Von Christoph Hickmann

In Rheinland-Pfalz ist Kurt Beck fast ganz der alte: Zwei Tage nach dem Rücktritt vom SPD-Vorsitz tritt er im vertrauten Mainz auf - und ist gleich sichtlich selbstbewusster.

Man wird an diesem sonnigen Tag in Mainz eine Verwandlung beobachten können, genau genommen eine Art Rückverwandlung. Kurt Beck wird viel reden an diesem Tag, es wird dabei vor allem um die vergangenen Tage und Wochen gehen, doch sein Gesicht, seine Haltung werden zugleich viel mehr über die vergangenen zwei Jahre erzählen, als ihm bewusst sein dürfte.

Kurt Beck, ddp

Der scheidende SPD-Chef Kurt Beck bei seinem Auftritt in Mainz: Er wirkt angespannt, aber nicht mehr so gereizt wie zuletzt. (© Foto: ddp)

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Kurt Beck wird die Rolle des Parteivorsitzenden ablegen und wieder die Rolle des Ministerpräsidenten annehmen, man wird das physisch miterleben können. Das aber weiß man noch nicht, als Kurt Beck, 59, um halb zwölf am Dienstag in der Mainzer Staatskanzlei ans Mikrofon tritt.

Festsaal, so heißt dieser Raum, wobei man mutmaßlich sehr viel Pfälzer Wein herbeischaffen müsste, um in diesem schmucklosen Zimmer Stimmung aufkommen zu lassen. Beck stellt sich hier wie angekündigt der Öffentlichkeit, zwei Tage nach seinem Rückzug. Er steht vor einer blauen Wand, darauf prangt jener Slogan, mit dem seine Regierung wirbt für dieses Land, sein Land: "Rheinland-Pfalz. Wir machen's einfach."

Kurt Beck schaut in die Kameras, sie klicken. Einmal, ganz kurz nur, ringt er sich ein Lächeln ab. Dann beginnt er zu sprechen. Er redet ruhig, doch man merkt, dass er sich diese Ruhe eher verordnet hat, als dass sie aus ihm selbst käme.

"Es wird dabei bleiben, dass ich kein anderer bin"

Er schildert, wie es zu seiner Entscheidung kam, den SPD-Vorsitz abzugeben oder hinzuwerfen, wie manche sagen. Er erzählt, dass er bereits vor Monaten entschieden habe, Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten vorzuschlagen, er diesen Vorschlag aber erst nach der Sommerpause habe öffentlich machen wollen. Er habe "sehr gute Gespräche, sehr freundschaftliche Gespräche" mit Steinmeier geführt, sagt er. Auch "der zukünftige Parteivorsitzende" habe am Wahlkampf beteiligt werden sollen.

Er sagt nicht: Franz Müntefering. Er wird an diesem Tag auch nicht sagen, dass er Müntefering vorwirft, jene Version gestreut zu haben, nach der Steinmeier das Heft des Handelns in die Hand genommen habe - was für einen Parteivorsitzenden den größten anzunehmenden Autoritätsverlust darstellt.

Er muss das nicht sagen, weil es jeder versteht. Den Medien sei diese "bewusste Falschinformation" zugespielt worden, sagt Beck. So habe man ein Recht eingeschränkt, "das in der Sozialdemokratie dem Vorsitzenden immer zugestanden hat".

Er erzählt von Vertrauen, das missbraucht worden sei, vom "kollegialen Stil", den er vergebens zu etablieren versucht habe. Der Satz aber, bei dem er erstmals lächelt in diesem Festsaal, ist jener: "Es wird dabei bleiben, dass ich kein anderer bin." Das habe er schon erklärt, als er in Berlin angekommen sei.

Kurt Beck hat diesen Satz in unzähligen Varianten gesagt während der vergangenen zweieinhalb Jahre. Es ging immer wieder um Spielregeln, denen er sich nicht anpassen wollte. Es waren die Spielregeln der Hauptstadt, Beck wollte sie nie akzeptieren. Das sagte er immer wieder, er klang dabei oft stolz.

Seine Erklärung aber, deshalb versuche man ihn niederzumachen, zu diskreditieren, ins Lächerliche zu ziehen, war stets ein bisschen einfach. Weil Beck ja nicht nur redet wie einer aus der Provinz und obendrein noch so aussieht.

Er machte tatsächlich Fehler, und wenn man ihn auf diese Fehler ansprach, wenn er hart danach gefragt wurde, reagierte er mit jedem Monat gereizter. Er kannte das nicht aus Mainz, dieses Lauern, die permanente Beobachtung ohne jenen Vertrauensvorschuss, den er hier hat.

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