Familienministerin beendet Baby-Pause Schröder verlässt den Schonraum

Kristina Schröder ist zurück aus der Baby-Pause - und versucht sofort ihre Widersacher ruhigzustellen. Künftig will sich die Familienministerin stärker um Väter und kinderlose Paare kümmern. Zu ihrem Privatleben äußert sie sich nur knapp, aber deutlich.

Von Hannah Beitzer und Wolfgang Janisch

Das Private von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bleibt privat. Dabei war die Neugier groß: Immerhin hatte sie vor zehn Wochen eine Tochter zur Welt gebracht - als erste Ministerin, die während ihrer Amtszeit schwanger wurde. Doch die 34-Jährige, die am Mittwoch offiziell ihre Babypause beendete und in Berlin den "Monitor Familienleben 2011" des Allensbach-Instituts präsentierte, machte bei dieser Gelegenheit klar: "Ich werde meine Familie nicht ins Schaufenster stellen."

Nun muss sie erst einmal die Deutungshoheit über ihr Ressort zurückerobern, denn in ihrer Abwesenheit äußerten sich einige Parteifreunde zu Schröders Themen. Etwa Fraktionschef Volker Kauder: Er wollte das Elterngeld auf den Prüfstand stellen und erhielt sogar Rückenwind vom Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen. Denn das hatte Zweifel, ob die Partnermonate verfassungsgemäß seien, weil die Regelung zu sehr in die innere Aufgabenverteilung der Familien eingreife.

Das Bundesverfassungsgericht wies die Vorlage jedoch am Mittwoch zurück. Denn das LSG habe zum Beispiel nicht geprüft, ob die "Vätermonate" gesellschaftliche Vorurteile in der Arbeitswelt abbauen können. In der Begründung ließen die Karlsruher Richter zudem anklingen, dass sie keine Anhaltspunkte für eine Verfassungswidrigkeit sehen: Der Anteil der Väter, die Elterngeld bezögen, sei binnen zwei Jahren deutlich gestiegen; dies spreche dagegen, dass die Regeln evident ungeeignet seien, die vom Grundgesetz geforderte Gleichberechtigung voranzubringen.

Mehr und mehr ein Männerthema

Auch Schröder bekräftigte nun: "Am Elterngeld wird nicht gerüttelt." Es ermögliche einen Schonraum für Eltern. Und die aktuelle Allensbach-Studie zeigte, dass es in der großen Mehrheit der Bevölkerung anerkannt sei. Schröder betonte außerdem, dass sie an ihrem Konzept einer flexiblen Frauenquote festhalte: Demnach sollen sich die Unternehmen erst mal selbst eine Quote vorschreiben.

Doch Schröder will sich nicht nur um die Frauen kümmern. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird mehr und mehr ein Männerthema", sagte sie. Die Allensbach-Studie zeige etwa, dass der Job Vätern die größten Probleme bereite - sie wünschen sich weniger Überstunden und flexiblere Arbeitszeiten. Ziel ist eine Politik, die Familie schätze, aber nicht ein bestimmtes Familienkonzept privilegiere. "Es gibt nicht die eine ideale Familie, deswegen sollten wir aufhören, die verschiedenen Modelle gegeneinander auszuspielen." Außerdem plant sie die Einführung des umstrittenen Betreuungsgeldes. Es "soll die Möglichkeit eröffnen, zu Hause zu bleiben und den Schonraum nach der Geburt auszuweiten." Gerade werde am Konzept gefeilt: "Die Tücke liegt beim Betreuungsgeld im Detail", sagte Schröder.

Und die Ministerin hat noch ein Thema gefunden, das sie mit einiger Emotionalität auflädt: die künstliche Befruchtung. "Es gibt kaum ein Thema, zu dem ich bewegendere Briefe kriege", sagte sie und berichtete von Paaren, die jahrelang auf eine künstliche Befruchtung sparen. "Ich werde für diese Paare kämpfen."

Zuerst einmal aber muss sie nun ihre Widersacher ruhigstellen. Ihr größtes Handicap hat sie ja inzwischen überwunden. "Mich haben immer die genervt, die mit leicht überlegenem Blick gesagt haben: Wenn man keine Kinder hat, kann man die Bedürfnisse von Familien nicht kennen." Den Schonraum nach der Geburt ihrer Tochter hat sie selbst jedenfalls, das wurde am Mittwoch deutlich, längst verlassen.