Krise in Italien Streit um Spitzengehälter für römische Friseure

Italiens Parlamentarier haben teure Friseure zu ihrer Verfügung.

(Foto: Getty Images)

Die Gehälter der italienischen Parlamentsfriseure sollen drastisch gekürzt werden. Aber selbst dann können sie noch bis zu 99 000 Euro im Jahr verdienen. Das empört die Italiener. Dabei ist es doch schön, wenn Friseure auch mal ein ordentliches Gehalt bekommen. Nur sollten das die Richtigen zahlen.

Von Barbara Galaktionow

Mit einem hohen Einkommen können die meisten Friseure nicht rechnen. In Deutschland kommt das Handwerk regelmäßig in Berichten mit Überschriften wie "Rauer Umgangston, mieses Gehalt" vor oder findet sich auf Listen wie den "Zehn am miesesten bezahlten Berufen" wieder.

Auch in Italien ist gerade eine Debatte um Friseurgehälter entbrannt. Es geht um Kürzungen, von mieser Bezahlung kann allerdings nicht die Rede sein. Die Gehälter der hauseigenen Barbiere im Parlament in Rom sollen nämlich reduziert werden, wie verschiedene italienische Medien melden - um bis zu 37 000 Euro pro Jahr. Das ist drastisch. Kaum waren die Pläne bekannt, kam es in Parlamentsgebäude zu Protesten und die die Gewerkschaften kündigten Widerstand an, schreibt die Berliner Zeitung.

Zwei, die sich verstehen

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Doch auch nach den Kürzungen sollen die Parlamentsfriseure - je nach Alter und Dienstzeit - noch bis zu 99 000 Euro pro Jahr erhalten, also im Monat bestenfalls 8250 Euro. Das erscheint vielen Italienern immer noch weitaus mehr als angemessen. "Sogar die neuen Zahlen machen einen schwindlig", zitiert die britische BBC aus italienischen Medien. Denn ein normaler angestellter Friseur erhält in Italien der Berliner Zeitung zufolge nach Tarif etwa 1200 Euro brutto im Monat.

Aufs Jahr gerechnet sind das 14 400 Euro. Die 99 000 Euro für die Friseure seien ein Zeichen, dass bei den Kürzungen der Gehälter von Parlamentsbediensteten "ungerechtfertigte Privilegien" bestehen blieben, sagte beispielsweise der Pressesprecher der Gewerkschaft FLP im englischsprachigen Italien-Blatt The Local.

Dabei geht es um mehr als nur ein paar Friseure. Es geht um den üppigen Verdienst von Hunderten Mitarbeitern des Parlaments in Rom. Um das Einkommen der Saaldiener, Techniker, Sekretärinnen, aber auch der Berater, die die Spitzenverdiener unter den Parlamentsbediensteten sind. Sie alle werden wohl deutliche Kürzungen hinnehmen müssen, stehen damit jedoch noch immer noch besser da als italienische Durchschnittsverdiener, von den vielen befristet Beschäftigten, den Scheinselbständigen oder Arbeitslosen in Italien gar nicht zu reden (mehr als 40 Prozent der jungen Italiener sind ohne Job).

Satte Vergütung durch den Steuerzahler

Denn die Lage Italiens ist desolat, die Wirtschaft liegt am Boden, der Staat ist gelähmt, die Bürokratie enorm. Der noch junge Premier Matteo Renzi steht unter Druck, dem Land endlich den Auftrieb zu verschaffen, den sich die Italiener von ihm versprochen hatten. Die Einsparungen im Parlament sind Teil seiner Reformbemühungen. An die Bezüge der Parlamentarier selbst rührt Renzi allerdings bislang nicht. Die zählen zu den bestbezahlten Europas und verfügen zudem über zahlreiche weitere Privilegien, was immer wieder für Unmut in der Bevölkerung sorgt.

Die öffentliche Empörung über die satte Friseur-Bezahlung ist, so gesehen, auch Teil der Kritik am üppigen Vergünstigungssystem für die Abgeordneten. Denn die Italiener könnten es den Haarschneidern unter Umständen ja auch gönnen, ordentlich bezahlt zu werden, mal aus dem Rahmen der "Zehn unbeliebtesten Berufe" zu fallen und in exklusiver Umgebung und schicken Anzügen zu arbeiten.

Ja, womöglich könnten sie das, wenn sie nicht selbst als Steuerzahler für das Styling ihrer politischen Repräsentanten aufkommen müssten, sondern das die Parlamentarier selbst tun würden. Für die ist der In-House-Service nämlich bislang gratis.