Krim-Krise Derzeit kein Militäreinsatz nötig

Doch lieber als über den ukrainischen Ex-Präsidenten, der jetzt in Russland festsitzt, möchte Wladimir Putin über die neue Regierung in Kiew reden. Der Umsturz sei ja wirklich sehr gut vorbereitet gewesen, sagt er spitz. "Da haben die westlichen Instrukteure ganze Arbeit geleistet." Dennoch sehe er derzeit keine Notwendigkeit, Truppen in die Ukraine zu schicken. Mit Betonung auf "derzeit". "Wenn wir sehen, dass im Osten und Süden der Umsturz ethnische Russen gefährdet, werden wir ihnen helfen", sagt er. "Das ist absolut legal."

Legal ist es das bestenfalls nach russischem Recht, das einen solchen Einsatz zum Schutz von Russen im Ausland tatsächlich vorsieht. Experten hingegen meinen, er verstoße bereits jetzt auf der Krim klar gegen das Völkerrecht.

Zuletzt hatten ukrainische Medien, aber auch westliche Reporter immer wieder von russischen Soldaten berichtet, die auf der Halbinsel faktisch die Kontrolle übernommen hätten. Putin winkt ab. Diese Soldaten "ohne Kennzeichen" seien keine Russen, sagt Putin, sondern: "einheimische Selbstverteidiger". Uniformen gäbe es schließlich in jedem Laden zu kaufen. Russland soll gegen das Völkerrecht verstoßen haben? Das weist mir erst mal nach! So in etwa ist die Botschaft des Präsidenten.

Wer nun wichtig wird

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USA behandeln die Ukraine wie eine Laborratte

Hinter der Kritik aus dem Westen vermutet er einen altbekannten Feind: die USA. "Unsere Partner formulieren ihre Interessen immer sehr klar und deutlich", sagt der russische Präsident spitz. "Und dann schleppen sie die ganze restliche Welt hinter sich her, und wer nicht folgt - auf den zeigen sie mit dem Finger." Auf ihn wirkten die USA, als behandelten sie die Ukrainer wie Laborratten, an denen sie politische Experimente durchführten - ohne Rücksicht auf die Menschen. Zu den Sanktionen, mit dem der Westen seinem Land immer offener droht, sagt er: "Wer Sanktionen einführt, muss ihre Folgen bedenken. Sie werden beiden Seiten schaden."

Er wirkt fast trotzig, als Wladimir Putin erklärt, sein Land bereite sich selbstverständlich weiter auf den Gipfel der G 8 in Sotschi vor. "Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun", sagt Putin. Zuvor hatten die sieben führenden Industrienationen der Welt (G 7) alle Vorbereitungstreffen für den G-8-Gipfel mit Russland im Juni ausgesetzt.

Wladimir Putin, das wird überdeutlich, lebt tatsächlich in einer anderen Welt als seine politischen Gegenpole im Westen. Doch diese Welt folgt ebenso ihrer eigenen Logik wie es auch die des Westens tut. Was davon nun die vielbeschworene Realität ist, ist reine Interpretationssache. Dieser Eindruck bleibt von der Pressekonferenz.

Putin ist jedenfalls entschlossen, dass die Ukraine Teil seiner Welt bleibt und nicht in Richtung Europa verschwindet. Er will den Kampf um das Nachbarland nicht aufgeben. Und der ist, so zeigen es nicht zuletzt die Geschehnisse auf der Krim, alles andere als entschieden.