Krieg in Syrien Angreifer setzen Evakuierungs-Busse nahe Aleppo in Brand

Ein niedergebrannter Bus in der Provinz Idlib am 18. Dezember.

(Foto: REUTERS)
  • Angreifer haben in zwei schiitischen Dörfern in der Provinz Idlib Busse zur Rettung Verletzter angezündet, berichten syrische Medien.
  • Das Assad-Regime macht den friedlichen Transport von Zivilisten aus den beiden Orten zur Bedingung dafür, die Evakuierung Ost-Aleppos fortzusetzen.
  • Dort harrten in der Nacht Zehntausende in der Kälte aus, um eine mögliche Abfahrt der Rettungsbusse und Krankenwagen nicht zu verpassen.

Angreifer haben in zwei umkämpften syrischen Dörfern mehrere Busse in Brand gesteckt, die für die Rettung Verletzter und Kranker vorgesehen waren. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, es handle sich bei den Tätern um "bewaffnete Terroristen" - so bezeichnet das Regime von Baschar al-Assad sämtliche aufständischen Kämpfer.

Einige Busse und Krankenwagen hätten den Eingang der schiitisch geprägten Dörfer al-Fua und Kefraja in der Provinz Idlib zwar erreicht, die Einfahrt sei dort jedoch von Rebellen der früheren Al-Nusra-Front versperrt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation sind kaum zu überprüfen. Ein Korrespondent der Agentur AFP beobachtete, wie rund zwei Dutzend Bewaffnete Busse stoppten, die auf dem Weg in die Dörfer waren. Sie zwangen die Fahrer zum Aussteigen, beschossen die Fahrzeuge und setzten mindestens fünf Busse in Brand.

Der Krieg zieht weiter - von Aleppo nach Idlib

Bewohner und Rebellen verlassen das zerstörte Ost-Aleppo. 50 000 Menschen warten auf Busse, die sie nach Idlib bringen sollen. Dorthin dürfte sich auch die Front verlagern. Von Moritz Baumstieger mehr ...

15 000 Menschen harren bei Eiseskälte ihrer Rettung aus Ost-Aleppo

Der Angriff droht die ohnehin gefährdete Fortsetzung der Evakuierung von Ost-Aleppo zu verzögern: Zivilisten und verbliebene Kämpfer dürfen die zerstörte Metropole nach den Bedingungen der syrischen Regierung nur verlassen, wenn auch Menschen aus al-Fua und Kefraja gebracht werden. Beide Dörfer sind von Rebellen belagert. Sobald die Bewohner sicher in Gebieten unter Regierungskontrolle angekommen seien, würden weitere Menschen aus Ost-Aleppo herausgebracht. Dort sind nach Angaben des UN-Sonderbeauftragten Staffan de Mistura noch 40 000 Menschen eingeschlossen.

In der einstigen Großstadt hatten sich in der Nacht rund 15 000 Menschen auf einem zentralen Platz versammelt, um die Fortsetzung der Rettungstransporte abzuwarten. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verbrachten viele die Nacht im Freien, Beobachtern zufolge hatten sie weder Trinkwasser noch Lebensmittel zur Verfügung.

Zivilisten verlassen Ost-Aleppo

mehr... Bilder

Frankreich legt UN-Resolution zur Entsendung von Beobachtern vor

Nach einiger Verzögerung war am Donnerstag eine mühsam ausgehandelte Evakuierungsaktion aus Ost-Aleppo angelaufen. Mehrere Konvois mit rund 8500 Menschen gelangten aus der zerstörten Stadt, darunter nach Angaben von Aktivisten rund 3000 Kämpfer. Am Freitag hatte Russland, Assads wichtigster Verbündeter, erklärt, die Rettungsaktion sei beendet. Die syrische Regierung sprach lediglich von einer Unterbrechung.

Der UN-Sicherheitsrat will am Sonntag über einen Resolutionsentwurf Frankreichs abstimmen, der den Einsatz von UN-Beobachtern bei der Evakuierung Ost-Aleppos ermöglichen soll. Es wird erwartet, dass Russland als Regime-Verbündeter die Entscheidung kraft seines Veto-Rechts blockiert. Am Dienstag will der russische Außenminister Sergej Lawrow mit seinen Amtskollegen aus Iran und der Türkei über die Lage in Syrien beraten.

Warum der Westen in Syrien nicht eingriff - Chronologie des Versagens

Das Leid der Menschen in Aleppo haben viele Beobachter vorhergesagt. Die USA und die anderen westlichen Staaten taten: nichts. Wie konnte es so weit kommen? Von Moritz Baumstieger mehr...