Der Kundus-Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf - und will schon bald Verteidigungsminister Guttenberg anhören. Er soll noch vor der Wahl in NRW aussagen.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und sein Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) sollen nach dem Willen der Opposition noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Anfang Mai vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen.
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Verteidigungsminister Guttenberg während eines Afghanistan-Besuchs. Der Untersuchungsausschuss soll nun klären, was in der Nacht zum 4. September passiert ist. (© Foto: ddp)
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Eine Einigung darüber, welche die Obleute der Parteien zuvor erzielt hatten, war am Donnerstag in der ersten Arbeitssitzung des Ausschusses aber wieder strittig. Union und FDP wollten zunächst die Vorgänge um den Luftschlag vom 4. September detailliert untersuchen. Verhandelt werden soll nach dem Wunsch der Koalition jeweils am Donnerstag einer Sitzungswoche.
Am Donnerstag ging es darum, die Ausschussarbeit zu strukturieren. Der Ausschuss beschloss, an drei Beratungstagen, beginnend am 10. Februar, solle untersucht werden, was in der Nacht zum 4. September in Kundus geschehen ist und wie die Informationen darüber zwischen Afghanistan und Deutschland geflossen sind.
Dazu sollen vor allem die Soldaten gehört werden, die in jener Nacht im Einsatz waren. Auch Oberst Georg Klein, der den Befehl zu dem Bombenangriff gab, soll geladen werden. Er könnte wegen laufender Ermittlungen der Justiz die Aussage verweigern. Am 18. März soll dann mit der Befragung von Spitzenpolitikern und Beamten begonnen werden. Dazu gehören neben Guttenberg und Jung die Staatssekretäre im Verteidigungsministerium, Abteilungsleiter und Pressesprecher sowie Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der ehemalige Staatssekretär Peter Wichert, die wegen der Affäre entlassen worden sind.
Sie alle sollen in öffentlicher Sitzung befragt werden, obwohl der Verteidigungsausschuss normalerweise hinter verschlossenen Türen berät. Die Opposition behält sich vor, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzuladen.
Der Obmann der Grünen, Omid Nouripour, sagte am Donnerstag, die Soldaten der Bundeswehr seien besonders wegen der Entlassung Schneiderhans durch Guttenberg irritiert. Es gehe aber im Ausschuss nicht darum, den Minister zu beschädigen, sondern darum, aufzuklären und Strukturen zu verbessern. Wenn Guttenberg aber Anlass gebe, ihn zu kritisieren, dann beschädige er sich selbst.
In der politischen Debatte über die Zukunft des deutschen Afghanistan-Einsatzes bleibt die SPD mit ihrer Forderung nach einem kompletten Rückzug der Bundeswehr in den Jahren 2013 bis 2015 vorerst allein. Die schwarz-gelbe Bundesregierung wollte sich in dieser Frage nicht festlegen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, man wolle und werde auf der internationalen Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London mit den Verbündeten und den Afghanen Voraussetzungen für einen schrittweisen Abzug der internationalen Militärkräfte festlegen.
"Niemand will auf alle Ewigkeit in Afghanistan bleiben", fügte Wilhelm hinzu. Ziel der Verbündeten sei es, für eine selbsttragende Sicherheit in dem Land zu sorgen. Dazu müssten Verabredungen über die Stärkung der Armee, der Polizei und der Verwaltung in Afghanistan getroffen werden. Aus der Unionsfraktion verlautete, CDU und CSU wollten kein konkretes Datum nennen.
Auch die Grünen wollen sich nicht auf ein festes Datum für den Abschluss des Militäreinsatzes festlegen. Die Fraktionsvorsitzende Renate Künast sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir müssen jetzt nicht über den letzten Tag des Einsatzes philosophieren."
Stattdessen müsse man international alsbald "präzise Vereinbarungen zur Stärkung des zivilen Aufbaus und zum militärischen Rückzug mit konkreten Pflichten" vereinbaren, die Afghanistan mehr Sicherheit brächten und damit ein Ende des internationalen Einsatzes. Einen Zeitraum von etwa fünf Jahren bis zum Abschluss des Einsatzes bezeichnete sie als denkbar.
