Das Gaddafi-Regime erweist sich als kaum zu bezwingender Gegner, die Rebellen in Libyen sind militärisch und organisatorisch überfordert. Jetzt dringen sie darauf, dass der Westen Bodentruppen entsendet. Diese könnten den Krieg vermutlich rasch entscheiden - aber es wäre ein historischer Fehler.
In der Nacht zum Mittwoch hätte der UN-Sicherheitsrat sich besorgt über die Krise im Jemen äußern sollen. Aber die 15 Mitglieder konnten sich nicht einmal auf eine wachsweiche Erklärung einigen - mutmaßlich, weil Russen und Chinesen es nicht mochten, dass in dem Text auf das "legitime Anliegen des jemenitischen Volkes" verwiesen wird. Der Sicherheitsrat ist da, wo er immer war: uneins und an Partikularinteressen orientiert.
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Die Resolution des UN-Sicherheitsrates für Libyen deckt alle Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung ab, Bodentruppen jedoch ausdrücklich nicht. Angesichts der zusehens aussichtslosen Lage der Rebellen, die dem Gaddafi-Regime kaum etwas entgegenzusetzen haben, gibt es allerdings Forderungen danach, das UN-Mandat zu erweitern. (© dpa)
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Das war vor wenigen Wochen anders, als das Gremium sich auf die Resolution 1973 und damit auf den Schutz von Zivilisten durch Luftschläge einigte. Seither sind fünf Wochen vergangen, und weil Muammar al-Gaddafi nicht wankt, weil die militärische Lage zusehends aussichtsloser wird, fordern die Rebellen nunmehr verzweifelt die Entsendung von Bodentruppen.
Alles hat die damalige Resolution erlaubt, "alle notwendigen Maßnahmen", ausgeschlossen wurden nur Besatzungstruppen. Die Resolution entsprach dem Prinzip Hoffnung: Man hoffte, Hilfe aus der Luft würde reichen und die Rebellen vorantragen, man hoffte, Westen und Arabische Liga gemeinsam könnten mit geringem Aufwand Geschichte schreiben. Und man wollte sich nicht in einen Krieg hineinziehen lassen, für den es keine Exitstrategie gab, weil die Weltgemeinschaft sich nicht auf einen Sturz des Diktators geeinigt hatte. Bodentruppen, die mancher schon damals für nötig hielt, waren allerdings nicht vorgesehen. Sollten einzelne Mitglieder des Sicherheitsrats das Mandat derart ausdehnen, dürfte es heftige Gegenwehr geben. Schon die Resolution 1973 kam nur zustande, weil sie eben kein Mandat zum Einmarsch enthielt.
Mittlerweile allerdings ist die Frustration mit Händen zu greifen. Die Rebellen sind militärisch und organisatorisch überfordert, Gaddafi erweist sich als grausamer Gegner. Die internationale Gemeinschaft macht kleine Schritte als Ersatz für große Lösungen: Die Regierungen in London, Paris und Rom schicken Militärberater, aber - wie die New York Times in einem Abgesang auf die Revolte schreibt - "für welches Militär"? Qatar und Washington liefern Waffen, doch keiner weiß, in wessen Hände die geraten und ob sie nicht eines Tages gegen die Alliierten eingesetzt werden. Die Nato bombardiert und wartet darauf, dass anderswo Lösungen formuliert werden.
