Kritik an Guido Westerwelle Gebuh und Gelächter für den großen Staatsschauspieler

Guido Westerwelle kann machen, was er will - es ist falsch. Dabei wird der Minister ohne Fortune von politischen Gegnern und Parteifreunden schlechter geredet als er ist: Der Außenminister ist zum Pechvogel im Kabinett Merkel geworden. Kein Wunder, dass Westerwelle in diesen Tagen gerne das Wort "Respekt" verwendet. Weil er ihn sich selbst so sehr wünscht.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Es gehört mittlerweile zu den billigsten Übungen der deutschen Politik, Hohn und Spott über Guido Westerwelle auszuschütten. Es ist dies das späte Echo auf seine Großsprecherei von früher. Der Außenminister kann heute machen, was er will - er macht es falsch. Er wird kritisiert, wenn er eine bestimmte Entscheidung trifft, und er wird kritisiert, wenn er sie wieder korrigiert. Wenn er vorsichtig ist, will man ihn forsch; und wenn er forsch ist, will man ihn vorsichtig.

Bei einem anderen Großpolitiker wäre seine Wende in der Libyen-Politik, sein spätes Lob für die Nato, nicht nur beachtet, sondern auch geachtet worden; Westerwelle wird dafür missachtet - und zwar von fast allen, gleich welche Position sie zum Nato-Einsatz in Libyen vertreten oder vertreten haben. Oppositionspolitiker wie Trittin, Gabriel und Steinmeier erklären den Außenminister zum Außenseiter und wollen vergessen machen, dass sie ursprünglich seine Position der militärischen Zurückhaltung gebilligt haben. Weil Gaddafi gestürzt ist, ist alles anders: Alle haben "Respekt" vor der Nato. Die Erleichterung über den Sturz Gaddafis erleichtert die Zustimmung zu einem Krieg, dessen offizielles Ziel die Absetzung Gaddafis gar nicht war.

Das Wort "Respekt" ist das Wort der Woche. In einem Grundsatzartikel, den Westerwelle soeben veröffentlicht hat, hat er nun nicht nur "Respekt" vor der Nato, sondern auch vor Griechenland, Portugal und Irland, weil sie ihre Schuldenpolitik korrigiert hätten. Und auch die strategischen Partnerschaften "mit den neuen Kraftzentren der Welt" will Westerwelle "mit Respekt" aufbauen. Womöglich greift er deshalb so gern zu diesem Wort, weil er sich selber so wenig respektiert fühlt.

Im Ansehen der Öffentlichkeit hat er den Wandel vom Innen- zum Außenpolitiker nicht geschafft: Man hat das Gefühl, man sieht einen ehedem großen Staatsschauspieler auf der falschen Bühne. Das Gebuh und Gelächter kommt freilich nicht nur von den Rängen. Wenn es gegen Westerwelle geht, ist fast jeder dabei, mittlerweile sind es auch seine Parteifreunde. Die Grundregeln des politischen Stils gelten dabei wenig: Vor-Vorgänger Joschka Fischer schert sich wenig um die gute Übung, über einen Nachfolger nicht öffentlich herzuziehen. Er redet über Westerwelle wie über einen nobilitierten Hanswursten, wohl auch, um sich selbst auf diese Weise nachträglich noch ein Licht mehr aufzusetzen. Ein paar der militärischen Skrupel, die Außenminister Westerwelle heute plagen, hätten freilich Fischer seinerzeit nicht geschadet.

Westerwelle ist gewiss kein guter Außenminister; aber so schlecht, wie geschrieben wird, ist er auch wieder nicht. Er ist aber ein Minister ohne Fortune; und Freund und Feind tun sich an seinem Missgeschick gütlich. Im Kabinett Merkel spielt er die Rolle, die im Märchen von der Frau Holle die Pechmarie hat. Wer das Märchen kennt, weiß: Sie wurde von Frau Holle entlassen. So leicht wie im Märchen geht das in der Politik nicht.

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