Krise in Mali Warum Hollande einen Alleingang macht

Einsame Entscheidung: Frankreichs Präsident François Hollande hat sich für einen Militäreinsatz in Mali entschieden - ohne Abstimmung mit der internationalen Gemeinschaft.

(Foto: dpa)

Die internationale Gemeinschaft hat zu lange gezaudert: Die Islamisten in Mali haben versucht, ihre Macht mit Gewalt auszuweiten. Doch vom Westen kam erst keine Intervention - bis der französische Präsident Hollande Soldaten losschickte. Eine Entscheidung zwischen Mut und Zumutung.

Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Schon einmal in allerjüngster Vergangenheit hat Frankreich eine Intervention in Afrika relativ eigenwillig vorangetrieben, damals am 19. März 2011, als eine internationale Militärkoalition eine Flugverbotszone in Libyen durchsetzte. Ohne den Druck des damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy wäre es zu dem Einsatz nicht gekommen. Ohne die Hilfe der USA wäre er nicht erfolgreich zu Ende geführt worden.

Nun hat Sarkozys Nachfolger François Hollande seinen Krieg in Afrika begonnen. Und auch wenn die Mission in Mali in ihrer Dimension bei weitem nicht mit Libyen zu vergleichen sein wird: Wieder wird es die Hilfe anderer brauchen, um die französischen Ziele zu erreichen.

Hollande begeht also zunächst eine bündnispolitische Zumutung, wenn er voranprescht und erwartet, dass andere - wieder die USA, vielleicht auch Deutschland - mit Waffen, Logistik, Aufklärung und vielleicht auf kampfbereiten Soldaten zur Seite stehen. Ganz sicher ist er auf die Unterstützung afrikanischer Staaten angewiesen.

Niger hat als erstes reagiert und 500 Mann geschickt. Frankreich ist also ein schwieriger Kantonist, der seine Bündnispartner geradezu in die Pflicht zwingt. Aber: In der Sache hat Hollande recht - und so hat er zumindest für das richtige Ziel den richtigen Mut aufgebracht. Die Islamisten, die den Norden Malis besetzt halten, hatten sich aufgemacht in den Süden. Strategisch wichtige Orte waren bereits gefallen. Das Land wankte.

Vielleicht sind Bündnisse zu zäh und entscheidungsunfreudig - deswegen war Hollandes eigensinnige Entscheidung richtig. Der Vormarsch ist zunächst gestoppt. Nun beginnt aber der schwierigste Teil der Operation:

  • Wie lassen sich die Islamisten aus dem Norden Malis vertreiben, ohne dass die Nachbarstaaten durch den Konflikt infiziert werden?
  • Wie lassen sich Franzosen schützen, die nun dem Terror ausgesetzt sind?
  • Wie überhaupt soll sich der Westen bei diesen Bedrohungen durch Fundamentalisten verhalten?

Hollandes Botschaft ist zunächst simpel: Hier musste gehandelt werden. Und wer zu lange zaudert, der zahlt einen noch höheren Preis.

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