sueddeutsche.de: Wie hätte ein solches "prophetisches Zeugnis" aussehen können?
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Hans Küng (© Foto: dpa)
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Küng: Wie Clemens von Galen, der Bischof von Münster, erfolgreich gegen die Euthanasie protestierte, so hätte Pius gegen die Judenvernichtung protestieren müssen. Er hätte das Judentum nicht als Quantité négligable (vernachlässigbare Menge; Anm. der Red.) behandeln dürfen. Für ihn war das Leid der Juden nicht so wichtig, für ihn gab es andere Prioritäten.
sueddeutsche.de: Was war Pius wichtiger?
Küng: In schwieriger Zeit wollte er die katholische Kirche als Institution erhalten, also Kurie, Hierarchie, Schulen, Vereine und sonstige Körperschaften. Der Kampf für Menschenrechte und Demokratie war Pius sein Leben lang zutiefst fremd.
sueddeutsche.de: Pius schwieg zu den Nazi-Verbrechen, um Schaden von der Kirche abzuwenden?
Küng: Er befand sich sicher in einer Zwangslage, in einem Gewissenskonflikt. Aber man darf nicht vergessen, dass er schon früh im Nationalsozialismus einen potentiellen Kooperationspartner sah.
sueddeutsche.de: Können Sie Beispiele nennen?
Küng: 1931, also zwei Jahre vor Hitlers Machtergreifung, drängte der damalige Kardinalstaatssekretär Pacelli den Reichskanzler Heinrich Brüning vom Zentrum, mit der NSDAP zu koalieren. Dann schloss er am 20. Juli 1933 jenes unselige Reichskonkordat mit dem nazistischen Regime ab. Außenpolitisch bedeutete das für Hitler eine erste und ungemein wichtige Anerkennung. Innenpolitisch integrierte das Abkommen die Katholiken und das widerstrebende deutsche Episkopat und den Klerus in das nazistische System.
sueddeutsche.de: Welche Rolle spielte die Kommunismus-Angst des Vatikan im Vorfeld dieser vertraglichen Verständigung mit den Nazis?
Küng: Deutschland sollte wohl als Bollwerk aufgebaut werden. Man muss dem späteren Papst zugutehalten, dass er früher als die meisten anderen den russischen Diktator Josef Stalin richtig eingeschätzt hat. Aber er hat auf der anderen Seite das nazistische System weniger schlimm als das kommunistische empfunden.
Er war sich der Affinität bewusst zwischen seinem eigenen, autoritären Kirchenverständnis - es war antiprotestantisch, antimodern, antiliberal und antisozialistisch - und dem faschistischen Staatsverständnis. Mit Blick auf die Begriffe "Einheit", "Ordnung", "Disziplin", "Führerprinzip" meinte er, in der NS-Ideologie Ähnlichkeiten zu erkennen. Die Nazis wollten auf staatlicher Ebene Ähnliches durchsetzen wie die katholische Kirche auf der religiös-übernatürlichen Ebene.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Küng eine Heiligsprechung von Pius XII. als einen "kirchenpolitischen Missbrauch" empfinden würde.
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Vor wenigen Tagen hat der Papst auch mal was vernünftiges gemacht. Nur in Einklang und in Abstimmung mit der Serbischen-Orthodoxen Kirche, wird der Vatican den Kosovo entsprechend behandeln und anerkennen, bzw. im MOment sowieso nicht. Es hätte nur noch mehr Benzin in ziemlich üble Dinge des Vatican im 2 WK geschüttet.
Im Bezug auf die Behauptung, "dass wenigstens diese grösste deutsche Tageszeitung der journalistischen Pflicht zur möglichst vollständigen, sachgerechten Aufklärung ihrer Leserschaft (...) nachkommt" muss ich widersprechen: Objektiv gesehen ist Küng ein eigenwilliger Theologe, der in manchen Punkten mit seiner Kritik an der Institution Kirche auch richtig liegen mag, aber als metikulös recherchierender und analysierender Historiker hat er sich meines Wissens noch nicht gezeigt, und tut das auch in diesem Interview nicht. Allein hinter der Aussage, Pius XII habe das Wort "Jude" nicht in den Mund genommen, müsste doch wohl eine vollständige Durchforstung von dessen sämtlichen öffentlichen Reden stehen; bei allem Respekt vermute ich nicht, dass Küng sich diese Mühe gemacht hat.
Die Privatmeinung eines Mannes, der eine Venedetta gegen Papst und Kirche führt, als Beitrag zur sachgerechten Aufklärung zu apostrophieren halte ich wirklich für verfehlt.
Ich habe gegen den Inhalt des Interwiews und gegen Küngs Äußerungen nur eingewandt, dass es leicht ist, von anderen Mut zu verlangen, in diesem Falle von Pius XII. Es hat nicht jeder den Mut zum Martyrium und es ist auch niemand berechtigt, die Mitglieder seiner Gemeinschaft durch seine Äußerungen in Not und Lebensgefahr zu bringen, was Katholiken in Deutschland, aber auch in den anderen von Hitler besetzten Ländern sicher noch mehr gedroht hätte, als es ohnehin schon der Fall war.
Ansonsten gebe ich Rolf Schmid durchaus recht. Aber wozu diese wirklich falsche und bösartige Überschrift? Hast Du dies überlesen - im Artikel selbst und in meiner Zuschrift?
Nit möööglich !!!
Ich widerspreche Ihrer -stark überzogegenen- Kritik an der SZ-Überschrift über einem höchst wichtigen und bemerkenswerten Interview mit einem der prominentesten katholischen Sachkenner und weltwei angesehenen kath. Teologen!
DAMIT, d.h. mit diesem Interview, hat die SZ -wieder einmal- beispielhaft bewiesen, dass wenigstens diese grösste deutsche Tageszeitung der journalistischen Pflicht zur möglichst vollständigen, sachgerechten Aufklärung ihrer Leserschaft auch bei einem eher umstrittenen Thema nachkommt!
Rolf Schmid
Was denkt sich die Süddeutsche bei der Formulierung der Titel und Überschriften für ihre Artikel !
Das übertrifft jede bösartige Polemik von Linken und Rechten. Die Überschrift suggeriert, Küng halte Pius XII für schlechter, als Hitler. Wie kann eine seriöse Zeitung nur so böswillig und infam sein !!.
Wenn man das Interview liest, stellt sich heraus, dass Pius XII den Stalin und die Kommunisten für schlimmer gahalten habe, als Hitler. Das ist aber etwas ganz anderes. Dies ist aber kein Versehen der S Z, sondern wohl Absicht. Pfui Deibel aber auch !!
Im übrigen habe ich von einem klugen Mann gehört, dass man Mut und prophetisches Wort nur von sich selbst verlangen kann, nicht von anderen. Immerhin war das deutsche Militär in Italien und in Rom und hat dort unliebsam von sich reden gemacht. Da hätte ich gerne gesehen, wie sich ein Redakteur Ihrer geschätzten Zeitung damals öffentlich geäußert hätte. Auch Küng hat heute gut reden.
Ralf Mattes
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