Die Landeschefin des bisherigen WASG-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen, hält Lafontaine für die falsche Besetzung als Vorsitzender der neuen Linkspartei. Er vertrete mehr sich als die Partei.
sueddeutsche.de: Frau Schwabedissen, mit dem Gründungsparteitag bekommt die Linkspartei einen eigenen König: Oskar, den I. Werden Sie gerne regiert?
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Die Landeschefin des bisherigen WASG-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen: "Ich halte die Fixierung auf einzelne Personen für falsch." (© Foto: Thorsten Denkler)
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Katharina Schwabedissen: Wir werden keinen König bekommen, auch wenn der Parteivorsitzende die Partei nach außen auf eine Art vertritt, die sehr auf seine Person ausgerichtet ist.
sueddeutsche.de: Ein große Mehrheit hält Lafontaine für den richtigen Mann an der Spitze. Hat die Mehrheit Recht?
Schwabedissen: Unter Medienaspekten ist Oskar Lafontaine sicherlich eine gute Besetzung. Wenn es darum geht, wie die Partei nach außen wirkt, ist er der falsche Kandidat. Mit ihm wird das Bild verstärkt, wir seien die Partei der alten Männer, die Partei der grauen Haare. Ich hätte mir deshalb eine junge Frau als Co-Vorsitzende in der neuen Linken gewünscht. Wir hätten damit zeigen können, das wir nicht nur in unseren Inhalten anders sind, sondern auch in unserer Personalpolitik.
sueddeutsche.de: Hätte die Partei ohne Lafontaine bessere Chancen?
Schwabedissen: Ich glaube nicht, dass Oskar der Partei schadet. Aber ein jüngeres Bild von der Partei hätte die Partei vorangebracht. Es hätte mir aber auch gereicht, wenn neben Lafontaine eine junge Frau aus der Linkspartei den Co-Vorsitz übernommen hätte.
sueddeutsche.de: Was haben sie gegen Männer, die Ihnen Wählerstimmen bringen?
Schwabedissen: Ich halte die Fixierung auf einzelne Personen für falsch. Oskar Lafontaine steht als Fraktionsvorsitzender sowieso schon im Rampenlicht und hat erheblichen Einfluss. Das muss er nicht unbedingt noch Parteivorsitzender sein. Da wäre durchaus noch Platz für eine neues Gesicht gewesen.
sueddeutsche.de: Lafontaine gilt als gnadenloses Alpha-Männchen, jetzt ausgestattet mit einer großen parteiinternen Machtfülle. Wie wollen Sie den im Zaum halten?
Schwabedissen: Das wird sehr schwer werden. Da hat sich gestern erst erwiesen, als er sich in eine Abstimmung über einen Antrag zur Trennung von Amt und Mandat eingeschaltet hat. Er hat so eine schärfere Trennung verhindert. Oskar wollte Meinung machen und das ist ihm auch gelungen. Wir werden ihn nur durch starke und selbstbewusste Mitglieder nah an der Partei halten.
sueddeutsche.de: Sie wünschen sich eine Frau neben Lothar Bisky. Das Problem ist: Es hat gar keine kandidiert.
Schwabedissen: Es gibt zwei Gründe: Zum einen ist es natürlich ein hartes Brot, gegen Oskar zu kandidieren. Viele Menschen lassen sich von ihm begeistern. Dagegen zu halten ist nicht leicht. Der andere Punkt ist einfach die frauen- und familienfeindliche Arbeitsstruktur einer Partei. Späte Sitzungen, Fernsehauftritte am Abend, viel reisen. Frauen mit Kinder oder mit einem Job, den sie neben dem Ehrenamt Parteivorsitz noch managen müssten, können das nicht ohne weiteres schaffen. Ein Lösung wäre, wenn die Partei ihre Arbeits-Strukturen ändert.
sueddeutsche.de: Für keinen wichtigen Posten hat es einen Gegenkandidaten gegeben. Das ist erschreckend etabliert für eine Partei, die anders sein will.
Schwabedissen: Wir wollen uns ja in vielen Themen als eigene Kraft etablieren. Aber diese Form der Etablierung brauchen wir auf Dauer sicher nicht.
Katharina Schwabedissen war bisher Landeschefin des großen WASG-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. In der neuen Linkspartei wird sie diesen Posten als Stellvertreterin wahrnehmen. Parteichefin der Bundespartei kann und will sie wegen ihrer Kinder und ihrer Magisterarbeit nicht werden.
