Kurzfristige Absage an den Kreml Warum Kim Jong Un keine Zeit für Putin hatte

Kim Jong Un zu Besuch auf einer Fischfarm

(Foto: REUTERS)

Eigentlich war Nordkoreas Diktator zur Siegesfeier in Moskau erwartet worden. Doch Kim Jong Un sagte kurzfristig ab - "Terminschwierigkeiten". Was kann wichtiger sein als ein Treffen mit Putin? Nun, eine Kuh zum Beispiel.

Von Christoph Neidhart, Tokio, Tokio

Kim Jong Un hatte keine Zeit, sich voriges Wochenende in Moskau Wladimir Putins Siegesparade anzuschauen. Dabei hatte der Kreml schon im Januar überraschend angekündigt, der nordkoreanische Diktator habe Putins Einladung angenommen.

Bisher hat Kim, seit er 2012 als Erbe in die Schuhe seines Vaters schlüpfte, noch keinen ranghohen Vertreter eines anderen Staates getroffen. Der 32-Jährige hat nie gelernt, sich auf dem diplomatischen Parkett zu bewegen und war seit seinem Amtsantritt, obwohl er sich eine Ilyushin-62 zum Präsidentenflugzeug hat umrüsten lassen, noch nicht im Ausland. Sein Vater hat multilaterale Treffen stets gemieden. Der einzige bekannte Ausländer, mit dem sich der junge Kim öffentlich gezeigt hat, ist der exzentrische US-Basketballer Dennis Rodman.

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Vielleicht war die Zusage an den Kreml nie ganz ernst gemeint. Südkoreanische Offizielle haben in Moskau vergeblich nach Hotelreservierungen für Kims Delegation gesucht. Vor zehn Tagen meldete die russische Regierung, Kim komme doch nicht. Der Grund: Terminschwierigkeiten.

Welche dringenden Geschäfte haben Kim davon abgehalten, seine neue Air Force One einzuweihen und den Städteflug zu Putin und seinen Raketen und Panzern abzusagen? Zuhause in Nordkorea kann Kim, offenbar ein Waffen-Fan, kaum genug vom Militär bekommen. Er inspiziert alle paar Tage eine Einheit und "gibt Anleitungen", wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA jeweils schreibt.

Kim forderte die Fischer auf, mehr Fisch zu fangen

In Nordkorea ist fast alles geheim, der Verbleib und die Pläne Kims sowieso. Hinterher jedoch berichten die Staatsmedien jeweils hymnisch, wo Kim welche Einrichtung besuchte. So auch am Wochenende.

Am Samstag, als Putin seine Truppen im Stechschritt über den Roten Platz defilieren ließ, reiste Kim demnach in einen Hafen für See-Fischerei. Dort sah er sich das Denkmal an, das für ähnliche Besuche seines Großvaters und seines Vaters errichtet worden war. Er forderte die Fischer auf, mehr Fisch zu fangen, damit "das Volk die liebevolle Fürsorge seines Vaters und Großvaters spürt", so KCNA. Die Fischer sollten "Vorkämpfer für die Ideale der Arbeiterpartei" sein. Kim verriet ihnen, die Grundlage einer erfolgreichen Fischerei sei "das Studium der Werke von Kim Il Sung und Kim Jong Il."

Volle Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft: Kim beim Besuch der Rinderfarm

(Foto: AFP)

Anschließend besuchte der Diktator eine U-Boot-Basis. "Sobald er den Befehl gab, Test-Raketen abzufeuern, wurde in einem strategischen U-Boot ein Kampf-Alarm ausgelöst. Das U-Boot tauchte ab und feuerte aus der Tiefe eine ballistische Rakete. Nach einiger Zeit stieg die Rakete von unter Wasser in den Himmel." Kim nannte das "einen augenöffnenden Erfolg".

Freude über die "überlegene" Kuh Nordkoreas

Am Montag stattete er einer Rinderfarm der Armee eine Visite ab und freute sich an einer "Anbyon-Kuh", einer "in Nordkorea gezüchteten Rasse, die ausländischen Kühen überlegen ist", so KCNA. Den Namen "Anbyon" habe Vater Kim Jong Il diesen Kühen gegeben.

Dann sah der Jungdiktator auf einer Fischfarm vorbei, die auch der Armee gehört. "Sein Auge sah sich satt am Fischteich und den Produktionseinrichtungen." Gegründet worden war die Farm auf Initiative seines Vaters, zweimal hat dieser sie auch besucht, jeweils "am Tag der Sonne" 2001 und 2011.

Soviel Propaganda-Poesie hätte die Reise nach Moskau kaum hergegeben. Aber warum die Besuche auf den Fisch- und Rinderfarmen gerade an diesem Wochenende sein mussten, das erschließt sich aus den Berichten von KCNA nicht.