Von Stefan Kornelius

Mit einer höchst provokativen Rede hat Lee Bollinger, Präsident der amerikanischen Columbia-Universität, Irans Staatschef Ahmadinedschad begrüßt. Der hörte sich die Beschimpfungen ruhig an - und konterte.

Es gehört schon ein Portion Mut dazu, Mahmud Ahmadinedschad fehlende intellektuelle Kapazitäten zu unterstellen, ihn einen "kleinen und grausamen Diktator" zu nennen und mit den Worten fortzufahren: "Herr Präsident, Sie sind entweder atemberaubend provokativ oder erstaunlich ungebildet".

Mahmud Ahmadinedschad

Geriet an der Columbia-Universität in den USA heftig in die Kritik: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. (© Foto: dpa)

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Mut gehört zu den Tugenden eines amerikanischen Universitäts-Präsidenten, der häufig zwischen den unversöhnlichen Lagern in den Fakultäten, bei den Studenten und den Geldgebern um sein Überleben kämpft. Lee Bollinger kämpfte am Montagabend auf der Bühne des Roon-Arledge-Auditoriums in der New Yorker Columbia-Universität den politischen Kampf seines Lebens, und er hatte seinen veritablen Gegner keine zehn Meter von sich platziert: Mahmud Ahmadinedschad, den Präsidenten Irans.

New York erlebt derartige Schauspiele selten, und Ahmadinedschad kann auch nicht behaupten, dass er diese Form der Konfrontation gewohnt ist. Mit stoischer Mine, manchmal ein eisiges Lächeln auf den Lippen, saß er vor den 600 Zuschauern und ließ die Anklage auf sich herabprasseln - eine fast viertelstündige Suada aus politischen Brutalitäten, manchmal leichten Beleidigungen und atemloser Provokation.

Bollinger schien wie gejagt. Seine Sätze überschlugen sich manchmal, gestikulierend versuchte er, den Zwischenapplaus der Zuhörer zu bremsen, als könnte ihm die Zeit davonlaufen und der Präsident die Bühne verlassen.

"Krieg gegen US-Soldaten"

Grund genug dafür hätte Ahmadinedschad gehabt. Bollinger griff die Menschenrechtssituation in Iran an, die Ausfälle Ahmadinedschads gegen Israel, seine Nuklear-Politik, die Lage Homosexueller in Iran. Er forderte Ahmadinedschad auf, eine Delegation von Universitäts-Lehrern in seinem Land sprechen zu lassen, er beschuldigte Iran, einen versteckten Krieg gegen amerikanische Soldaten im Irak zu führen. Er bescheinigte ihm eine fanatische Geisteshaltung und provozierte am Ende mit dem Satz: "Ich bezweifle, dass sie den intellektuellen Mut aufbringen, die Fragen zu beantworten."

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