In dem einstigen Frauenlager Ravensbrück hatte die SS das Gros der Zwangsprostituierten rekrutiert. Die Einrichtung der Lager-Bordelle ging auf einen Befehl von SS-Chef Heinrich Himmler zurück, der darin eine Chance sah, die Produktivität der zwangsarbeitenden KZ-Häftlinge zu steigern. Himmler schlug vor, "dass in der freiesten Form den fleißig arbeitenden Gefangenen Weiber in Bordellen zugeführt werden" sollten. Entsprechend wurden ab 1942 die ersten "Sonderbauten" eingerichtet.

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Eine Rose auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald nördlich von Weimar erinnert an die Opfer. Zwangsprostitution ist ein weiteres dunkles, bisher wenig bekanntes Kaptiel des Nationalsozialismus. (© Getty Images)

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In Buchenwald hat sich ein Fotoalbum der SS erhalten, das die einstigen Bordellräumlichkeiten zeigt. Da ist das "Kontaktzimmer" mit Tisch und Stühlen zu sehen, es war der Warteraum der Häftlinge. Zwei Mark hatten sie für den Besuch im Bordell zu bezahlen, der schriftlich beantragt werden musste - "bitte gehorsamst das Bordell besuchen zu dürfen", lautete die obligatorische Antragsformel. Formell waren die Sexdienste Teil eines Prämiensystems, dass die SS nur bestimmten Häftlingen gewährte - eine Vergünstigung, ähnlich wie eine Sonderration Zigaretten oder Erleichterungen beim Briefverkehr.

In Wahrheit aber ging es wie stets vor allem um die Erniedrigung der KZ-Insassen. War der Besuch im Bordell genehmigt, mussten die Anwärter nach dem Abendappell für jedermann sichtbar zum "Sonderbau" marschieren. Dort ging es zunächst ins Arztzimmer, wo die Häftlinge eine Spritze gegen Geschlechtskrankheiten bekamen und man ihnen eine Salbe auf den Penis schmierte. Oftmals noch mit offener Hose standen die Männer dann im Raum der Zwangsprostituierten. Ihre Zeit war knapp bemessen: Nach 15 Minuten brüllte ein SS-Mann "Raus" oder es setzte lautes Klingeln ein. Was sich drinnen mit den Frauen abspielte, hatten die SS-Männer ebenfalls im Blick - sie schauten durch ein Guckloch in der Tür zu.

Wer in der genehmigten Zeit nicht fertig war, wurde auch schon mal am Fußgelenk aus dem Zimmer gezogen. Oftmals aber kam es gar nicht zum Eigentlichen, weil die Männer viel zu geschwächt waren. Die Frauen hatten sich nach jedem Herrenbesuch mit Seifenlauge zu waschen. Viele von ihnen waren durch die KZ-Zeit bereits völlig abgestumpft, manche versuchten, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Nach den Recherchen von Sommer wurden insgesamt 220 Frauen zur Prostitution in den Lager-Bordellen gezwungen. Anfangs hatte man sie mit dem Versprechen gelockt, sie würden nach einem halben Jahr wieder freikommen.

Zumeist wurden weibliche Häftlinge ausgewählt, die als sogenannte Asoziale galten. Ein Begriff, der in der NS-Diktatur oftmals Frauen traf, die sich in irgendeiner Weise aufmüpfig oder gegen die Norm verhalten hatten. Nach dem Krieg lebte der Begriff fort, und das mag eine Erklärung dafür sein, warum keine der Zwangsprostituierten je eine Entschädigung bekam - die Frauen blieben stigmatisiert. Zwar hatten nach Sommers Recherchen vermutlich alle 220 Frauen die Nazizeit überlebt, indes ist nur eine Einzige bekannt, die später einen "Schaden an Körper und Gesundheit" anzeigte. Ihr Antrag, 1966 gestellt, wurde abgelehnt - wegen Verjährung.

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(SZ vom 03.09.2010/lama)