Kurt Beck hat zu alter Gelassenheit zurückgefunden - aber die Souveränität, die Gründe seines Scheiterns auch bei sich zu suchen, fehlt ihm noch.
Wie lange braucht es, bis einer wirklich begreift, warum er gescheitert ist? Drei Tage, drei Wochen, drei Jahre? Und wenn er es begriffen hat, ist er dann gut beraten, öffentlich über diese Gründe reden?
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Kurt Beck scheint mit sich im Reinen. (© Foto: Reuters)
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Kurt Beck hatte sich entschieden, am Montagabend in der ARD Fragen von Reinhold Beckmann zu beantworten. Ihm ist zu wünschen, dass er die Sache anders sieht, als er sie in der Sendung dargestellt hat.
Er lächelt wieder entspannt
Das Erfreuliche vorweg: Er sieht wieder gut aus. Er hatte eine gesunde Farbe im Gesicht, er lächelte entspannt, und seine Hände ruhten auf der Tischkante - ein Mainzer Honigkuchenpferd saß hier dem Moderator gegenüber; kein Vergleich zu dem Kurt Beck, der eingangs der Sendung auf einem Foto eingeblendet wurde: die Lippen aufeinandergebissen, misstrauischer Blick zur Seite, grau im Gesicht.
So sah nicht der Ministerpräsident, sondern der SPD-Vorsitzende Kurt Beck aus - ein Politiker in einem Amt, das er nie in seinem Leben angestrebt hatte und das ihm Magengeschwüre (mindestens) eingebracht hätte, hätte er noch länger versucht, darin durchzuhalten.
Über den Anlass - nicht die Ursache -, der ihn zum Rücktritt bewog, hat Beck in den vergangenen Wochen bereits mehrmals Auskunft gegeben. Dass er Frank-Walter Steinmeier die Kanzlerkandidatur überlassen hatte, dass er diese Entscheidung am 7. September bei der SPD-Vorstandsklausur am Schwielowsee bekanntgeben wollte, am Vortag aber im Spiegel eine Geschichte lesen musste, in der er nicht als Handelnder, sondern als Getriebener gezeichnet wurde.
Doch kein Getriebener?
Diesen Schilderungen fügte er bei Beckmann eine Reihe von Andeutungen über die angeblichen Informanten des Spiegels hinzu, die jedoch mehr Fragen über ihn selbst aufwarfen, als sie über die Informanten verrieten. Originalton Beck: "Ich weiß, wer da gesteckt hat. Das waren Leute aus der zweiten oder dritten Reihe." - "Ich werde diesen Leuten nicht die Ehre antun, ihre Namen zu nennen." - "Ich glaube nicht, dass diejenigen, die in der ersten Reihe sitzen, das wirklich veranlasst haben. Aber es schien denen in der dritten Reihe so, als hätten sie freie Hand." - "Die zweite und dritte Reihe hat meinen Rücktritt billigend in Kauf genommen." Ein Parteivorsitzender also, dessen Sturz das Werk von ein paar intrigierenden Hintersassen war. Interessant.
Sollte Kurt Beck das tatsächlich glauben, hätte er im Nachhinein eine fulminante Begründung dafür geliefert, warum er das Amt aufgeben musste. Ein Vorsitzender kann aus triftigen politischen Gründen stürzen: weil die Partei seiner nach langen Jahren überdrüssig geworden ist oder weil er eine kolossale Wahlniederlage zu verantworten hat.
Aber ein Vorsitzender, der es nicht mal mit den Referenten, Pressesprechern und Büroleitern seiner innerparteilichen Rivalen aufnimmt, der sogenannten zweiten und dritten Reihe also: Was ist denn das für einer?
Reinhold Beckmann fragte seinen Gast mehrmals nach dem Berliner Politikbetrieb, und in jeder Antwort machte Beck deutlich, wie zuwider der ihm stets war und blieb. Mit dem Café Einstein, einem Treffpunkt von Politikern und Journalisten in Berlin-Mitte, verbinde er "nicht die Erkenntnistiefe, die der Namensgeber ausdrückt", sagte Beck.
Er sprach von dem "beliebten Spiel in Berlin", immer nur über Bande zu agieren. Und selbstverständlich wiederholte er seinen Satz, er habe von Anfang an - also bei der Übernahme des Vorsitzes im Frühjahr 2006 - klar gemacht, sich nicht verbiegen zu lassen.
Das Scheitern noch nicht verarbeitet
Es kann sich im Grunde mit Beck nur so verhalten: Entweder er wollte lieber in der Sendung schlechte Figur machen, als einen souveränen Einblick in seine Gedanken geben, oder drei Wochen sind eine zu kurze Zeit, damit er sein Scheitern wirklich verstehen kann.
Sollte er wirklich geglaubt haben, er könne der Hauptstadt jene Spielregeln oktroyieren, die er aus seinem Heimat-Biotop Mainz kennt, wo er mangels Opposition oder Presselandschaft Führungsspieler und Regelkommission zugleich ist? Glaubt er immer noch, sich weiterzuentwickeln, sich auf Spielregeln einzulassen, einen Trainer zu nehmen und ein Netzwerk von Vertrauten zu schaffen - dies bedeute gleich, sich zu verbiegen?
