In Obamas Team gibt es viele, die Israel nahestehen, aus arabischer Sicht zu nahe. Besonders zählen Jerusalems Politiker auf Hillary Clinton - doch ein Frieden in Nahost rückt damit nicht näher.
Die Ernennung von Hillary Clinton zur künftigen US-Außenministerin ist in Jerusalem mit Erleichterung aufgenommen worden. Israel ist eines der wenigen Länder der Welt, in denen sich die Begeisterung für den designierten Präsidenten Barack Obama in Grenzen hält.
Bild vergrößern
Auf Hillary Clinton setzen viele Israelis große Hoffnungen (© Foto: dpa)
Anzeige
Daran ist Obama selbst schuld. Er hat für große Irritationen gesorgt mit seiner Aussage, er werde im Atomstreit mit Iran der Diplomatie den Vorrang einräumen. Gespräche mit Teheran sind für Israel undenkbar, solange Irans Atomprogramm nicht eingestellt wird. Obamas Appeasement-Ansätze werden von Israels Politikern überwiegend als naiv empfunden.
Aus arabischer Sicht Israel zu nahe
Während Obama als unsicherer Kantonist eingestuft wird mit kaum außenpolitischer Erfahrung, wird Hillary Clinton als Anwältin Israels gefeiert. Man traut ihr zu, dass sie sich womöglich noch einmal um die Präsidentschaft bewerben könnte - schon deshalb werde sie sich als Außenministerin hüten, einen konfrontativen Kurs gegenüber Israel einzuschlagen. Denn zu Clintons Stammwählerschaft und zu ihren treuesten Unterstützern gehören jüdische US-Amerikaner.
In Obamas Team gibt es viele, die Israel sehr nahe stehen, aus arabischer Sicht zu nahe. Der Vater von Obamas Stabschef Rahm Emanuel hat vor Israels Staatsgründung im jüdischen Untergrund gekämpft. Der Lieblingskandidat für das Amt des Nahost-Gesandten, Daniel Kurtzer, ist ein gläubiger Jude und früherer US-Botschafter in Tel Aviv. Kurtzer hatte 2007 an der umstrittenen Obama-Rede vor der pro-israelischen Lobby-Gruppe Aipac mitgeschrieben, in der Jerusalem als unteilbare Hauptstadt Israels beschrieben wurde (was der Demokrat dann nach einem Sturm der Entrüstung wieder zurücknahm).
Kein neuer Ansatz im Umgang mit den Palästinensern
Die Chancen, dass der Nahost-Konflikt unter Obamas Präsidentschaft gelöst wird, erscheinen somit gering - auch deshalb, weil es den beiden Vorgängern im Weißen Haus, Bill Clinton und George W. Bush, nicht gelungen ist, in insgesamt 16 Jahren hier irgendwelche vorzeigbaren Fortschritte zu erzielen. Obama hat keine Zeit zu verschwenden. So wird er vor allem mit den Auswirkungen der globalen Finanzkrise und dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak bis Mitte 2010 beschäftigt sein. Das wird den Nahost-Konflikt automatisch in den Hintergrund rücken.
Auch ist kein neuer Ansatz zu erkennen, wie Außenministerin Clinton mit der politischen Spaltung der Palästinenser umgehen will. In ihren Wahlkampfauftritten machte sie sich für eine Fortsetzung der Isolationspolitik gegenüber der im Gaza-Streifen herrschenden radikalislamischen Hamas stark, obwohl der bisherige Boykott die Gruppe nur gestärkt hat.
Das Ergebnis der israelischen Parlamentswahl im Februar könnte den Friedensprozess endgültig für längere Zeit einfrieren, wenn Oppositionschef Benjamin Netanjahu gewinnt, wie es die Umfragen vorhersagen. Netanjahu will die Vereinbarungen der Friedenskonferenz von Annapolis ohnehin ad acta legen.
- Thema
- Barack Obama RSS
- Niederlage für US-Demokraten Dämpfer nach dem Triumph 03.12.2008
- US-Präsident und Europa Barack Hussein und der Nahe Osten 06.11.2008
- Obama ernennt Clinton zur Außenministerin In Lincolns Fußstapfen 01.12.2008
- Präsident Obama und Hillary Clinton Das Seifenoper-Risiko 21.11.2008
- Barack Obama und Hamid Karsai Angespannte Annäherung 13.05.2010
- Politik kompakt Angriff auf die Kirche "aus dem Innern" 11.05.2010
- Nach Anschlag in New York 48 Stunden freies Verhör 10.05.2010
(SZ vom 03.12.2008/ihe)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
"Wenn also zum weiteren Beispiel die Bevoelkerung in Gaza oder in Suedlibanon es zulaesst,dass ihre Fuehrung zivile Ziele in Israel aus deren dichtbesiedelten Wohngebieten beschiesst und Israel daraufhin auf diese Stellungen zurueckfeuert und es dabei beklagenswerterweise zivile Opfer gibt,dann traegt die Verantwortung fuer diese Opfer nicht Israel sondern zuvorderst die fuer den Beschuss Verantwortlichen aber an naechster Stelle auch die damit kooperierende Bevoelkerung insgesamt. "
Lesen sie sich doch noch einmal in aller Ruhe durch, was sie da von sich geben und dann überlegen sie ebenfalls in Ruhe, wer in der Vergangenheit ebenso argumentiert hat!
