Kubicki, Lindner & Co. Die FDP als Chamäleon

Wie gesagt: Weil die künstliche FDP einmal ganz prall und dann wieder ganz unscheinbar ist, weil sie sich also verändert, kann man den Eindruck haben, sie lebe noch. Das ist ein falscher Eindruck. Es lebt nicht die FDP, sondern nur der, der sie aufpumpt. In Schleswig-Holstein ist das Wolfgang Kubicki. Er ist eine nordische Mischung aus Möllemann, Seehofer und Westerwelle: ein Intrigant, Quertreiber und Windmacher, Star und Schuft, ein Springteufel - ein ungewöhnlicher, unberechenbarer, manchmal ausfallender, immer egomanischer Politiker von beachtlichen, aber oft destruktiven Talenten, einer, der das liberale Gummitier für seinen Geltungsdrang braucht und der für ein fetziges Morgeninterview im Deutschlandfunk seine Großmutter, hätte er noch eine, verkaufen würde.

Die tote FDP braucht ihn, weil sie sonst nicht einmal als Attrappe überlebt. Parteichef Philipp Rösler bläht zwar die Backen, hat aber, anders als Kubicki, keine Luft. In NRW versucht sich als Aufblaser Christian Lindner, dem Intellektualität nachgesagt und Sensibilität angedichtet wird - und dem gar zugetraut wird, er könne die Partei nicht nur mit Luft, sondern mit Helium, also Ballongas füllen; dann würde sie abheben. Diese FDP könnte also Beweis dafür sein, dass es ein Leben nach dem Tod gibt; es ist allerdings kein richtiges Leben, sondern nur ein gepumptes. Das kann eine Zeitlang gut gehen, so lange, bis der Gummi porös wird und die Luft nicht mehr hält.

Die FDP als Chamäleon

Als die FDP noch richtig am Leben war, war sie ein Chamäleon; sie konnte komplett die Farbe wechseln. Einer dieser Farbwechsel geschah 1969, als die zuvor liberal-konservative Partei sich in eine linksliberale Partei an der Seite der SPD verwandelte. 1982 unternahm sie die komplette Rückverwandlung in eine liberal-konservative Partei an der Seite der Kohl-CDU.

Diese Rückverwandlung hat aber Substanz verbraucht - die Partei verlor die Raffinesse bei der Regierungsbildung, blieb fortan auf die CDU/CSU fixiert, schaffte den Farbwechsel nicht mehr. Sie versuchte, auf andere Weise Farbe zu gewinnen: Sie schrieb sich ein Programm, nach dem der Mensch erst mit dem Leistungsträger beginnt; und sie machte die Steuerfreiheit zur höchsten Form der Freiheit. Mit diesem Marktradikalismus sicherte sie sich zwar Aufmerksamkeit, aber die Liberalität der Partei wurde blass und blässer; die Partei ging ein - die Protagonisten mussten für den Plastikersatz sorgen.

Das neue Leben der FDP ist aus Luft. Es ist eine politik-physikalische Frage, ob und wie man mit Luft koalieren und ob gar aus Luft wieder Liberalität, also Substanz, werden kann. Die deutsche Politik erlebt eine Phase der Experimente.