Viel zu hohe Kosten und teilweise manipulierte Kalkulationen: Der Bundesrechnungshof hat offenbar massive Bedenken gegen die von Innenminister Schäuble geplante Abhörzentrale.
Der Bundesrechnungshof will Medienberichten zufolge die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) geplante gemeinsame Abhörzentrale wichtiger deutscher Sicherheitsbehörden stoppen. In einer vertraulichen Stellungnahme habe der Bundesrechnungshof das Vorhaben scharf kritisiert und empfohlen, "alternative Lösungen" zu prüfen, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Samstag vorab.
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Gegenwind für Innenminister Schäuble: Der Bundesrechnungshof kritisiert seine Pläne (© Foto: ddp)
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Laut dem Magazin Focus hält der Rechnungshof die Kosten für viel zu hoch. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums nannte die Bündelung dagegen notwendig und erklärte, die Berechnungen des Bundesrechnungshofes seien nicht richtig.
Schäuble und sein Staatssekretär August Hanning wollen beim Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln ein gemeinsames Abhörzentrum für das Bundeskriminalamt (BKA), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und die Bundespolizei aufbauen. Die Technik soll dem Spiegel zufolge in einem "Servicezentrum" zusammengefasst werden, daneben soll ein "Kompetenzzentrum" entstehen, eine Art Denkfabrik für Telekommunikationsüberwachung.
"Solange geändert, bis sich das gewünschte Ergebnis errechnen ließ"
Laut Focus sollen 30 BVA-Spezialisten künftig die Überwachung von Telefon, E-Mail oder Fax steuern. Die Kosten des Projekts seien viel zu hoch, zitierte der Focus aus dem internen Schreiben der Bundesprüfer an das Vertrauensmännergremium des Bundestags, das die Haushalte der deutschen Nachrichtendienste kontrolliert. Außerdem seien einzelne Berechnungen manipuliert.
Laut Spiegel monierten die Rechnungsprüfer in ihrem Bericht vom 18. September, das BVA habe "im Auftrage des Bundesinnenministeriums" bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung die Parameter "so lange geändert, bis sich das gewünschte Ergebnis zugunsten des Bündelungsmodells errechnen ließ". Die Prüfer kommen demnach für den Zeitraum bis 2015 auf Ausgaben von insgesamt 132,4 Millionen Euro gegenüber 126,2 Millionen bei der bisherigen, dezentralen Organisation der Abhörtechnik.
Der Focus spricht von 90 Millionen Euro Gesamtkosten bis 2012. Neben der Kostenfrage sei die Wahl des BVA als Heimat des Kompetenzzentrums "nicht nachvollziehbar", da das Amt "nicht über praktische beziehungsweise fachliche Erfahrungen" verfüge, heißt es laut Spiegel in der Stellungnahme.
"Zwei-Säulen-Modell" vorgeschlagen
Der Rechnungshof empfehle daher, "die Bündelung der Telekommunikationsüberwachung im BVA zu überdenken", und schlage ein "Zwei-Säulen-Modell" vor: ein gemeinsames Rechenzentrum der Polizeien beim BKA und ein Rechenzentrum für die Verfassungsschützer aus Bund und Ländern beim BfV in Köln.
"Das Bundesinnenministerium hält nach wie vor die zentrale Bündelung der Telekommunikationsüberwachung der bundesdeutschen Sicherheitsbehörden für die günstigste Variante", sagte dazu ein Ministeriumssprecher in Berlin. Sein Haus verlange "eine höhere Ausfallsicherheit des Systems, als vom Bundesrechnungshof bislang vorgesehen".
Nicht zuletzt aufgrund der internationalen terroristischen Bedrohungslage könnten sich die Sicherheitsbehörden einen Ausfall der Systeme zur Telekommunikationsüberwachung nicht leisten: "Die Bündelung der Telekommunikationsüberwachung zur Bekämpfung von Terrorismus und Schwerstkriminalität an einer zentralen Stelle spart Kosten und garantiert moderne sicherheitstechnische Standards."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(AFP/ihe/mel)
Russland unter Putin
Der Traum von der persönlichen Allmacht ist für viele schon im Spielsalon gelandet.
Welches Ende der Traum von Innenminister Schäuble nimmt, hängt von der Aufmerksamkeit der Umgebung ab, die schnell zum Opfer solcher Machtphantasien werden kann.
grösste Bedrohungslage für die Bevölkerung geht von inkompetenten Politikern aus nicht zwangsläufig von Terroristen. Wieder mal eine neue Sau durchs Land laufen lassen Herr Schäuble?! Beruhigungspillen ausgegangen ? Das der überhaupt noch was sagen darf
"Ich hoffe der Mensch ist wachsam und hat aus zwei Diktaturen gelernt."
Da bin ich in letzter Zeit weniger optimistisch. Weniger wegen dem Schäuble. Was technisch möglich ist, macht der Staat- davon kann man schonmal ausgehen. Die Frage ist bisher noch, wie man die gesammelten Daten gegen die ausgehorchten Delinquenten nutzbar machen kann. Deshalb müssen diese Daten irgendwie legalisiert werden. Solche Probleme hatte die Stasi natürlich nicht.
Und in diese Richtung gehts ja auch wieder ein bißchen. Ebenso wie damals wird das natürlich alles nur gemacht, um dem Rechtsradikalismus einen Riegel vorzuschieben. Im offiziellen DDR-Medien-Sprachgebrauch waren die Leute, welche 1989 demonstrierten "faschistische Provokateure" und auch die Mauer war der "antifaschistische Schutzwall". Unter diesem Namen könnte man die Mauer glatt heute noch mal bauen. Wer würde es schon wagen, gegen so ein gutes Anliegen aufzutreten?
Einige Beispiele für Anwendung einer Strategie der Spannung
Deutschland
Der bekannteste aufgeklärte Fall der Vortäuschung einer terroristischen Straftat in Westdeutschland war das so genannte Celler Loch, bei dem Verfassungsschützer 1978 in Celle die Mauer eines Gefängnisses sprengten.
Als Celler Loch wurde ein Loch bekannt, das am 25. Juli 1978 in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle gesprengt wurde. Der Anschlag war von der niedersächsischen Landesbehörde für Verfassungsschutz fingiert worden. Unter dem Schlagwort Celler Loch wurde auch die sich daraus ergebende Affäre bundesweit bekannt.
Italien
Zahlreiche Terroranschläge der 1970er und 1980er Jahre wurden von rechtsgerichteten geheimdienstnahen Kräften begangen und von offizieller Seite der extremen Linken zugerechnet. Das damit angestrebte und auch teilweise erreichte Ziel war die Diskreditierung der gesamten politischen Linken, speziell der Kommunistischen Partei Italiens.
Zur Information der Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung
Zu teuer? In jedem Fall, weil unnötig und antidemokratisch. Um Schäuble von seinen Absichten abzubringen, sind offenbar Kostenberechnungen überzeugender und erfolgversprechender als der Streit über demokratische Grundrechte. Das ist das eigentlich Skandalöse.
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