Krieg in Syrien Erdoğan: Zentrum von syrischer Stadt Afrin unter türkischer Kontrolle

In Afrin weht die türkische Fahne.

(Foto: REUTERS)
  • Laut Staatspräsident Erdoğan haben türkische Truppen gemeinsam mit verbündeten Rebellen das Zentrum der kurdischen Stadt Afrin in Nordwestsyrien eingenommen.
  • Die kurdische YPG-Miliz habe sich aus der Stadt zurückgezogen.
  • Eine Sprecherin der Kurden dementiert das, es gebe weiterhin Kämpfe.

Die türkische Armee und mit ihr verbündete Rebellen haben nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan das Zentrum der kurdischen Stadt Afrin in Nordwestsyrien unter ihre Kontrolle gebracht. Die türkische Fahne und die der Freien Syrischen Armee (FSA) wehten nun in der Stadt Afrin, sagte Erdoğan im westtürkischen Canakkale.

Die Kämpfer der kurdischen YPG-Miliz hätten sich zurückgezogen, sagte ein Sprecher der Rebellen. Die türkische Armee teilte ebenfalls mit, das Zentrum der Stadt sei unter ihrer Kontrolle. Nun werde das Gebiet von Minen und Sprengsätzen gesäubert.

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Die syrischen Kurden dementieren jedoch, dass die Türkei und ihre Verbündeten das Zentrum Afrin eingenommen hätten. Es gebe weiter Kämpfe, sagte eine Vertreterin der Kurden, Hadia Jussef. Die kurdische YPG-Miliz habe Zivilisten aus der Stadt wegen laufender "Massaker" der türkischen Kräfte und ihrer Verbündeter in Sicherheit gebracht, sagte Jussef.

Tausende Kurden und ihre Unterstützer hatten bereits am Samstag in Hannover weitgehend friedlich gegen die türkische Militäroffensive demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich zeitweise bis zu 11 000 Menschen. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Opernplatz forderte Hannovers ehemaliger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) ein Ende der Angriffe auf Afrin. An die Türkei dürften keine Waffen mehr geliefert werden.

Zehntausende fliehen aus Afrin

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntagmorgen mit, türkische Einheiten seien in die Stadt eingedrungen. In den vergangenen Tagen waren angesichts der türkischen Offensive Zehntausende Menschen aus Afrin geflohen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle halten sich jedoch noch immer tausende Zivilisten in der Stadt auf.

Die Türkei hatte den Militäreinsatz gegen die YPG am 20. Januar begonnen. Sie sieht die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Die YPG dagegen ist wichtiger Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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