Der scheidende Wehrbeauftragte Robbe grollt, Deutschland lasse versehrte Soldaten im Stich - die Wut hat auch mit seiner Familiengeschichte zu tun.
Am 12. Mai beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Reinhold Robbe. An diesem Tag wird der Wehrbeauftragte sein Amt an Hellmut Königshaus übergeben. Politiker, deren Nachfolger schon feststehen, gelten meistens als lame duck, als "lahme Ente", einer, der nurmehr verwaltet, aber nicht länger agiert.
Reinhold Robbe: Seitdem klar ist, dass der Sozialdemokrat seinen Posten als Wehrbeauftragter verliert, haut der Mann rhetorisch kräftiger denn je auf die Pauke. (© Foto: ddp)
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Anders Robbe: Seitdem klar ist, dass der Sozialdemokrat seinen Posten verliert, haut der Mann aus Ostfriesland rhetorisch kräftiger denn je auf die Pauke.
Prangerte er in seinem letzten Jahresbericht vor allem Missstände bei der ärztlichen Versorgung der Bundeswehr an (was auch daran liegen mag, dass Robbe und der zuständige Sanitätsinspekteur nicht die besten Freunde sind), stellt er nun verwundete Soldaten in den Mittelpunkt. Genauer: der Umgang des Staates mit denjenigen Männern und Frauen in Uniform, die im Dienst versehrt und traumatisiert werden.
Drastisch beklagt Robbe nun das Schicksal solcher Angehörigen der Bundeswehr, die jahrelang und häufig vergeblich darum kämpfen, dass ihr Anspruch auf Wehrdienstentschädigung anerkannt wird. Ein "Skandal" sei das, grollt der 55-Jährige in einem Report des ARD-Magazins Panorama, diese Soldaten würden "im Stich gelassen".
Vor allem solche mit "Posttraumatischen Belastungsstörungen" (PTBS) stünden mit ihrer Erkrankung oft alleine da - meistens sind es Soldaten, die aus Afghanistan zurückkommen.
Hunderte traumatisierte Soldaten, Zahl steigend
In den ersten Jahren des deutschen Einsatzes am Hindukusch war es in den Regionen, in denen die Bundeswehr stationiert ist, relativ friedlich. Die Bundeswehr hatte in der zugewiesenen Nordregion kaum Probleme. Schwere Gefechte wie an Karfreitag oder an diesem Donnerstag, als mindestens vier Deutsche Soldaten fielen, waren nicht denkbar.
Lebensgefährlich ist die Mission der Deutschen in Kundus, Mazar-i-Sharif und Faizabad inzwischen schon seit längerem. Seitdem die Taliban und andere militante Gruppen auch im "deutschen Norden" des Landes operieren, schnellt auch die Zahl der traumatisierten Bundeswehrsoldaten in die Höhe: 2009 wurden 466 Angehörige der Truppe wegen PTBS behandelt - fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
Es sind Fälle, die Reinhold Robbe besonders wütend machen - weil ihm diese Schicksale besonders nahe gehen. "Ich bin da persönlich berührt", sagte er einmal in einer Diskussionsrunde und erzählte die Geschichte seines Vaters. Der zog in den Zweiten Weltkrieg als Soldat und wurde schwer verwundet. Er überlebte, die Schatten des Grauens verzogen sich nie wieder. Im Alter drückten seinen Vater schwere Depressionen, erzählte Robbe.
Das "Kriegszittern" kannte man schon aus dem Ersten Weltkrieg, doch bis es eingehend untersucht wurde, vergingen viele Jahre: Erst nach dem Vietnamkrieg gab es Studien zu dem Syndrom, das den Namen PTBS erhielt. Es dauerte bis 1994, also 80 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, bis PTBS als eingenständige Krankheit behandelt wurde.
Robbes Vater erhielt keine Hilfe: "Im Grunde starb er an den Folgen der traumatischen Belastungen, die im Alter wieder ausbrachen", sagt der Wehrbeauftragte im März.
