"Erlebnis für die ganze Familie": Auf dem Gelände einer israelischen Anti-Terror-Einheit können Touristen Krieg spielen - und religiöse Siedler kämpfen lernen.
Im Feld bedeutet der Schrei, der Leben retten soll, dass gleich Menschen sterben werden. Es ist ein kurzer Schrei, kaum verständlich. Mit weit aufgerissenen Augen, das Gesicht zu einer aggressiven Maske entstellt, presst er ihn heraus. Der Puls rast, das Adrenalin regiert.
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Polizisten, radikale Siedler und manchmal auch Touristen lernen in Israel Schießen. (© Foto: Christian Salewski)
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Der Kamerad, den der Schrei warnen soll, steht neben ihm, der Feind keine acht Meter vor den beiden. Sharon Gat hebt das Sturmgewehr und feuert. Fünf Schuss. Auf die Knie. Magazinwechsel. Fünf Schuss. Die Kugeln treffen genau. Sie zerfetzen den Feind regelrecht. Dann steht Gat auf, dreht sich um und sagt milde lächelnd: "Habt ihr gesehen, so machen wir das mit den Terroristen."
Die Kinder, die am Rand des Schießstandes auf grünen Plastikstühlen hocken, pulen sich die Oropax aus den Ohren. Ein etwa zehnjähriger Junge guckt noch einmal in Richtung Feind. Die zerlöcherte Pappscheibe war ein Terrorist?
Egal, es war laut, und die Kugeln waren echt, und so wie es jetzt riecht, wie nach einem Feuerwerk, muss es auch auf dem Schlachtfeld riechen. Er wird seinen Freunden daheim in den USA viel darüber zu erzählen haben, was er im jüdischen Siedlungsblock Gush Etzion im besetzten Westjordanland erlebt hat.
Muskulöse Männer mit verspiegelten Sonnenbrillen üben hier für den Einsatz. Und manchmal beeindrucken sie Kinder, indem sie laufen und schießen und dabei schreien. Es könnte eine dieser Wildwest-Vorführungen in einem Freizeitpark sein, wären die Männer nicht Anti-Terror-Experten der israelischen Armee.
Wahrscheinlich ist der Junge zu klein, um zu verstehen, dass es bei aller demonstrativen Lässigkeit, mit der die erfahrenen Kämpfer ihre Aggressivität vorführen, kein Spiel ist, um das es hier geht, sondern bittere Realität. Dass es draußen in palästinensischen Dörfern und Städten keine Pappscheiben sind, auf die sie schießen, sondern echte Terroristen. Oder auch nur Menschen, die sie in den Momenten, in denen das Adrenalin regiert, dafür halten.
Ein "Ergebnis für die ganze Familie"
Ein leichter Wind hat den Rauch weggeweht. Sharon Gat geht rüber zu dem kleinen Tisch, auf dem sich die Waffen stapeln, greift in einen Karton und drückt neue Patronen in sein Magazin. So etwas wie eine kontrollierte Munitionsausgabe gibt es hier nicht. Jeder nimmt sich, was er braucht.
Sein Kamerad, den er eben vor dem imaginären Terroristen gewarnt hat, erklärt den fünf Kindern seine Waffe: "Die effektive Reichweite dieses Gewehrs ist 550 Meter, das ist ganz schön weit", sagt er und stemmt seine M16 nach vorne. Ein Mädchen fragt, woran man denn erkenne, wann man das Magazin wechseln muss. Gat, der mit einem Ohr hingehört hat, ruft ihr zu: "Wir können das fühlen."
Man kann den 37-Jährigen buchen, für eine "Zwei Stunden-Session vollgepackt mit Action". So steht es auf dem Flyer der "Caliber 3 Shooting Range", des "speziellen Anti-Terror-Geländes in den schönen Bergen von Gush Etzion".
Wenn man das macht, so wie der Vater des Jungen, verspricht Gat ein "Erlebnis für die ganze Familie", bei dem man lernt, "wie wir israelische Familien vor Terroristen beschützen". Den Flyer findet man etwa am Kassenhäuschen des Herodion, der Touristenattraktion südöstlich von Jerusalem.
Das Ziel: Die Leute zu Kämpfern zu machen
Trotz der Werbung verirren sich kaum Touristen hierher auf Gats Trainingsgelände, das versteckt hinter einer Hügelkuppe inmitten palästinensischer Dörfer und Felder liegt. Gat stört das nicht sonderlich. Man merkt, dass er Spaß daran hat, für Zivilisten zu schießen, aber sein Geld verdient der Reservist einer Spezialeinheit nicht damit, sondern mit Anti-Terror-Training. Zu seinen Kunden gehören Personenschützer, Polizisten und Soldaten aus Israel und aus aller Welt. "Wir trainieren hier die Leute nicht zum Spaß", sagt Gat, "sondern weil wir sie zu echten Kämpfern machen wollen". Echte Kämpfer, wie er selbst.
Sharon Gat ist siebzehn, als er sich bei einer Spezialeinheit der israelischen Armee bewirbt. Das Auswahlverfahren ist gnadenlos. Gewaltmärsche, unerbittliche Ausbilder, Kampfübungen nach tagelangem Schlafentzug. Gat gehört zu den fünf Prozent, die den Drill durchstehen. Schon während seiner vierjährigen Ausbildung in einer Anti-Terror-Einheit kämpft er im Libanon gegen die Hisbollah und im Westjordanland gegen militante Palästinenser, dient sich hoch zum Major.
Wenn man Gat nach Erlebnissen fragt, verzieht er den Mundwinkel und sagt: "Sie wissen, dass ich darüber nicht reden darf." Es dauert Stunden, bis er sich immerhin zu allgemeinen Antworten durchringt. "Unter Feuer willst du töten und am Leben bleiben", sagt er und: "Ich fühle mich nicht schlecht, weil ich getötet habe." Falls er Zweifel haben sollte, versteckt er sie gut.
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Bundespräsident Gauck in Jerusalem
www.jungewelt.de/2009/02-27/034.php
Letzter Satz des Interviews mit Frau Hecht-Galinski.
...Frau Knobloch hat eben nichts mit diesem Artikel zu tun. Vllt liegt's daran?
An alle deren Beitrag gesperrt wird,oder besser gesagt Zensiert,graemt euch nicht. Es ist nicht moeglich Kritik zu ueben,wenn es um bestimmte Personen oder ein Land geht. An meinen alten Freund,UT,ich kann dir nicht Antworten,siehe oben.
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