Krieger aus dem Kaukasus "Ein Tschetschene tut, was sein Anführer befiehlt"

Männer fürs Grobe: Nahe Donezk posiert ein Kämpfer der prorussischen Einheit "Wostok", bei der Dutzende Tschetschenen mitmachen.

(Foto: Maxim Zmeyev/Reuters)

Kampferprobte Kaukasier machen derzeit in der Ostukraine auf Seiten der russischen Rebellen Karriere. Aber auch im Irak sowie in Syrien auf Seiten der Dschihadisten. Krieger wie "Omar der Tschetschene" sind gefürchtete Exportschlager des Kaukasus.

Von Florian Hassel, Donezk, und Sonja Zekri, Kairo

Sie gelten als Männer fürs Grobe, gestählt im Städtekampf, im Guerillakampf, in Jahren des Krieges gegen Russland: Tschetschenen sind heute der meistgefürchtete Exportschlager des Kaukasus. Sie töten und sterben in Syrien, im Irak, in der Ukraine. Lange war der Kaukasuskrieg ein Magnet für ausländische Kämpfer. Heute ist der Konflikt - nie wirklich befriedet, aber kaum noch beachtet -, ein Motor fremder Kriege.

Dabei könnten die Missionen der Tschetschenen im Nahen Osten und jener in der Ukraine nicht weiter auseinander liegen. Die russische Republik Tschetschenien wird seit 2004 von Ramsan Kadyrow regiert, einst Rebell gegen Russland, heute bedingungsloser Anhänger Präsident Wladimir Putins. In Syrien und im Irak haben sich tschetschenische Gotteskrieger - erbitterte Gegner des Kreml und Kadyrows - in den globalen Dschihad eingereiht.

In der Ostukraine aber kämpfen tschetschenische Kreml-Loyalisten. Aktive oder ehemalige Kämpfer von Einheiten des russischen Innenministeriums oder des Generalstabes fechten für Moskau einen Stellvertreterkrieg aus. Tschetschenen, aber auch Söldner aus den Nachbarvölkern wie Osseten oder Dagestaner mit ihrer Kampferfahrung, auch im Ausland, sind für den Kreml ideal für den mittlerweile kaum noch verdeckten Einsatz in der Ukraine.

Ende Mai paradierten die Tschetschenen erstmals in Donezk

Öffentlich tauchten die Tschetschenen dort erstmals Ende Mai auf. Da inszenierten die prorussischen Rebellen in ihrer Hochburg Donezk eine kleine Militärparade. Fünf russische Militärlastwagen fuhren am Leninplatz auf und präsentierten den Anhängern der von den Rebellen ausgerufenen "Volksrepublik Donezk" erstmals ihre stärkste Waffe: das Bataillon Wostok (Osten), unter ihnen Dutzende erprobte Kämpfer aus Tschetschenien.

Der offiziellen Vorstellung in Donezk folgte ein blutiger Kampfeinsatz. Am 27. Mai versuchte das Bataillon Wostok, den von der ukrainischen Armee kontrollierten Flughafen von Donezk für die Rebellen zu erobern.

Doch ukrainische Fallschirmspringer und Kampfflugzeuge wehrten den Angriff ab und töteten Dutzende Rebellen. Donezks Bürgermeister Anatolij Lukjantschenko sagte, etliche am Flughafen getötete oder verwundete Rebellen hätten "einen russischen Pass und kommen aus Moskau, Grosnij oder Gudermes"; die beiden letzten sind die größten Städte Tschetscheniens. Es war das erste Mal, dass die Teilnahme der Tschetschenen am Krieg in der Ostukraine offiziell bestätigt wurde.