Mit seiner Attacke auf die Union hat sich SPD-Chef Beck keinen Gefallen getan. Sein Angriff sagt mehr über die Nöte der Sozialdemokraten aus als über die angeblich "neoliberale" Union. Ein Kommentar von Nico Fried

Vorsicht mit dem ersten Satz. Im schlechtesten Fall bleibt selbst von einem ordentlichen Text wenig in Erinnerung, wenn der Anfang missglückt. Kurt Beck hat jetzt einen Aufsatz geschrieben, der so beginnt: "Die Menschen haben ein sicheres Gespür dafür, was wichtig ist und wer sich nur wichtig macht." Dieser Satz könnte ihm noch leid tun.

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Drei Tage nach dem G-8-Gipfel zu Themen, die nach allgemeinem Dafürhalten jedenfalls nicht unwichtig sind, hat sich Beck plötzlich mit einem sozialpolitischen Grundsatzessay zu Wort gemeldet. Nach wochenlanger außenpolitischer Dauerpräsenz der Kanzlerin auf allen Kanälen haben Beck und Teile seiner SPD ein verständliches Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Das Motiv ist sehr einfach zu übersetzen. Beck möchte sagen: "Hallo! Ich bin auch noch da!"

Beck sucht vor allem Streit

Auch in der Sache ist der Angriff auf die unsoziale CDU wie die gleichzeitige Mäkelei an den Ergebnissen der Kanzlerin von Heiligendamm unmissverständlich: Zur Halbzeit der schwarz-roten Regierung und dem bisherigen Höhepunkt in Angela Merkels Ansehen fallen Beck vor allem Gründe ein, warum man mit der Union nicht regieren kann, geschweige denn will. Der schlimmste Grund ist ihr "Neoliberalismus", ein diffuser Begriff, der gleichwohl eine erstaunliche Karriere als Schimpfwort gemacht hat.

Einmal mehr sucht Beck damit vor allem Streit. Die Frage ist nur, ob die Menschen das jetzt interessiert. Vor allem aber haben sie wohl ein sicheres Gespür dafür, dass die Attacke einer Flucht nach vorne gleicht, die mehr über die Nöte der SPD sagt als über die böse Union.

Die Welt ist nämlich ungerecht, aber die Welt der Sozialdemokraten ist noch viel schlimmer. Wo man hinschaut, sitzt sie in der Klemme: Auf der einen Seite die Linkspartei, auf der anderen die Union. Hie Regierungsbeteiligung, da eigene Profilierung. Einerseits die sichtbaren Erfolge einer Vergangenheit, die den Namen Gerhard Schröder trägt, andererseits die Verheerungen, die in der Partei mit demselben Mann verbunden sind. In der Vergangenheit der Schulterschluss mit den Gewerkschaften, in der Gegenwart deren Feindseligkeit.

Vielleicht am allerschlimmsten aber ist es für die SPD, immer wieder für eine Kanzlerin die Hand heben zu müssen, die in der Innenpolitik nicht regiert, sondern präsidiert. Angela Merkel sagt nichts zum Mindestlohn, nichts zur Pflegeversicherung, nichts zum Betreuungsgeld, sie sagt einfach zu allem gar nichts.

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