"Die Hamas hat es selbst in der Hand,das Leid ihrer Bevölkerung sofort stark zu verringen."
Falsch!!! Die Hamas hat 16 Monate von Februar 2005 bis Juni 2006 einen einseitigen Waffenstillstand eingehalten um Israel seinen guten Willen zu demonstrieren. Was tat Israel in dieser Zeit? Es hat Gaza fortgesetzt bombardiert, als Zeichen seines Willens Hamas Mitglieder "liquidiert" (inklusive unschuldiger Passanten) und hunderte Menschen getötet. Das ist Fakt! Nehmen sie doch bitte einfach einmal zu Kenntnis, was die Realität ist, sonst führt doch das alles zu gar nichts und sagen sie mir doch bitteschön, was die palöästinenser aus dieser Handlungsweise Israels für sich und die Zukunft ableiten sollen
Die Diskussion mit querschläger zeigt wunderbar, warum es in Palästina auch nach 60 Jahren keinen Frieden gibt. Jeder ist schuld, jeder könnte was dagegen tun, ausser natürlich den Israelis. Die sind an nichts schuld und können selbstverständlich auch nichts tun um die Lage zu verbessern.
Dass man bei dieser Sichtweise in ein Paralleluniversum abgleitet, das nichts mehr mit dem zu tun hat, was vom überwältigenden Rest der Welt wahrgenommen wird, tut dabei nichts zur Sache.
Das Opfer von mehr als hundert Jahren Unrecht ist natürlich selber schuld. Den ganzen Ärger hätte es ja schliesslich nicht gegeben, wenn die Palästinenser die Freundlichkeit besessen hätten, unmittelbar nach dem Bekannntwerden der ersten jü dischen Ansprüche auf Palästina die Kofffer zu packen und für alle Ewigkeit zu verschwinden. Dass sie dies nicht taten, macht sie für alle Zeit für alle Folgen verantwortlich.
Jetzt ist also die Hamas schuld, dass es keinen Frieden gibt. Dass die Hamas erst Jahrzehnte NACH der Besetzung der "Besetzten Gebiete" überhaupt erst entstand, wird ausgeblendet. Dann sind die Raketen schuld, die zwar auch erst Jahrzehnte nach der Besetzung das erste Mal abgefeuert wurden, aber auch das wird ausgeblendet. Dann ist Gilad Schalit schuld, dessen "Entführung" erst nach tausenden von Entführungen durch die IDF stattfand. Wird ebenfalls ausgeblendet. Dann die Hisbollah, die erst NACH dem Überfall Israels auf den Libanon und die jahrelange Besatzung gegründet wurde. Ausgeblendet! Dann die zwei gefangen genommenen Soldaten, die Israel berechtigen den Libanon in Schutt und Asche zu legen und Millionen Streubomben zu hinterlassen. Die vorhergehende, praktisch tägliche Verletzung des libanesischen Hoheitsgebietes durch Israel (von der UN bestätigt!) wird ausgeblendet.
Wenn man es sich so einfach macht, mit dem Zählen immer erst nach Aktionen des Gegners anzufangen und die vorausgegangenen eigenen völlig "vergisst", dann wird es leider nie Frieden geben. Es wird Zeit diese Kette zu unterbrechen und von internationaler Seite Druck auszuüben.
@querschläger: "Bei JEDER demokratisch gewaehlten und von der Bevoelkerungsmehrheit gestuetzten Regierung,traegt deren Bevoelkerung insgesamt auch die Mitverantwortung fuer die Taten und Unterlassungen der eigenen Regierung. Wie gesagt,dies gilt natuerlich fuer ALLE gleichermassen . Wenn also zum weiteren Beispiel die Bevoelkerung in Gaza oder in Suedlibanon es zulaesst,dass ihre Fuehrung zivile Ziele in Israel aus deren dichtbesiedelten Wohngebieten beschiesst und Israel daraufhin auf diese Stellungen zurueckfeuert und es dabei beklagenswerterweise zivile Opfer gibt,dann traegt die Verantwortung fuer diese Opfer nicht Israel sondern zuvorderst die fuer den Beschuss Verantwortlichen aber an naechster Stelle auch die damit kooperierende Bevoelkerung insgesamt. Das Gerede von Kollektivbestrafung ist in diesem Zusammenhang unlogisch und Unsinn . "
AH JA, ihrer Meinung nach trägt die israelische Bevölkerung also KEINE Schuld an den Völkerrechtswidrigen Vergehen ihrer Regierung! Die völkerrechtswdrige Anlage von Siedlungen in den Besetzten Gebieten ist der israelischen bevölkerung nicht an zu lasten???
