brauche es mehr Wartezelte, der Hörsaal, in dem Menschen tagsüber warten können, müsse auch nachts geöffnet sein. Und nicht zuletzt müsse die Qualität der Zelte überprüft werden. Helfer bemängeln, dass diese die Kälte nicht ausreichend fernhalten.