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(SZ vom 22.01.2010/dmo)
Die Ärzte in München
In der amtlichen Pressemeldung des Deutschen Bundestages ist zu lesen:
Untersuchungsausschuss zum Luftangriff bei Kundus hat sich konstituiert
Verteidigungsausschuss - 16.12.2009
Berlin: (hib/AW/LEU) Der Verteidigungsausschuss hat sich am
Mittwochnachmittag als Untersuchungsausschuss konstituiert. Er soll
die Umstände des Luftangriffs der ISAF auf zwei von Taliban entführte
Tanklastwagen nahe der Stadt Kundus im Norden Afghanistans am 4.
September 2009 aufklären. Bei dem Luftangriff, den ein Oberst der
Bundeswehr angeordnet hatte, waren bis zu 142 Menschen getötet worden.
Der vom deutschen Oberst angeordnete Luftangriff, bei dem bis zu 142 Menschen getötet wurden, wird somit nicht mehr bestritten und ist amtlich. Nur so viel an die Zeitgenossen, die dies immer noch abstreiten.
Anfang Dezember sagte Kanzlerin Merkel, Sie bedauere, dass als Folge deutschen Handelns zivile Opfer zu beklagen seien. Deutschland übernehme dafür die Verantwortung. Die Vorgänge müssten nun lückenlos aufgeklärt werden. Es sei ihr ganz wichtig, dass das, was infolge unseres Handelns geschehen ist, auch von uns verantwortet wird.
Von einer beabsichtigten Tötung (Tötungsauftrag des Oberst Klein) sagt Merkel nichts. Sie stellt die Opfer als Kollateralschaden (als Folge deutschen Handelns) dar. Von eigener Verantwortung, von einer Verantwortung der Regierung, von der Verantwortung deutscher Akteure spricht die Kanzlerin nicht. Sie schiebt einfach die Verantwortung Deutschland, dem deutschen Volk in die Schuhe (als Folge deutschen Handelns, Deutschland übernehme dafür die Verantwortung). Einem Deutschland, dessen Bürger den Einsatz der Bundeswehr mehrheitlich ablehnen.
In einer funktionierenden Demokratie, in der das Volk der Souverän ist, hätte jede/r verantwortliche/r Kanzler/in die Verantwortung übernommen und wäre zurückgetreten.
Wohin man im Moment schaut, richtige erstklassiger Politiker, denen man als Bürger bereit wäre sein Vertrauen uneingeschränkt zu schenken, sind inzwischen rar gesät in unserem Lande!
Ich sehe mich als Bürger zunehmend einer immer größer werdenden Anzahl von Mandatsträgern und Berufspolitikern gegenüber, bei denen - ob ihrer erkennbaren, bewertbaren politischen Leistung - sich nicht unberechtigterweise die Frage nach ausreichender Qualifikation, sprich Befähigung für ein politisches Mandat oder Amt stellt!
Und ich kann mich in diesem Zusammenhang auch nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen nicht ausreichender Befähigung und dem latenten Versuch eines Teils der deutschen Politiker, eigenes politisches Versagen durch Schönreden, Täuschen, Tricksen und Verschleiern zu verdecken, um sich damit einer persönlichen Verantwortung und einer objektiven öffentlichen Bewertung des eigenen Handeln und der erbrachten politischen Leistung zu entziehen!
Das was sich hier in Deutschland zwischenzeitlich offenbart ist ein politischer Reparaturbetrieb (Hinterhofwerkstatt wäre wahrscheinlich begrifflich angebrachter!), der inzwischen nichts weiter macht als Probleme versucht zu lösen, die durch eigene politische Versäumnisse, politische Fehlentscheidungen oder schlichtweg durch politisches Versagen entstanden sind.
Wobei selbst der Begriff Reparatur kritisch zu hinterfragen ist. Denn offensichtlich erschöpft sich das Lösen von Problemen entweder im Kaschieren des eigentlichen Problems oder in dem Rumdoktern an den Symptomen. Die eigentlichen Ursachenbeseitigung stellt sich augenscheinlich häufig als eine derart große politische Herausforderung für unser Spitzenpolitiker dar, dass man im Hinblick auf eine breite öffentliche kritische Diskussion vorsichtshalber ganz darauf verzichtet.
Offensichtlich habe irgendwie alle irgendwie politisch Verantwortlichen Gründe gehabt, sich an den "Drei Affen" ein Beispiel zu nehmen und sich zu bemühen, die Hintergründe und das Ausmass des Luftschlags v. 04 September vor der Bundestagswahl nicht zur Kenntnis zu nehmen!?
Und ich Frage mich als Bürger immer noch: Was ist eigentlich die ganze Wahrheit?
Und ich vermute, wir als Bürger kennen sie immer noch nicht ganz!?
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