Krieg in Syrien tobt trotz Waffenruhe Gefechte, Sprengsätze, Heckenschützen

Von der angekündigten Waffenruhe ist im Bürgerkriegsland Syrien nichts zu spüren. Unvermindert dreht sich die Spirale der Gewalt weiter - seit Freitag starben bereits mehr als 150 Menschen.

In Syrien setzen Regierungstruppen und Rebellen ihre Kämpfe trotz einer vereinbarten Waffenruhe fort. Oppositionelle syrische Menschenrechtsbeobachter berichteten von einer heftigen Explosion in der östlichen Provinz Deir as-Saur. Dabei seien mindestens fünf Menschen getötet worden.

Landesweit gab es erneut Gefechte. Allein am Freitag, dem ersten Tag einer viertägigen Waffenruhe zum islamischen Opferfest, starben mindestens 150 Menschen. Ähnlich viele Tote gab es im Durchschnitt auch in den Tagen vor der vereinbarten Feuerpause.

"Keine Seite scheint bereit zu sein, mit den Kämpfen aufzuhören", kommentierte der Aktivist Rami Abdel Rahman die Lage. Es sehe so aus, als ob die für vier Tage vereinbarte Waffenruhe zum islamischen Opferfest scheitern werde, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Ein Kommandant der Gegner von Machthaber Assaf bezeichnete die ausgerufene Waffenruhe als gescheitert. "Wir haben die Waffenruhe für die internationale Gemeinschaft akzeptiert (...), doch wir wussten, dass das Regime sie nicht einhalten würde", sagte der Oberkommandeur der Rebellen in Aleppo, Oberst Abdel Dschabbar al-Okaidi, der Nachrichtenagentur AFP. "Unsere Aufgabe ist es, das Volk zu verteidigen, es sind nicht wir, die angreifen."

Islamisten brachen Waffenruhe als erste

In der südlichen Provinz Daraa töteten Heckenschützen den Angaben nach einen Mann und ein Kind. Aktivisten meldeten auch Kämpfe in der Metropole Aleppo, im Großraum Damaskus sowie in Idlib, in der Nähe der türkischen Grenze. Dort war die Waffenruhe am Freitag zum ersten Mal gebrochen worden, als unter anderem Anhänger der Al-Nusra-Front versuchten, einen Militärstützpunkt zu stürmen. Die dem Terrornetz al-Qaida nahestehenden Islamisten hatten schon vor einigen Tagen verkündet, sie ignorierten die Waffenruhe.

Die syrischen Streitkräfte hatten am Donnerstag einer vom UN-Vermittler Lakhdar Brahimi vorgeschlagenen Feuerpause zugestimmt, sich aber vorbehalten, auf Verstöße zu reagieren. Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich auch die Armee daran hält.

Beobachter betrachteten die Waffenruhe von Anfang an skeptisch. Erst im April war ein Versuch gescheitert, die Gewalt zu beenden. Damals hatte Brahimis Vorgänger Kofi Annan eine Waffenruhe ausgehandelt, die jedoch sofort wieder gebrochen wurde.