(sueddeutsche.de)
Um diesen Beitrag richtig einordnen zu können, muss man wissen, dass Frau Schwabedissen der Strömung der Antikapitalistischen Linken angehört, die eine Minderheit innerhalb der neuen Linken darstellt. Als WASG-Landessprecherin ist sie politisch, außerhalb von Sonntagsreden, wenig oder gar nicht in Erscheinung getreten. Um so unverständlich ist es für NRWler, dass Frau Schwabedissen hier die Möglichkeit hatte, eine Minderheitenmeinung kundtun zu können, die Mehrheit der MitgliederInnen in NRW teilt Frau Schwabedissens Meinung nicht. Auch darf bezweifelt werden, dass Frau Schwabedissen, Chancen hätte, so sie denn wollte, in den Bundesvorstand gewählt zu werden, aber hier war sie klug genug, dies vorerst auszuschließen. Wenn im September ein neuer Landesvorstand gewählt wird, werden die Delegierten in NRW klug genug sein, eine Frau zu wählen, die mit guter politischer Arbeit punktet und klare Positionen mit Leben füllt, die es nicht nötig hat, sich auf Kosten anderer zu profilieren.
sie sagt doch im interveiuw, dass sie nicht glaube, dass oskar der partei schadet.
also für alle ersnthaft interessierten, die jenseits der SZ hetze sich für politik interessieren, hier die rede lafontaines im netz:
die-linke.de/partei/organe/parteitage/gruendungsparteitag/reden/oskar_lafontaine
und damit es nicht wieder zensiert wird die drei W davor setzen!
möchte ich nur anmerken, dass die Theorie stets der Praxis hinterherhinkt.
Ihr Satz "Ohne Theorie dürfte wohl kein System existieren" verkehrt meiner Meinung die Wirklichkeiten ganz enorm, denn: Erst existiert ein Phänomen, z.B. ein physikalisches, und Generationen von Wissenschaftlern mühen sich dann damit, die "richtige" Theorie aufzustellen. Und eindeutig gibt es erst die Wirklichkeit = das was wirkt, und die Theoretiker mühen sich dann ab, irgendwelche Formeln zu finden, Modelle zu entwickeln, eine Fehlerrechnung zu konstruieren, Wahrscheinlichkeiten aufzustellen, um dann die Wirklichkeit mit der Theorie zu beschreiben. Oft gelingt dies nur sehr unzureichend.
Eine Theorie, die nicht der Wirklichkeit entspricht, kann auch als Irrglaube, Märchen, Modell, Phantasie, ideelles Konstrukt oder als ein sonstiges geistige Gebilde existieren, entbehrt jedoch einer erfahrbaren Realität. Wenn das Leben so funktioniert, wie Sie glauben, nämlich "ohne Theorie funktioniert kein System", dann muss ich schon fragen: Meinen Sie wirklich, dass das Wachsen eines Baumes erst auf einer Schablone entworfen wird, dann ein Zeitplan aufgestellt wird, die Höhe, die Wachsgeschwindigkeit, die Umweltbedingungen etc. festgelegt werden (von wem auch immer), und erst wenn das System sauber in der Theorie festgeschrieben wird, fängt das System an zu existieren? Weil ja kein System ohne Theorie funktioniert... ich sage, kein lebendes System schert sich um irgendeine Theorie. Für mich hat diese Denkart etwas von Realitätsverlust.
Hier hängt man sich schon wieder an Äußerlichkeiten auf wie "Ist O.L. der Richtige" oder "Mehr Frauen in Position X". O.L. erzeugt zumindest mal eine hohe Medienpräsenz, das schafft wohl kaum jemand. Nur - im Endeffekt zählt doch mittel- und langfristig - was hat diese neue Partei vor? Und wie setzt sie es um? Und - verzichtet sie auf die üblichen Machtplustereien, das Hauen und Stechen um Posten und Positionen, die nicht einmal das Papier wert sind, auf dem es geschrieben steht.
Ob nun mehr oder weniger Frauen in Positionen sind - habe mir von Angela Merkel etwas anderes erhofft, als das, was nun für uns Wirklichkeit geworden ist. Seither bin ich auch sehr skeptisch gegenüber Politikern, die von Kindesbeinen in Ost-Systemen groß geworden sind. (Wir haben geglaubt, dass der Osten zum Westen dazugekommen, aber mittlerweile scheint es mir eher so, dass der Osten sich um den Westen erweitert hat ... nur so am Rande)
Was zählt ist, was sachlich passiert, ob nun von Frauen oder Männern entschieden, ist mir eigentlich egal. Seit A.M. glaube ich nicht mehr, dass Frauen die menschenfreundlichere Politik machen, vielleicht die noch raffiniertere, aber nicht zwangsweise die menschlichere.
Bisher gibt es nur mal eine neue Partei, die mit viel Pomp startet. Alles andere bleibt erst einmal spekulativ.
Herr Denkler, nach Ihrem Kommentar zur Mindestlohnfarce der SPD im Bundestag stellt sich mir die Frage:
Haben Sie eine Links-Phobie, Herr Denkler?
Stellen Sie Ihren Fragenkatalog doch entsprechend umformuliert auch mal handverlesenen Mitgliedern der andern Parteien. z.B. "Werden Sie gerne von einer Frau regiert?" , " Was haben Sie gegen Frauen, die Stimmen einbringen?" oder " Für den wichtigen Posten der Parteivorsitzenden hatte Frau Merkel keinen männlichen Gegenkandidaten, das ist erschreckend für eine Partei, die konservativ sein will."
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