Krise in der Eurozone Arbeitslosigkeit verdrängt europäische Gefühle

Arbeitssuchende vor einem Arbeitsamt in der spanischen Hauptstadt Madrid.

(Foto: dpa)

Noch nie hatten so viele junge Leute so wenig Perspektive - zwölf Prozent der Menschen in der Eurozone sind arbeitslos. Deutschland verdankt seine gute Beschäftigung dagegen auch der Schwäche der Krisenstaaten. Das spiegelt einen brutalen Angleichungsprozess zutiefst unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme wider.

Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Wenn die Zahlen nicht so deprimierend wären, könnte man es als Erfolg verbuchen, dass es inzwischen eine europäische Arbeitslosenstatistik gibt, die überall auf dem Kontinent akribisch studiert wird. Die wichtigste Botschaft dieser Statistik sind aber die Zahlen, und die lassen keinen Platz für große europäische Gefühle: Noch nie waren so viele Menschen ohne Arbeit, noch nie mussten so viele junge Leute mit so wenig Perspektive klar kommen.

Die Krise hat gelehrt, dass im gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraum alles mit allem zusammenhängt. Deswegen müssen die 26 Prozent Arbeitslose in Griechenland und Spanien auch hierzulande schmerzen.

Umgekehrt verdanken die Deutschen ihre gute Beschäftigungssituation auch der Schwäche der Krisenstaaten. Das Zauberwort heißt Wettbewerbsfähigkeit. Nur wenn die vergleichbar stark ist in den Staaten Europas, werden die ökonomischen Ungleichgewichte ins Lot kommen.

In der Theorie klingt das alles ganz einfach. In der Praxis aber spiegeln die Zahlen einen brutalen und schmerzhaften Angleichungsprozess zutiefst unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme wider.

Ist das der Preis für die Einheit Europas? Zwölf Prozent in der Eurozone sind ohne Arbeit, sie würden ihn lieber nicht entrichten. Mindestens diese zwölf Prozent haben eine andere Botschaft: Kriegt die Krise endlich in den Griff!