Dieser Militäreinsatz könnte am Boden vermutlich entschieden werden. Aber es wäre ein historischer Fehler, wenn europäische Truppen als vermeintliche Heilsbringer auf arabischer Erde mit unklarem Ausgang für weitgehend unbekannte Partner in den Krieg ziehen würden. Ehrlicher, wenn auch bitter ist es, weiter Hilfe zu leisten, wo das geht: humanitär, diplomatisch, mit massivem politischen Druck, aber im Rahmen des bestehenden Konsenses. Der politische Schaden in Libyen und Nahost wird groß sein. Aber nicht so groß wie ein Nato-Krieg auf arabischem Boden oder gar ein Militäreinsatz des Westens ohne entsprechendes Mandat.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 21.04.2011/olkl)
Russland unter Putin
Schreiben Sie doch einfach ehrlich, worauf sich die westliche Welt geeinigt hat, und lavieren Sie nicht rum mit Floskeln wie: " humanitäre Hilfe... diplomatisch... massiver politischer Druck... Der politische (!) Schaden in Lybien... wird groß sein..." Das klingt ja schon wie Westerwelle.
Der menschliche Schaden in Lybien wird unermesslich sein. Und der - ach so aufgeklärte und humane - Westen wird auch schuld daran sein. Wenn ich mich richtig erinnere, hat erst kürzlich die Süddeutsche einen Bericht einer Lybierin veröffentlicht, wo beschrieben wurde, wie Mütter ihren von Hunger weinenden Kindern in Misrata die Münder zuhalten, damit die Söldner sie nicht finden. Diesen Familien nicht zu helfen ist der Preis für unsere unselige wirtschaftliche Abhängigkeit von den Despoten in China und Russland. Unser Einknicken vor deren Macht kostet die Menschen dort in Lybien (und nicht nur dort) ihr Leben.
Natürlich gibt es keine "richtige" Etscheidung; ich würde meine Kinder auch nicht in den Krieg nach Lybien schicken. Aber sagen Sie doch einfach was das viele Menschen in Lybien kostet (ihr Leben), und warum wir nicht bereit sind, den Preis zu zahlen, ihnen zu helfen.
Diese Selbstgerechtigkeit und Verlogenheit kotzt mich langsam an. Wir stehen eben nun mal nich immer auf der richtigen Seite. Alles eien Frage des Preises.
auch auf der anderen Seite der Straße, immer ein gutes Einvernehmen haben mögen.
So geht es nämlich Europa in diesen Tagen! Auf der anderen Mittelmeerseite leben auch direkte Nachbarn. Noch ist der Verhandlungspartner der amtierende Präsident, der sein Land in über vierzig Jahren mit Öl und Erdgas zu einem der höchsten Bruttosozialprodukte Afrikas gebracht hat. Wenn Sie Autofahrer und Hausbesitzer sind, sind auch Sie von zuverlässigen Öl- und Gaslieferungen abhängig! Oder? Wie Sie in den TV-Bildern unschwer sehen können, wird hier eine hervorragende Infrastruktur zerstört.
Das sich der Westen mit putschenden Rebellen und unzufriedenen Demonstranten "verbündet" hat, wird als der eigentliche historische Fehler in die Geschichte eingehen...
.das ist unpräzise formuliert. Der Sicherheitsrat hat sich in der Resolution 1973 nur darauf verständigt Mittel zu ergreifen die die Zivilisten schützen sollen.Da steht nichts von Luftschlägen. Das war die Entscheidung von Frankreich, England und den USA und schließlich der Nato.
Die Resolution sagt nicht, es müssen militärische Mittel her. Die Resolution schließt diese aber nicht aus.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Es wäre auf Basis der Resolution ohne weiteres möglich Verhandlungen anzuregen. Sie wären auch für die Zivilisten der deutlich bessere Schutz.
"...Srebrenica und Ruanda aber gelten bis heute als Schande der zivilisierten Welt.
..."
und: Irak und Afghanistan sind auf dem bestem Weg, als Schande der westlichen Welt in die Annalen einzugehen.
"...Da ein großer Teil der Libyer Bodentruppen anfordert..."
soso, ein großer Teil der Libyer....
Ich sehe immer nur einzelne selbsternannte Rebellen (-führer) ohne erkennbare Legitimation in der libyschen Bevölkerung.
Es mögen "viele" sein, die Bodentruppen anfordern, die "Mehrheit" stellen sie nicht dar.
Paging