Kriminalität in Bayern Sicherheitsrisiko Schnaps

Die Kriminalität in Bayern sinkt, aber die Delikte unter Alkoholeinfluss nehmen zu. Deshalb will Innenminister Herrmann den Alkoholverkauf einschränken. Biertrinker müssen sich aber keine Sorgen machen.

Joachim Hermann (CSU) zeigt sich zufrieden. Die Kriminalitätsrate in Bayern ist zurückgegangen, wie schon seit vielen Jahren und deshalb ist es, wie schon seit vielen Jahren ein durchaus angenehmer Termin für Bayerns Innenminister, wenn er die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik präsentiert. "Bayern ist und bleibt das sicherste Bundsland." Das ist das Fazit des Innenministers.

Doch wie in jedem Jahr gibt es ein "aber". Diesmal macht Bayerns Mann für die Sicherheit sein Unbehagen am Alkohol fest. Denn die Kriminalität ist nicht in allen Bereichen zurückgegangen. Besonders stark war der Anstieg bei Delikten, bei denen Alkohol im Spiel war. 2009 war das bei 16 Prozent aller Straftaten der Fall. Bei Gewaltverbrechen liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent. Das ist ein Anstieg um 3,7 Prozent. "Diese Fakten belegen eindeutig, dass Alkohol der Aggressionsverstärker Nummer eins ist", folgert Herrmann.

Um dem entgegenzusteuern, denkt er über ein nächtliches Schnapsverbot nach. Vorbild soll, so der Innenminister, die Verordnung in Baden-Württemberg sein. Dort ist seit dem 1. März der Verkauf von Alkohol nach 22 Uhr in der Öffentlichkeit verboten. So weit will der Innenminister dann aber doch nicht gehen. Herrmann beschränkt seine Forderungen auf den Branntwein.

Weiter Sorgen bereitet dem Innenminister die Gewaltkriminalität. Die ist zwar rückläufig, dennoch muss auch Hermann eingestehen, dass es im Freistaat zu einigen "aufsehenerregenden Fälle exzessiver Gewalt" gekommen ist.

Vor allem Schlägereien in S- und U-Bahnen machten 2009 Schlagzeilen. Hermann fordert deshalb eine flächendeckende Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen.

Einen gewaltigen Sprung nach oben in der Statistik macht der Betrug mit manipulierten Geldautomaten und ausgespäten Bankdaten. Hier hat sich der Wert in nur fünf Jahren verzehnfacht.

Insgesamt sind laut dem Bericht 635.074 Straftaten in Bayern registriert worden. Das ist der niedrigste Wert seit 1992. Auf 100.000 Einwohner kommen 5073 Delikte. Seit 2004 werden kontinuierlich weniger Straftaten registriert.

Stolz ist Herrmann auch auf die hohe Aufklärungsquote in Bayern. Bei etwa zwei Drittel aller Straftaten würde der Täter ermittelt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist weniger begeistert. Der bayerische BDK-Landeschef Hans Wengenmeir nennt den Bericht "nur sehr bedingt als Qualitätsnachweis für die Kriminalitätsbekämpfung tauglich." Nach Meinung des BDK würden die Zahlen den Personalmangel der bayerischen Polizei verharmlosen.