Lafontaine auf dem Linken-Parteitag Machtlose Eminenz

Oskar Lafontaine, einst mächtiger Parteichef der Linken, mag es gerade noch schaffen, Debatten anzustoßen. Die Euro-Frage aber hat gezeigt: Seine Macht schwindet. Das liegt auch am klugen neuen Führungsduo.

Ein Kommentar von Ralf Wiegand, Dresden

Vielleicht wollte Oskar Lafontaine einfach wissen, wie weit sie ihm noch folgen. Welches Gewicht sein Wort noch hat, auch wenn er es gar nicht selbst an die Delegierten richtet.

Er hat seine Meinung zum Euro eher beiläufig in einem Interview fallen gelassen und damit doch das Programm-Highlight der Parteiversammlung in Dresden gesetzt. Die Linke stand plötzlich vor der Entscheidung, raus aus dem Euro zu wollen oder dafür zumindest den Weg zu ebnen. Schon das wird ihn gefreut haben. Das war es aber auch schon. Oskar Lafontaine ist am Samstagnachmittag einfach so verschwunden vom Bundesparteitag der Linken. Durch eine Seitentür, über die Terrasse. Zur Abstimmung war er gar nicht mehr im Saal.

Sein Wunsch, die Partei - seine Partei - möge sich einer faktischen Abschaffung des Euros anschließen, blieb unerfüllt.

Keine Allianz mit AfD und NPD in der Euro-Frage

Es war die brisanteste Frage des Dresdner Parteitages, ob die Delegierten den aktuellen Vorstand stützen und zum Euro halten würden. Oder ob sie einem der Änderungsanträge folgen, in Opposition zur Europa-Währung gehen und die Parteispitze damit in eine neuerliche Krise stürzen würden.

Mit einem Nein zum Euro hätten sich die Linken nicht nur in eine seltsame Allianz mit der "Alternative für Deutschland" (AfD) und der NPD begeben, die beide das Ende des Euros wollen. Die Linke hätte auch ihre politischen Flügel wieder weit gespreizt.

Ein Nein zum Euro hätte die Linke mal wieder zerreißen können. Es wäre eine vernichtende Niederlage für die Realos, ein fundamentaler Sieg der Ultralinken gewesen, der Lafontainisten. Dabei ist es doch gerade so schön harmonisch.

Der Einfluss der Eminenz aus dem Saarland schwindet

Es gehört zu den Erkenntnissen der Tage von Dresden, dass Die Linke besonnener geworden ist. Katja Kipping und Bernd Riexinger, seit ungefähr einem Jahr an der Spitze der Partei, treten nach außen geschlossen auf und wirken damit nach innen offenkundig beruhigend. Dem Vorstoß Lafontaines sind sie professionell begegnet: Kipping, indem sie sich klar zum Euro aussprach - was sie darf, weil sie dem Alten aus Saarbrücken nichts schuldig ist. Und Riexinger, Lafontaines Mann in der Spitze, der sich zum richtigen Zeitpunkt gegen Lafontaine stellte und den Euro in der Debatte verteidigte.

Für die Partei hat das etwas Gutes: Der Einfluss der als einfacher Delegierter angereisten Eminenz aus dem Saarland schwindet. Die Abstimmung hat er deutlich verloren. Wenn man böse ist, dann haben die Linken einen relativ langweiligen Parteitag abgeliefert. Aber diese Form von Langeweile bringt der Partei gerade sechs, sieben Prozent in den Umfragen, Werte, die in den Tagen des Donners des vergangenen Jahres undenkbar waren. Damals zerfleischten sich die Flügel und Personaldebatten erdrückten alle Sachfragen. Dass es Lafontaine nicht mehr gelingt, mit einer hingehusteten Provokation in seiner Partei eine Epidemie auszulösen, ist für die Linke ein gutes Zeichen.