Kritik an Guttenberg
Nun, kurz vor seinem Ausscheiden, nennt er konkrete Fälle wie den von dem Stabsgefreiten, dessen Haut in Afghanistan großflächig verbrannte und der deshalb nicht in seinen erlernten Lackerier-Beruf zurückkehren kann - die geschädigte Haut verträgt keine Lösungsmittel. Da sein Behinderungsgrad knapp unter 50 liege, wird er nicht als Ersatzversehrter weiterbeschäftigt, zürnt Robbe.
Solche Fälle bringen den Norddeutschen in Wallung - er wittert System hinter fehlender Kulanz und mangelnder Sensibilität. Robbe moniert in dem Panorama-Beitrag Gutachten, die zumeist zu Ungunsten des Betroffenen ausfallen.
Die Verantwortung sieht er ganz oben, bei Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, auch wenn er den CSU-Politiker nicht beim Namen nennt: "Hier muss unterstellt werden, dass der Dienstherr, der einen Auftrag gibt, ein bestimmtes Ergebnis haben will", wettert Robbe.
Sein letzter Monat im Amt hat nun begonnen, bald endet vermutlich seine politische Karriere. Mit 16 ist Robbe in die SPD eingetreten, er saß als Abgeordenter elf Jahre im Bundestag, bevor er 2005 Wehrbeauftragter wurde.
Seine Berufung scheiterte damals fast, weil einige Parteifreunde dem konservativen SPD-"Seeheimer" Robbe vorhielten, nicht gedient zu haben. Damals in den siebziger Jahren, während des Kalten Krieges, verweigerte er, weil er nicht im Ernstfall auf Verwandte aus Thüringen schießen wollte.
Inzwischen, sagte er mal, würde sich Reinhold Robbe als Wehrpflichtiger für die Armee entscheiden, die in Afghanistan steht. Der Einsatz der Deutschen in dem Bürgerkriegsland dauert inzwischen länger als der Krieg, an dem Robbes Vater zerbrochen ist.
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(sueddeutsche.de/segi/plin)
Protest gegen dritte Startbahn
Reinhold Robbe wurde am 14.04.2005 Wehrbeauftragter der Bundesregierung. Da standen unsere Soldaten schon in Afghanistan. Der damalige Verteidigungsminister war Hans Joachim Struck (SPD). Herr Robbe blieb im Amt, als am 22.November 2005 Franz-Josef Jung (CDU) Verteidigungsminister wurde. Nun, wo Herr Robbe sein Amt abgibt ist KTzG im Amt und Herr Robbe dreht was Kritik anbetrifft so richtig auf.
Das ist einfach nicht glaubwürdig. Ich glaube Herrn Robbe gern die Erfahrungen, die er mit seinem Vater erlebt hat. Der zweite Weltkrieg hat viele Menschen traumatisiert. Außer Soldaten, betrifft das auch die Überlebenden Opfer des Naziterrors und die Millionen Menschen die Flucht und Vertreibung erlebt haben.
Die Bundeswehrverwaltung und ihre menschenunwürdige Praxis im Umgang mit im Dienst versehrten Soldaten gibt es aber schon seit es die Bundeswehr gibt. Fälle, in denen diese Bürokraten Menschen, die einen Eid zur Verteidigung unseres Landes geleistet haben und die im Dienst verletzt wurden, kaltherzig alleingelassen haben, gibt es reichlich.
Und einziger Verteidigungsminister, seit Theodor Blank, hat sich bemüßigt gefühlt, daran ernsthaft etwas zu ändern. Das Geld für die Behandlung und Unterstützung von im Dienst versehrten Soldaten kommt aus dem Etat des Verteidigungsministers. Egal von welcher Partei der auch gestellt wurde, neue Spielzeuge für die Generalität waren immer wichtiger.
