Enver Robelli ist Balkan-Korrespondent der SZ. Mit sueddeutsche.de sprach er über die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers, die Spekulationen um die Fluchtverstecke Karadžićs und was Serbien nun von der EU erhofft.
Die Umstände von Radovan Karadžićs Verhaftung sind unklar. Sein Anwalt behauptet, er sei schon am Freitag in einem Linienbus verfhaftet worden. Polizisten hätten ihm eine Kappe über den Kopf gezogen und ihn entführt. Das serbische Präsidialamt sagt hingegen: Karadžić sei am Montagabend verhaftet worden. Die Polizei sagt, sie habe nichts mit der Festnahme zu tun. Dazu muss man wissen: Die Polizei untersteht dem Innenministerium und dieses wird von einem Sozialisten geleitet. Die Sozialisten sind die frühere Partei Slobodan Miloševićs, in der die serbischen Nationalisten zu Hause sind.
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Eine Nachrichtenagentur meldet, dass die Geheimdienste an der Verhaftung Karadzics beteiligt gewesen sind. Das wäre insofern plausibel, als es seit dem Regierungswechsel vor wenigen Wochen einen neuen Geheimdienst-Chef gibt, einen Vertrauten des pro-westlichen Präsidenten Boris Tadic. Dem bisherigen Geheimdienst-Chef Rade Bulatovic wurde vorgeworfen, Karadžić auf seiner Flucht zu unterstützen.
Karadžić war vermutlich die meiste Zeit in der Region, zuletzt wurde er im Länderdreieck Serbien, Bosnien und Montenegro vermutet. Er unterhielt enge Beziehungen zur orthodoxen Kirche, weswegen es für möglich gehalten wurde, dass er in einem Kloster gelebt hat. So hieß es unter anderem, dass er im Mönchsgewand an der Beerdigung seiner Mutter teilgenommen habe. Wieder andere Gerüchte besagen, er habe sich im einem schwer zugänglichen Kloster in der griechischen Mönchsrepublik Athos aufgehalten. Da ihm auch enge Beziehungen zur rechtsgerichteten russischen Intelligenzija nachgesagt werden, wurde auch eine Zuflucht in Russland nicht ausgeschlossen.
Für Serbien ist die Festnahme Karadžićs ein großer Erfolg. Serbien will in die EU und ist unter der neuen Regierung zur Erkenntnis gelangt, dass man ohne die Verhaftung von Leuten wie Karadžić und dem früheren Armeechef Ratko Mladic keinen Schritt weiterkommt. Bislang hatte der politische Wille dazu gefehlt. Die Abspaltung des Kosovo zu Jahresbeginn hatte in der damaligen nationalistischen Regierung unter Ministerpräsident Kostunica eine Trotzreaktion hervorgerufen: "Wir geben Karadzic nicht her." Die Festnahme ist ein mutiger Schritt und zeigt die Entschlossenheit des Staates, auch Massenmörder zu verhaften.
Bevor sich Serbien nun der Suche nach Ratko Mladić widmet, muss es erst die Causa Karadžić abhandeln. Dieses Kapitel hat bislang die Zukunft des Landes blockiert. Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob die Festnahme Karadzics zu einer Vergangenheitsbewältigung führt. Das ist wohl eine Aufgabe für mehrere Generationen.
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(sueddeutsche.de/cat)
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Hanns0815, nicht ganz unwahr was Sie da sagen, nur leider blenden sie völlig aus was dem alles vorangegangen war, wie z.B. die Aberkennung des Autonomiestatus des Kosovos durch Milosevic, Verbot der Albanischen Sprache, Schliessung von albanischen/Kosovarischen Schulen, Universitäten usw. und Einsetzen massiver Repressalien und Polizeieinsätzen mit hunderten Verschleppten und Verschwundenen.
Dann die Agressionskriege gegen Slovenien, Kroatien und Bosnien mit hunderttausenden Opfern, gigantischen Schäden und Verwüstungen usw.
Für den Verlust des Kosovos, der Kriege in Kroatien und Bosnien und die NATO Bombardierung sind die Serben ganz alleine selbst schuld, oder hätte man 1999 wie zuvor 1995 in Srebrenica tatenlos wieder zusehen sollen wie die serbische Soldateska Abertausende unschuldige Zivilisten abschlachtet?, denn auch so starben tausende Zivilisten im Kosovo auf Grund der Polizei- und Militäreinsätze der Serben oder verhungerten oder erfrohren im Winter bei der Flucht in den Bergen.
Hallo,
Was wird das, eine neue Dolchstoßlegende? Jeder weiß doch, dass von einem Neuaufbau Serbiens vor allem westliche Firmen profitieren würden, diese sind bestens vernetzt, auch in Brüssel. Demgemäß wäre es auf jeden Fall (!) im Sinne Wirtschaftseuropas, Serbien so schnell als möglich zu öffnen. Jetzt zu behaupten, Europa wolle Serbiens Zukunft ruinieren, ist demgemäß einfach Unsinn.
Wenn Du das nicht glaubst, kannst Du gerne einen Vergleich der letzten Beitrittsländer zur EU vorher-nachher anstellen. Es reicht schon, wennn Du nach Aldi oder Metro Ausschau hälst.
Gruß,
Hardy
politisch mehr als überkorrekte Angelika Beer, das Grünen EU-Parlamenmtsmitglied, beschrieb die Veränderungen im Kosovo damit, daß nun die Unterwelt vom Westen diplomatisch als Oberwelt anerkannt worden sei - was Karadicz in Den Haag wohl aussagen wird, wenn er denn nicht vorher noch unvermutet stirbt?
wieso kümmern Sie sich nicht mal um Ihre Kriegsverbrecher und Terroristen, z.B. Thaci???
Aber klar, wenn man darauf hinweist, dass aus Deutschland die Zukunft Serbiens ja durch Bombenhagel gefördert wurde, dann ist das eben ein Verstoß gegen die Netikette.
Tatsachen dürfen hier eben nur verdreht, aber nicht genannt werden. Und beim Verdrehen von Tatsachen ist der Albanerfunktionär Robelli vorn dabei, wenn er vergisst, dass die EU und die Nato Serbiens Zukunft ruinieren wollen. Sie haben erst bombardiert, dann einen Teil des Landes abgeschnitten und schließlich auch noch sanktioniert. Ich habe Verständnis für jeden Serben, der sich das nicht gefallen lässt.
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