Wie konnte es sein, dass er ursprünglich mit "innerer Fröhlichkeit" (Beck zu Beckmann) dem Wochenende am Schwielowsee entgegensah? Die Antwort darauf gab die Szene vom Sonntag vor drei Wochen, die auch Beckmann im Vorspann noch mal einspielte, wie Beck begleitet von zwei Vertrauten über den Hotelrasen ging, um gleich dem SPD-Vorstand seinen Rückzug mitzuteilen. Ihm standen zur Seite, in diesem intimen Moment: sein Büroleiter und sein Staatskanzleichef aus Mainz. Aber niemand aus dem Berliner Betrieb, niemand, der dort für ihn Augen und Ohren hätte aufhalten können.
Gegen Ende des Gesprächs fragte der Moderator seinen Gast, ob er sich die Kanzlerschaft zugetraut hätte, eine Frage, die nach diesem Gesprächsverlauf ein bisschen gemein war. Kurt Beck aber gab eine klare Antwort: "Ja."
(SZ vom 1.10.2008/vw)
Szene München
ein geborenes schaf.
versager werden entweder könig oder poet... nur in deutschland können sie auch politiker werden.
Kann ich nicht feststellen bei Kurt Beck. Er sagt was er denkt, er ist ehrlich und aufrichtig.
Er macht gute Politik UND ist ein Mensch geblieben. Hier in Rheinland-Pfalz wird er weder bemitleidet noch mangelt es an Respekt.
Wenn Kurt Beck einen Fehler gemacht hat, dann nur den nach Berlin zu gehen, ohne sich dort einordnen zu wollen. Wozu auch, er hat es nicht nötig sich in irgendeiner Form zu verbiegen. Blickt man nach Rheinland-Pfalz sieht man was gute Landespolitik schaffen kann.
Auch hat hier noch keiner bei Kurt Beck dümmliche Arroganz festgestellt. Im Gegenteil er ist ein offener Mensch der für seine Bürger ein offenes Ohr hat und sich der Probleme annimmt.
Kurt Beck ist in Rheinland-Pfalz genau richtig.
Ursächliche Ursachen, die Kurt Beck auf sich zu nehmen hätte, sehe ich nicht. Natürlich hat er im Verlauf seiner Tätigkeit als SPD-Vorsitzender einige Fehler gemacht, aber in die wurde er mehr oder weniger durch Aktionen von außen getrieben.
Ja, Kurt Beck, der sich für seine Partei regelrecht aufgopferrt hat, war von Anfang an in diesem Amt als Parteivorsitzender ein Getriebener. Getrieben von "Parteifreunden" und von den Medien.
Ich möchte den mal sehen, der solche "konzertierte Aktionen" unbeschadet übersteht.
Umso erfreulicher, dass er als beliebter Landesvater in Rheinland-Pfalz wieder zurück ist.
Hier, in Rheinland-Pfalz, kann ihm keiner...
Beck tut sich keinen Gefallen, eigene Fehler auszuklammern. Die "Unschuld" der Opferrolle sorgt dafür, dass das Mitleid dem Respekt den Platz nimmt. Opfer werden irgend wann einmal lästig und bestimmt nicht zu Kandidaten des Vertrauens,vor allem wenn es um die großen Fragen geht.
Beck hat einfach nicht geschafft -zu denken- . Deshalb war sein Reden und Handeln inkompetent, desorientiert, ja... bedingungslos Chaotisch. So schlimm hat sich selten ein SPD- Politiker disqualifiziert. Und warum er da selbst gescheitert ist... dass wird Beck wohl nie begreifen. Scheint wie ein Virus in der SPD zu sein?! Wenn ich an GasSchröder denke... der hält sich noch Heute für den KanzlerStar schlechthin. Beck hat schon ganz recht, wenn er sagt: die Arbeit dürfe nicht von "Halbverrückten kaputtgemacht werden". Nur gehört er auch dazu... zu diesen Halbweltverrückten. Und selbst das will er nicht wissen, wie auch.
"Masslosigkeit" und "dümmliche Arroganz", dass trifft nicht nur auf Beck zu... sondern auf einige viele Politiker dieses Landes... dieser Welt. Wer sich im Sturm der Zeiten nicht verbiegen will oder kann... wird brechen... umfallen wie ein toter Baum, und das ist mit Beck geschehen. Mehr nicht. Wer so statisch dumm bleibt und auf nichts reagiert... ist für seine Misere selbst voll Verantwortlich. Die arbeitende Bevölkerung muss so flexibel sein wie noch nie... sparen wir uns die Ausführungen dazu, aber ein Politiker will sich nicht Verbiegen. Das Leben besteht aus Veränderungen (biegen und oder brechen) und wer die Veränderung nicht will, der will auch nicht das (politisch- innovative- konstruktive) Leben. Beck war und ist und bleibt... der politische Suppenkasper dieser Nation.
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