Nun, nachdem Herr Robbe also drei Verteidigungsminister, die sich in dieser Frage alle gleich verhalten haben, erlebt hat, kritisert er ausgerechnet den letzten in der Reihe?
So berechtigt wie die Kritik ist, so wichtig es auch ist, das über diesen Skandal berichtet wird, so wenig glaubwürdig ist Herrn Robbes Empörung zu diesem Zeitpunkt.
Die Kosten eines Krieges berechnen sich nicht nur aus technischem Verschleiß. Zu den Kosten eines Krieges gehören auch die Folgekosten für die Behandlung traumatisierter oder verletzter Soldaten. Dessen sollte man sich bewußt sein, bevor man einen Krieg anfängt.
Dieser Bericht bestätigt einmal mehr, dass Soldaten dazu bestimmt sind zu sterben. Ihre Aufgabe besteht darin, so viele Feinde wie möglich zu töten.
Leider vergessen die Kriegsberichterstatter immer, dass diese Feinde ebenfalls Familie haben. Genau genommen entscheiden "Führer" wer gegen wen schießen und wer sterben muss.
Europa hat aus den letzten Kriegen nichts gelernt, weil versäumt wurde die Überlegung zu berücksichtigen, dass die Krieg auf der puren Blindheit entstanden, die sich Folgsamkeit nennt. Diese Folgsamkeit ist durch eine Demokratie offensichtlich nicht ausgemerzt, sie wird nur "freiwilliger" aufgenommen.
Deutschland ist auf Befehl der NATO in Afghanistan, weil beschlossen wurde, dass 9/11 ein Verteidungsfall ist - vor einem Volk, dem nicht einmal nachgewiesen werden kann, dass es an den Anschlägen beteiligt ist.
Viel mehr sind die Taliban keine zuverlässigen Partner, wenn es darum geht die Pipeline durch Afghanistan zu bauen - also ist dies ein Wirtschaftskrieg und hat nicht im entferntesten etwas mit DEMOKRATIE zu tun.
Bitte mehr Ehrlichkeit in der Presse!
drängt sich die Frage auf, weshalb er erst jetzt so vom Leder zieht. Gleichermaßen bleibt aber zu fragen, ob denn von den Entscheidungsträgern( sehr schönes Wort für jene, die unsere Soldaten bedenkenlos verheizen) nicht bemerkt wurde, was mit den zurückkehrenden Soldaten passiert. Sie wollen es nicht wissen. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, der Mißerfolg ist ein Waisenkind.Und von Erfolg der Afganistan-Mission kann eben so gar keine Rede sein. Ein paar Schulmädchen und zu den Taliban übergelaufene von Deutschen ausgebildete Soldaten und Polizisten sind keine überzeugenden oder vorzeigbaren Ergebnisse. Und wer ist der Schuldige? Selbstverständlich die Soldaten, die ihre Aufgaben nicht erfüllen.
gelassen werden. Benützt, wenn sie kaputt sind reichts vielleicht nochn Orden und dann dürfen se off der Strasse sitzen und fragen "Hasse mal n Euro" oder als asoziale Schmarotzer römisch Dekadent in der Hartz 4 Hängematte herumliegen.
Die Art der der SZ wird allmählich unerträglich. Statt sachlicher Berichterstattung Unterstellungen, Andeutungen, Wertungen.
Vielleicht hat Herr Robbe ja auch ganz sachliche Gründe für seine offensive Haltung: Vielleicht häufen sich ja die Zwischenfälle in Afghanistan? Vielleicht äußern Soldaten vermehr Kritik an der Qualität der Ausbildung und an ihrer Ausrüstung? Vielleicht macht ihnen auch die politische Ignoranz zu schaffen das Herumeiern um umgangssprachliche Kriege, in denen Soldaten leider ganz real totgeschossen werden?
Kann es sein, dass die SZ seit ihrem Besitzerwechsel von bürgerlich-liberal auf rechts-polemisch umgepolt werden soll? Das wäre wirklich traurig!
Paging