Medwedjew ist nicht der erste russische Präsident, der seine Regierungsfähigkeit durch einen Krieg unter Beweis stellt. Putin zog dank des Tschetschenienfeldzugs überhaupt erst in den Kreml ein. Medwedjew, der Jurist, der Ex-Manager, der Internet-Junkie, hat den Russen ein Märchenreich aus Rechtsstaatlichkeit und unbestechlichen Beamten versprochen.

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Aber nun widmet auch er sich vordringlicheren Zielen und demonstriert Unnachgiebigkeit gegenüber dem Westen. Dass seine Sympathiewerte in Umfragen von dem Konflikt überraschend wenig profitieren und seit Juli nur von 70 auf 73 Prozent gestiegen sind, mag damit zusammenhängen, dass ohnehin schon ein gewisser Sättigungsgrad erreicht war - oder dass viele Russen doch weiter sehen als der Kreml und die Folgen fürchten.

Moskau empfiehlt sich als neuer Weltpolizist jenseits von Amerika, als Schutzmacht kleiner Völker. Aber dieser Lesart misstrauen selbst befreundete Nachbarländer, die ängstlich ihre russische Bevölkerung zählen, weil Russland - wie in Georgien - einen Vorwand für eine Militäraktion finden könnte. Saakaschwili habe sich des versuchten Völkermordes schuldig gemacht und damit sein Recht auf Abchasien und Südossetien verwirkt, hat Medwedjew gesagt.

Aber auch Inguscheten, Tschetschenen und andere der ungezählten Kaukasusvölker sind nach eigenem Empfinden Opfer von Völkermorden, und manchmal saßen die Täter nebenan, manchmal aber im Kreml. Die Erschütterungen der Entscheidung Medwedjews reichen über den Atlantik, aber an Russlands unruhiger Flanke können sie einen Erdrutsch auslösen.

Moskau will der Weltgemeinschaft seine Regeln diktieren, aber das wird Russland für alles Gas und Öl der Welt kaum gelingen. Stattdessen hat es sich in eine Sackgasse manövriert, in der bereits Kompromisse wie Niederlagen wirken. Aber den Weg hinaus muss Moskau alleine finden.

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(SZ vom 27.08.2008/aho)