Ein Ende mit Schrecken: In seiner Autobiographie kritisiert Ex-SPD-Chef Kurt Beck seinen Nachfolger Franz Müntefering - und räumt eigene Fehler ein.
Wenn sich der alte SPD-Chef über den neuen SPD-Chef äußert, der wiederum auch schon einmal SPD-Chef war, dann ist dies natürlich auch für Nicht-Sozialdemokraten interessant.
Bild vergrößern
Kurt Beck, gewesener SPD-Chef. (© Foto: AP)
Anzeige
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat sich erstmals ausführlich über die näheren Umstände seines Rücktritts vor zwei Wochen geäußert und zugleich seinen Nachfolger Franz Müntefering kritisiert - via Bild-Zeitung, dem Organ gezielter Kampagnen.
Hier also erschienen am heutigen Montag längere Zitatblöcke aus Becks am kommenden Donnerstag erscheinenden Autobiographie ("Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat"). O-Ton des schreibenden Pfälzers über "Münte": "Unser Verhältnis ist natürlich nicht unproblematisch. Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar."
In seinem Buch offenbart Kurt Beck grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und seinem Nachfolger: "In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten."
Beck: "Ich bin näher an der Realität des Lebens"
Beck selbst habe sich als SPD-Vorsitzender um ein eigenständigeres Profil der Sozialdemokraten bemüht. "An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander. Perspektiven, die über die Zeit der großen Koalition hinausreichen, hielt er zum damaligen Zeitpunkt nicht für angemessen. Oder er fand es besser, nicht darüber zu reden. Wo dies geschehen ist, muss man neue Brücken bauen. Genau das gehört zwingend dazu. Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist, sodass ich das sehr genau beurteilen kann."
Zugleich räumt Beck in seinen Memoiren eigene Fehler ein: "Im März 2008 ist mir ein schon oft eingestandener Fehler unterlaufen. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen hatte sich herausgestellt, dass die Linke doch in die Landtage wichtiger westdeutscher Flächenländer einziehen konnte."
Und so hatte der damalige SPD-Chef in einer Hintergrundrunde kurz vor der Hamburg-Wahl ausgeplaudert, dass sich in Hessen die Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti sehr wohl von den Linken tolerieren lassen könnte. Damit habe er die eigene Kanzlerkandidatur verspielt: "In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen."
Offenbar hatte Beck nach dem Hamburg-Desater gegenüber dem Außenminister Frank-Walter Steinmeier und anderen Genossen nach Informationen von sueddeutsche.de schon in Aussicht gestellt, Verantwortung zu übernehmen. Nur: Damals ging keiner darauf ein.
"Die gezielten Angriffe auf mich hätten sich fortgesetzt"
Zur Vorgeschichte seines Rücktritts schreibt Beck, die Informationen aus SPD-Kreisen an die Medien und die Art der Berichterstattung kurz vor der SPD-Klausur am entscheidenden Sonntag hätten ihm gezeigt, "die gezielten Angriffe auf mich und meine Arbeit würden nicht nur fortgesetzt, es kam nun der Verdacht eines Bruchs der Vertraulichkeit hinzu, den ich gegen das unmittelbare Umfeld der Beteiligten hege".
Becks Selbstreflexion: "Wer außer Eingeweihten konnte in der Lage sein, die vorbereitete Bekanntgabe (der Kanzlerkandidatur Frank-Walter Steinmeiers, die Red.) mit einer Intonierung zu belasten, die den treibenden Vorsitzenden als einen bedrängten und getriebenen erscheinen ließ?" Beck nannte in dem Zusammenhang auch den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Recherchen bei Medienverantwortlichen hätten ergeben, dass sie mit solchen Falschinformationen gezielt versorgt worden seien.
Ab dem Moment, in dem berichtet worden war, Steinmeier und Müntefering würden das Kommando in der SPD übernehmen und den Parteivorsitzenden nur dulden, habe Beck nur den Anschein erwecken können, "um den Preis der Selbstverleugnung am Stuhl des Vorsitzenden zu kleben", schreibt er. "Das ist nicht meine Art und hätte meiner Haltung, mich nicht verbiegen zu lassen, widersprochen."
Sein Rücktritt und die Nominierung Münteferings als neuem SPD-Vorsitzenden seien ihm nahegegangen: "Eine bittere Nacht und eine bittere Stunde für mich." Schließlich ist auch Becks Vorschlag, den Arbeitsminister Olaf Scholz zum Parteichef zu machen, von Steinmeier & Co. abgelehnt worden.
Trotzdem versucht der Mainzer Landeschef, etwas Positives in seinem Verzicht auf den SPD-Vorsitz zu finden: "Wenn es dem Erfolg der SPD und damit einem unverzichtbaren Stück Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft nützt, will ich mich nicht lange damit aufhalten. Zu diesem Zweck hatte ich das Amt übernommen, wenn der Rücktritt demselbsen Zweck dient, bin ich mit mir selbst jedenfalls im Reinen."
Becks Memoiren, die er zusammen mit der Journalistin Martina Fietz verfasst hat, waren schon abgeschlossen, als Beck am 7. September überraschend vom Parteivorsitz zurücktrat. Die Veröffentlichung wurde gestoppt und das Manuskript ergänzt.
