Kritik an Guttenberg-Entscheidungen Marine entlastet offenbar "Gorch Fock"-Kommandanten

Neuer Ärger für Karl Theodor zu Guttenberg: Die Marine sieht kein Fehlverhalten des vom Verteidigungsminister suspendierten Kommandanten der "Gorch Fock".

Eine neue Wendung zeichnet sich in der Affäre um die Vorgänge auf dem Schulschiff Gorch Fock ab - der von Guttenberg vorläufig suspendierte Kommandant Norbert Schatz soll entlastet worden sein. Der Marine-Untersuchungsbericht über Zustände auf dem Segelschulschiff soll laut Focus die Position des abgesetzten Kapitäns stärken. Ein "disziplinarrechtlich relevantes Fehlverhalten" des Kapitäns sei "nicht zu erkennen", schreibt das Magazin. In Marinekreisen werde erwartet, dass Guttenberg ihn rehabilitiere.

Der Chef der Untersuchungskommission habe Marineinspekteur Axel Schimpf am Mittwoch über den Inhalt des bisher unveröffentlichten Berichts unterrichtet.

Der Kommandant kann allerdings noch nicht ganz aufatmen. Selbst wenn die Disziplinarermittlungen gegen ihn eingestellt werden, ist dies noch kein Freispruch, kommentierte ein Rechtsexperte der Bundeswehr den derzeitigen Sachstand. "In diesen Vorermittlungen nach der Wehrdisziplinarordnung wird lediglich festgestellt, ob sich der Anfangsverdacht eines Dienstvergehens, also eines vorsätzlichen und schuldhaften Verstoßes gegen Bundeswehrvorschriften und das Soldatengesetz erhärten lässt", sagte der ungenannte Experte der Nachrichtenagentur dapd.

Kritik an Plänen zur Bundeswehrreform

Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums schränkte ein: "Der Bericht wird noch finalisiert." Der Sprecher wollte sich zu dem Stan der Ermittlungen nicht weiter äußern. "Zu internen Berichten und laufenden Ermittlungen nehmen wir grundsätzliche keine Stellung", sagte er. Angebliche Details des Berichtes könne er daher weder bestätigen noch dementieren. Auch die Marine wollte sich zunächst nicht äußern.

Nach dem Tod einer 25 Jahre alten Kadettin auf der Gorch Fock im November hatten Offiziersanwärter der Stammbesatzung Schikanen bis hin zur sexuellen Nötigung und fragwürdige Rituale vorgeworfen. Die Ausbildung war daraufhin abgebrochen worden, der Verteidigungsminister setzte den Kapitän im Januar ab. Die Stammcrew warf Guttenberg daraufhin vor, er habe ihren Kapitän abserviert, und wies Kritik an den Ausbildern zurück.

Die von Verteidigungsminister zu Guttenberg eingesetzten Ermittler hatten Ende Januar angekündigt, sie wollten mit allen Besatzungsmitgliedern an Bord sprechen sowie mit den Kadetten, die inzwischen wieder in Deutschland sind. Die Kommission sollte laut Marineamt allerdings nicht den tödlichen Sturz der Kadettin aus der Takelage untersuchen, da dies Sache der Staatsanwaltschaft sei.

Der Grünen-Sicherheitsexperte Omid Nouripour kritisierte den Verteidigungsminister in einer ersten Reaktion auf den Focus-Bericht scharf: "Wir haben es hier mit einem Korrekturminister zu tun - rund um die Uhr."