Krieg in Syrien Deutsche Leopard-Panzer in den Händen der IS-Miliz

Made in Germany: Kampfpanzer Leopard 2 (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Ein in Deutschland hergestellter Kampfpanzer ist in Syrien der IS-Terrormiliz in die Hände gefallen.
  • Die Dschihadisten erbeuteten den Panzer, nachdem sie eine türkische Armeeeinheit bei einem Gefecht in der Stadt al-Bab abwehren konnten.
  • Der IS stellte ein Video des schweren Kriegsgeräts ins Internet, die türkische Luftwaffe bombardierte daraufhin Ziele in Syrien.
Von Moritz Baumstieger

Ein in Deutschland gefertigter Panzer in der Hand von Islamisten - am Donnerstag trat einer der Fälle ein, vor denen die Gegner von Waffenexporten in den Nahen Osten immer warnen. Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelang es, einen Leopard 2-Panzer zu erbeuten, als sie westlich der nordsyrischen Stadt al-Bab den Angriff einer türkischen Spezialeinheit auf das Farouk-Krankenhaus abwehrten.

Die Dschihadisten nutzen das Hospital als Basis. Über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq verbreitete der IS ein Video, in dem triumphierende Kämpfer den Panzer begutachten. Die Terrormiliz will nach eigenen Angaben sogar einen weiteren Leopard erbeutet haben.

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Um das im Video gezeigte Fahrzeug herum liegen Ausrüstungs- und Uniformteile türkischer Soldaten im Schneematsch - in der Region al-Bab sollen laut IS-Propaganda mehr als 70 türkische Soldaten durch Selbstmord-Angriffe getötet worden sein. Ankara sprach von 16 Toten und vielen Verletzten.

Die Türkei schlug mit Luftangriffen zurück. In Syrien aktive Informanten der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gaben an, dass seit Donnerstag mindestens 88 Menschen bei den Bombardierungen getötet wurden, unter ihnen 24 Kinder. Das türkische Militär meldete, 22 Terroristen "neutralisiert" zu haben.

Die Stadt al-Bab liegt weniger als 50 Kilometer nordöstlich von Aleppo. Die Großstadt steht seit Donnerstag, nach dem Abzug der letzten Rebellenkämpfer aus den Vierteln im Ostteil, wieder vollkommen unter Kontrolle der Regierung. Noch wird al-Bab vom IS gehalten, der Ort liegt an der strategisch wichtigen Verbindungsstraße nach Raqqa, der Hochburg der Dschihadisten.

Seit die Türkei im August in den Syrienkonflikt eintrat und mithilfe von Rebellen der Freien Syrischen Armee einen Korridor entlang ihrer Grenze in Nordsyrien freikämpfte, droht in al-Bab ein Zusammenstoß gleich mehrerer Konfliktparteien: Die Türkei und die mit ihr verbündeten Rebellen rücken von Norden auf die Stadt vor, von Süden kommend hat die syrische Armee in den vergangenen Wochen ein wenig Gelände gutgemacht.

Barbarische Ermordung türkischer Soldaten

Von Osten und Westen her versuchen die Volksverteidigungseinheiten des kurdischen Autonomiegebietes, al-Bab einzunehmen. In der Vergangenheit kam es zu mehreren Scharmützeln zwischen der Türkei und den Kurden, ein direktes Aufeinandertreffen könnte zu einer weiteren Eskalation beitragen.

Die türkische Offensive "Schutzschild Euphrat" soll erklärtermaßen auch ein zusammenhängendes Kurdengebiet verhindern. Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministers Fikri Işık hat die Armee seit August neben 1005 IS-Kämpfern auch 299 kurdische Milizionäre getötet.

Neben den Bildern mit den erbeuteten Panzern veröffentliche der IS auch ein neues Video, in dem zwei wohl schon im November gefangen genommene türkische Soldaten auf barbarischste Weise ermordet werden. Um die Verbreitung der IS-Propaganda zu verhindern, versuchte die Türkei in der Nacht zu Freitag den Zugang zu den sozialen Netzwerken zu drosseln. Nutzer in der Türkei hatten stundenlang Schwierigkeiten, Facebook, Twitter und Youtube zu erreichen, meldete die Website Turkeyblocks, die Zensur des Internets durch türkische Behörden dokumentiert.

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