AH JA, und wenn Israels Luftwaffe im Nachbarland Libanon geziehlt die Infrastruktur zerstört und über 1200 Zivilisten tötet ist das nicht der israelischen Bevölkerung an zu lasten. Auch wenn die gewählte Regierung ankündigte das Nachbarland um Jahrzehnte zu rück zu bomben.
Hier sind also die libanesischen Zivilisten schuld! Diese hätten sich ja den israelischen Bomber Piloten ergeben können - oder wie??
Ach ja und das Gerede von Kollektiv Bestrafungen bezeichnen SIE hier als UNSINN???
Nun ja, UN wurde und wird ja immer von Israel als unwichtig bezeichnet. Aber vielleicht sollten sie einfach lesen: " Der UN-Berichterstatter zur Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Richard Falk, hat Israels dortige Politik als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt. Die Vereinten Nationen müssten sich dringend dafür einsetzen, dass die Zivilbevölkerung in den Palästinensergebieten "nicht kollektiv bestraft" werde, erklärte Falk am 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Genf. Israels derzeitiger Umgang mit den Palästinensern "läuft auf ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinaus", kritisierte er."
Barbara
Bei JEDER demokratisch gewaehlten und von der Bevoelkerungsmehrheit gestuetzten Regierung,traegt deren Bevoelkerung insgesamt auch die Mitverantwortung fuer die Taten und Unterlassungen der eigenen Regierung. Wie gesagt,dies gilt natuerlich fuer ALLE gleichermassen . Wenn also zum weiteren Beispiel die Bevoelkerung in Gaza oder in Suedlibanon es zulaesst,dass ihre Fuehrung zivile Ziele in Israel aus deren dichtbesiedelten Wohngebieten beschiesst und Israel daraufhin auf diese Stellungen zurueckfeuert und es dabei beklagenswerterweise zivile Opfer gibt,dann traegt die Verantwortung fuer diese Opfer nicht Israel sondern zuvorderst die fuer den Beschuss Verantwortlichen aber an naechster Stelle auch die damit kooperierende Bevoelkerung insgesamt. Das Gerede von Kollektivbestrafung ist in diesem Zusammenhang unlogisch und Unsinn .
Ich denke,wir haben uns zwischenzeitlich ueberaus weit vom Thema des Artikels entfernt und daher werde ich diese Diskussion von mir aus an dieser Stelle ruhen lassen.Sicherlich koennen wir uns abschliessend zumindest darauf einigen,dass eine Reduzierung der grundlegenden Differenzen zwischen uns nicht moeglich ist.
@querschläger: "Offensichtlich stellt Hamas ihre politischen Ziele über das Wohl der eigenen Bevölkerung , daher trägt sie auch die oberste Verantwortung für deren fortgesetztes Leid. Warum wird diese einfache Tatsache von Ihnen und allen "Gutmenschen" ignoriert.Vielleicht weil ihnen das Schiksal der armen Menschen gleichgültig ist,sie deren Leid nur instrumentalisierenund daher nicht wirklich "Gutmenschen" sondern "Bösmenschen" sind ? Leider kann man auch die Bevölkerung von einer Verantwortung für ihr Leid nicht freisprechen,da sie ihre Führung unterstützt und diese nicht zu einer Umkehr bewegen WILL. ( Dies ist analog zur Mitschuld der deutschen Bevölkerung AUCH an ihrem eigenen Leid durch deren Unterstützung für das Nazi-Regime)."
Tja nach dem die üblichen zynischen Statemenst abgelassen wurden ("Selbstverständlich bedauere ich die armen Menschen - Ein Vergleich der Opferzahlen ist Menschenverachtend...") Kommt es also zur Kollektivschuld aller Pallästinenser und natürlich waren und sind auch alle Deutsche Kollektiv schuld an allen verbrechen vor 60 Jahren.
Nach dieser Kollektivschuld Logik - die wohl der ERBSÜNDE gleichkommt. Sind selbstverständlich alle deutsche Opfer der Bombardierung der Wohnviertel selbst schuld. Sicher hätten sich ja die Frauen und Kinder in den Kellern, den US Bombern vorher ergeben können oder Seperat Verhandlungen mit den Bombern der RAF aushandeln können...
Wenn also alle Deutschen und alle Palästinenser nun schuld waren und sind - dann kann man ja auch behaupten: Alle Israelis sind Schuld an der gewählten Regierung, die Völkerrechtswidrig in den Besetzten Gebieten Siedlungen errichtet, den Verlauf der israelischen Mauer völkerrechtswidrig verschiebt und natürlich trägt die gesamte israelische Bevölkerung Schuld daran, dass Israel wegen den Menschenrechtsverstössen von der UN permanent kritisiert wird.
Wäre also ein Boykott Israels nach ihrer Logik nicht nur angebracht sondern auch gerecht - oder???
Barbara
Paging