Kriegsschiffe vor Australien Russland schadet sich selbst

Archivbild des russischen Zerstörers Marschall Schaposchnikow

(Foto: AFP)

Jagdbomber fliegen über der Ostsee, Kriegsschiffe kreuzen vor der Küste Australiens: Russland lässt die Muskeln spielen. Das verstößt nicht gegen internationales Recht, aber gegen die eigenen Interessen.

Von Frank Nienhuysen

Politik besteht oft aus Symbolik, aber Symbolik kostet manchmal auch viel Geld. Die Sowjetunion hat dies leidvoll erfahren müssen, als sie nach Jahrzehnten ausgedehnten Raketenstapelns in Ost und West zwar nicht nur, aber doch auch unter ihrer wirtschaftlichen Schwäche zusammenbrach. Die Folge war bitter für den russischen Großmachtstolz: U-Boote konnten nur noch selten auslaufen, Flugzeuge kaum mehr fliegen - Russland war manövrierunfähig. Diese Schmach ist vorbei. Russland übt sich in militärischer Omnipräsenz. Das Land zeigt wieder, was es hat.

Russische Langstreckenbomber sollen wieder bis an die Grenzen Nordamerikas fliegen, die Luftwaffe kreuzt mehr denn je in postsowjetischen Zeiten durch Europas Lüfte, und russische Kriegsschiffe hinterlassen rechtzeitig vor dem G-20-Gipfel am Wochenende in Brisbane schöne Grüße an alle Teilnehmer: Seht nur her, wir sind wieder da. Kriegsschiffe und Fliegerstaffeln zu symbolischen Machtspielchen in Marsch zu setzen, verstößt zwar nicht gegen internationales Recht, solange niemandes Luftraum oder Gewässer durchschnitten wird. Und doch gilt: Cui bono - wem nützt es? Russland jedenfalls nicht.

Es war der Westen, den Michail Gorbatschow vor wenigen Tagen vor einem Rückfall in den Kalten Krieg warnte. Aber Russland fühlt sich offenbar stark genug, um mitzumachen beim Wettkampf um Einflusszonen, bei Machtdemonstrationen aller Art. Der Schein allerdings trügt, denn am Ende dürfte vieles wieder eine Frage des Geldes sein. Geld, das merklich schwindet. Der fallende Ölpreis, die Sanktionen des Westens, das aus dem Land flüchtende Kapital, verschreckte und verdrängte Großunternehmen: Russland spürt gerade mit Wucht seine wirtschaftliche Verwundbarkeit und zeigt sich doch kaum bereit, seine Schlüsse daraus zu ziehen.

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Asien kann Europa nicht ersetzen

Moskau müsste nun eigentlich verstärkt um Investoren werben, statt sie fernzuhalten, eine neue Kraftprobe mit dem Westen vermeiden, statt sie eingehen zu wollen. Denn trotz aller Pakte und Bande mit China, die derzeit demonstrativ zelebriert werden, trotz der Röhren, die zwischen beiden Mächten in den nächsten Jahren verschweißt werden sollen - Asien kann Europa als Markt so schnell nicht ersetzen.

Und es muss dies auch gar nicht. Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew hat selber gesagt, er wolle zu "normalen, besseren Beziehungen" mit dem Westen zurückkehren und fordert dazu ein Ende der Sanktionen. Daraus spricht offenbar die Erkenntnis, dass Russland ein Kräftemessen nicht gewinnen kann. Und es kann dem auch entgehen. Der Schlüssel dazu liegt in Moskau selber.

Sollte Russland wirklich helfen, das Minsker Friedensabkommen für die Ukraine umzusetzen, seine Hilfe für die Separatisten zu beenden, würden vor allem die Europäer schnell über den Abbau von Sanktionen sinnieren. Die meisten von ihnen warten nur auf eine Gelegenheit. Diese Brücke aber bietet Moskau ihnen nicht. Es bezahlt lieber den Preis des Großmachtstolzes