Krise in Ägypten Mursi-Anhänger rufen zu neuen Protesten auf

Mursi-Anhänger in einem Protestcamp am Rabaa al-Adawija-Platz in Kairo

(Foto: REUTERS)

Angespannte Stimmung in Ägypten: Die Anhänger des entmachteten Präsidenten Mursi harren in ihren Protestcamps aus und organisieren neue Demonstrationen in Kairo. Nun will Großimam al-Tajjeb vermitteln.

Die Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi haben für diesen Sonntag zu neuen Protesten in der ägyptischen Hauptstadt Kairo aufgerufen. Zehn Demonstrationszüge sollen aus verschiedenen Teilen der Stadt starten, "um die Legitimität der Wahlen zu verteidigen", teilte die sogenannte Anti-Putsch-Allianz mit.

Die Unterstützer Mursis weigern sich nach wie vor, ihre beiden Protestlager in Kairo zu räumen. Die Übergangsregierung hatte damit gedroht, die Versammlungen nach den Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan am Sonntagabend gewaltsam aufzulösen.

Unterdessen kündigte Großimam Ahmed al-Tajjeb von der Kairoer Al-Ashar-Universität an, sich als Vermittler einzuschalten. Er rief am Sonntag zur nationalen Versöhnung auf. Für Montag habe er Vertreter der verfeindeten Lager eingeladen, um mit ihnen einen Kompromiss auszuhandeln, zitierten ihn staatliche Medien.

Die Al-Ashar-Universität gilt Sunniten in aller Welt als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Muslimbrüder einem von al-Tajjeb ausgehandelten Kompromiss zustimmen, da dieser das Vorgehen der Streitkräfte befürwortete, die am 3. Juli zur Mursi entmachtet hatten.

Die Übergangsregierung hatte die Bemühungen westlicher und arabischer Diplomaten um Vermittlung zwischen den Konfliktparteien am Mittwoch für gescheitert erklärt. Seit dem vom Militär herbeigeführten Sturz Mursis sind bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und Islamisten mehr als 250 Menschen getötet worden. Mursi und mehrere ranghohe Vertreter der Muslimbruderschaft werden nach wie vor an geheimen Orten festgehalten.