Während die Regierung verschnupft auf die Äußerungen der Bischöfin reagiert, stellt sich der Außenminister hinter sie. Sie selbst fühlt sich missverstanden.
Auch die Bundesregierung hat sich irritiert über die Äußerungen der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan gezeigt. Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans sagte am Montag: "Es gibt hier eine Meinungsverschiedenheit."
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Bischöfin Margot Käßmann predigt zu Neujahr in der Dresdner Frauenkirche. (© Foto: dpa)
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Die Bundesregierung respektiere andere Meinungen und wünsche sich Respekt für die Haltung derer, die es sich mit der Entscheidung für den Afghanistan-Einsatz nicht leicht gemacht hätten, fügte er hinzu. Die Regierung sei überzeugt, dass der Afghanistan-Einsatz nötig sei und halte ihn auch für verantwortbar. Man sei zugleich offen für eine Debatte "in ernsthaftem und angemessenem Ton".
"Mehr Phantasie für den Frieden"
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die jüngsten Erklärungen Käßmanns zu Äußerungen in Predigten und Interviews der vergangenen Tage. Sie widersprach in mehreren Stellungnahmen vehement dem Eindruck, sie habe den Afghanistan-Einsatz für schlecht befunden und lasse die deutschen Soldaten im Auslandseinsatz im Stich. Sie habe mehr Phantasie für den Frieden verlangt, betonte sie.
Nicht in ihrer Neujahrspredigt, aber in einem Interview zu Weihnachten hatte sie allerdings auch gesagt: "Auch nach den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland ist dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen." Käßmann hatte sich auch für einen möglichst schnellen Abzug der Bundeswehr eingesetzt. Ihre Bemerkungen waren von zahlreichen Seiten gerügt worden. Kritik kam auch vom Bundeswehrverband, der ihr vorwarf, für Frustration unter den Soldaten zu sorgen.
"Entscheidender Fehler"
Westerwelle sagte in Berlin, er begrüße, dass Käßmann die zivile Perspektive des Einsatzes unterstreiche. "Das entspricht genau unserem Ansatz." Es sei ein "entscheidender Fehler", die Afghanistan-Politik auf Truppenstärken und militärische Strategien zu reduzieren. Westerwelle betonte, dass auch er seit seinem Amtsantritt von der Notwendigkeit einer Abzugsperspektive spreche. "Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass wir mit der partiellen Übergabe der Verantwortung in diesem Jahr beginnen sollten", fügte er hinzu. Er kündigte auch an, noch vor der Afghanistan-Konferenz Ende Januar das Gespräch mit den Bundestagsfraktionen für eine gemeinsame Haltung suchen.
Deutschland ist derzeit mit bis zu 4500 Soldaten in dem Land am Hindukusch engagiert. In London soll auch über die Frage zusätzlicher Soldaten diskutiert werden.
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(SZ vom 05.01.2010/höl, ble/sukl)
Youtube-Hit aus USA
"Entschieden wird woanders. Es wäre gut, wenn Frau Käßmann das auch weiss, anstatt die Laterne der Moral vor sich her zu tragen."
Man soll den Artikel nicht als Aufhänger für bloses Kirchenbashing ausnutzen. Und Käßman hat wie jeder andere Mensch das Recht seine Meinung öffentlich kund zu tun. Und sie tut dies sogar noch recht moderat und vorsichtig. Aber deutlich und unmißverständlich. Das hat heute inzwischen leider Seltenheitswert.
Und nun zu Ihrem obigen Zitat. Entschieden wird woanders, aber eine prominente einflußreiche Person in der öffentlichen Wahrnehung kann sicher auch öffentliche Meinung und indirekt auch Politik beeinflussen. Und die Laterne der Moral wird von Käßman gar nicht getragen. Mit der moralische Keule arbeitet eher die Gegenseite in diesem Disput. Wenn statt Argumenten nur Unterstellungen kommen wie "Käßmann lässt unsere Soldaten im Stich" und ähnlicher ehrenrühriger Blödsinn, dann nur um die Ehre in Frage zu stellen und so Käßman mundtot zu machen.
Sowas klappt immer. Kritiker sind so schnell mit patriotischen Hirnlos-Parolen niedergebügelt. Wer nicht unvoreingenommen für uns ist, ist automatisch gegen uns.
Und so hat auch Käßman ihre Sprache geändert und fordert "Mehr Phantasie für den Frieden". So ist es brav. Lektion gelernt, Frau Käßmann. Die ließ sich aber schnell Weichspülen.
"Kritik kam auch vom Bundeswehrverband, der ihr vorwarf, für Frustration unter den Soldaten zu sorgen."
Ein weiterer Beleg dafür, daß in unserem Militär Demokratie und Meinungsfreiheit zwei große Unbekannte sind.
"05.01.2010 15:50:57
rick.sander: Das wäre das erste Mal
daß eine der Kirchen einen Krieg für nicht gerechtfertigt hält.
Bisher haben sie immer nur die Waffen gesegnet.(Die von der anderen Seite übrigens auch)"
Auch Soldaten wurden gesegnet. Waffen selbst segnen die Kirchen in Deutschland schon lange nicht mehr. Das kommt nämlich medial und zeitgeistmäßig nicht mehr so toll rüber wie früher. Man ist ja ganz peaceful und lovingly geworden. Lieber segnet man in der sog. Militärseelsorge (die übrigens von allen Steuerzahler berappt wird und nur den Kirchen pekuniär zugute kommt) persönlich und im Stillen Soldaten auf Wunsch. Das hat doch schon wieder einen ganz anderen menschelnden Touch, gell?
Darf man übrigens zu Soldaten potentielle Mörder in der SZ sagen, oder kommt da die vaterländische Gedankenpolizei und tritt auf den Meinungsverbiet-Petz-Button?
"Während die Regierung verschnupft auf die Äußerungen der Bischöfin reagiert, stellt sich der Außenminister hinter sie. Sie selbst fühlt sich missverstanden."
Hallo SZ, der Aussenminister ist Teil der Regierung. Es ist ganz schön peinlich für die SZ, wie das Niveau sinkt. Ihr preist Euch in der Werbung als Qualitätszeitung an, da kann man ja nur noch lachen.
daß eine der Kirchen einen Krieg für nicht gerechtfertigt hält.
Bisher haben sie immer nur die Waffen gesegnet.(Die von der anderen Seite übrigens auch)
Paging