(sueddeutsche.de/Reuters/ddp/liv/jja/odg)
New Yorker Bürgermeister will Soft-Drinks verbieten
Ich behaupte nach wie vor, dass Kurt Beck den Vorsitz der SPD in erster Linie aus uneigennützigen Motiven angetreten hatte, um der Partei zu helfen, nachdem Müntefering wegen eine Lappalie hingeschmissen hatte und Platzeck aus Gesundheitsgründen zurücktreten mußte. Er wollte der Partei in ihrer Not helfen. Nicht mehr und nicht weniger.
Erst in zweiter Linie hat Beck wohl die Konsequenz anerkannt, sich als Vorsitzender ggf. auch zur Kanzlerkandidatur bereiterklären zu sollen.
Er war von vornherein ein Fremdling in Berlin, fühlte sich dort weder in der Parteizentrale noch im Machtzentrum der Regierung wohl und geriet zusehends in die Mühlen medialer Zersetzung, an der er zuletzt auch wesentlich gescheitert war. Hinzu kamen die Diadochenkämpfe der Parteirechten, die ihn letztlich durch schmutzige Methoden wegputschten.
Natürlich hatte er auch Fehler gemacht. Wer keine Fehler macht, möge vortreten...
Wir Rheinland-Pfälzer sind froh, dass wir "unseren Kurt" wiederhaben. Kaum war er zurück in Mainz, schnellten sofort wieder die Umfragewerte für ihn und die SPD im Lande hoch.
Dass er jetzt sein Buch mit Rücksicht auf die aktuelle Entwicklung ergänzt hat, finde ich gut. Aber auch mir schmeckt es nicht, dass er die BLÖD-Zeitung als Multiplikator für seine Story nutzt; jedoch wer im Glashaus sitzt oder saß, werfe den ersten Stein....
Ich muss Beck den gleichen Vorwurf machen wie einst Oskar Lafontaine. Beide benutzen die sensationsgeile Springerpresse, um ihre Eitelkeiten dem Volk zu präsentieren. Beck mag zweifelsohne Recht haben mit seiner Kritik an Müntefering. Dass auch er sich der Blödzeitung bedient, finde ich jämmerlich. Dieses Presseorgan ist immer dann da, wenn man weiteren Zwist in die SPD hineintragen kann und so lässt sich Beck jetzt von dieser Pressemeute instrumentalisieren als Kronzeuge gegen die neue Führung.
Lafontaine machte sich 1999 vom Acker, weil er den Machtkampf mit"Acker"-Gerd scheute.
Er wäre für mich glaubwürdiger und heute wählbarer gewesen, wenn er Schröder am gegenwärtigen Kurs gehindert hätte. Lafontaine hätte dazu als Vorsitzender alle Möglichkeiten gehabt. Und Beck nimmt jetzt via Blödzeitung Rache an der neuen Führung. Auch er hätte rechtzeitig der SPD das notwendige Profil für eine Arbeitnehmerpartei verpassen sollen. Dafür war er zu schwach und nun machen die weiter, die letztendlich den Karren in den Dreck gefahren haben. Es ist einfach zum Ko.... mit dieser SPD und ihrem Führungspersonal.
Beck hatte, anders als er selbst glaubt, von Anfang an keinen Chance, Kanzlerkandidat der sPD zu werden. Das war nicht vorgesehen.
Es ist auch kein Zufall, daß Müntefering zurückkam und den Vorsitz übernahm.
Dem Land würde es gut tun, wenn endlich reiner Wein eingeschenkt würde.
Beck sollte sich nicht verbiegen lassen, um gute Mine zu bösem Spiel zu machen.
Die Verlogenheit der sPD ist viel tiefgreifender und tritt nur vereinzelt, wie hier, deutlich zu Tage.
Daß man auf seinen Vorschlag, Scholz den Vorsitz zu übertragen, nicht eingegangen war, brüskiert Beck noch einmal und zeigt deutlich, daß man von Beginn an einen anderen im Auge hatte. Die entscheidung wurde ja auch sehr rasch getroffen.
Solange dieses Spiel mit Personen und Positionen noch fesselnd genug bleibt, wird eine marode Partei noch als "Schiff in stürmischen Gewässern" durchgehen, die den Sturm mit dem "richtigen Kapitän" übersteht und dann Heldentaten vorzuweisen hat. Nur hat das sozialdemokratische in der SPD in der "Agenda-phase" von Schröder, Müntefering, Steinmeier und anderen schon nach der letzten Luft geschnappt. Übrig geblieben sind die Plakate aus dieser Zeit. Die Veranstaltung sozialdemokratische Politik ist schon länger abgesetzt.
Ich kann Kurt Beck gut verstehen, die Rückkehr der sauerländischen Betschwester, der so gerne Papst wäre, ist mir ein Greuel. Dieser Kerl, der die Sozialdemokratischen Ideen mehrfach verraten hat, gehört rausgeschmissen zusammen mit den Kerlen vom Seeheimer Kreis und dem Clement, diesem Egomanen.
Doch warten wir es ab der Wähler wird es richten, das Projekt 18 der SPD-Bonzen wird
vom Wähler umgesetzt, dann ist diese Schröder-SPD nur noch der Wurmfortsatz der CDU.
Niemals hätte ich, der ich fast 35 Jahre aktiver Mandatsträger und Sozialdemokrat war, gedacht das ich mal so über die SPD, schreiben und denken würde. Alles zu seiner Zeit
vielleicht gibt es ja mal sowas wie eine U-SPD, die hatten wir auch mal in der Weimarer
Republick, als die Sozialdemokraten ,Ihre Leute schon mal veraten haben.
Paging