Krieg in Libyen Nato forciert Angriffe auf Gaddafi

Der militärische Druck auf das Gaddafi-Regime wächst: Nato-Kampfflugzeuge haben in der Nacht die wohl schwersten Luftschläge gegen das Regime geflogen. Frankreich und Großbritannien setzen künftig auch Kampfhubschrauber ein.

Kampfflugzeuge der Nato haben nach Berichten westlicher Korrespondenten in der Nacht zum Dienstag eine ganze Serie von Luftangriffen auf die libysche Hauptstadt Tripolis geflogen.

Bilder der britischen BBC zeigten schwere Explosionen im Stadtgebiet. Dichter schwarzer Rauch stieg in den Nachthimmel. Mehrere Journalisten sprachen von den bisher schwersten Luftschlägen gegen die libysche Hauptstadt.

Es habe rund 20 Explosionen binnen einer halben Stunde gegeben, auch aus der Nähe der Residenz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Militärlager Bab al-Asisija.

Nach Angaben der libyschen Regierung wurden bei den Angriffen mindestens drei Menschen getötet worden. Etwa 150 Menschen seien verletzt worden, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim, der Journalisten in ein Krankenhaus der Hauptstadt führte. Bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilisten, die in der Nähe einer Kaserne der Volksgarde gelebt hätten. Gegen diese Einrichtung habe die Nato zwischen elf und 18 Angriffe geflogen, sagte Ibrahim.

Die Nato selbst teilte auf ihrer Internetseite mit, Flugzeuge hätten einen Reihe von Lenkwaffen abgeschossen. Das Lager habe von Beginn an eine Rolle beim gewaltsamen Vorgehen des Regimes gegen die Aufständischen gespielt.

Unterdessen meldeten sich US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung The Times zu Wort: Sie wollen nach eigenem Bekunden weiter gegen Gaddafi vorgehen. Man werde den Einsatz gemeinsam mit den Alliierten fortsetzen, bis Resolutionen der UN umgesetzt seien, erklärten die beiden Politiker. Man werde nicht zulassen, dass die Proteste gegen die Regierung mit Waffengewalt zerschlagen würden.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief am Montag in London weitere Nato-Staaten dazu auf, sich an der Militäroperation in Libyen zu beteiligen. Zusätzliche militärische Unterstützung würde dabei helfen, den Druck auf das Regime des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu erhöhen, sagte sie nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague. "Wir würden es gerne sehen, wenn weitere unserer Nato-Freunde und Alliierten mitmachen würden, um sicherzustellen, dass der Druck beständig aufrechterhalten wird", sagte Clinton.

Zuvor war bekannt geworden, dass Frankreich und Großbritannien sobald wie möglich Kampfhubschrauber in Libyen einsetzen wollen. Die Hubschrauber würden dazu genutzt, militärische Ziele wie Tankwagen oder Lastwagen mit Munition in dicht bevölkerten, städtischen Gebieten anzugreifen, ohne dass dabei so viele Zivilpersonen gefährdet würden wie bei einem Luftangriff von Kampfflugzeugen, sagte Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet.

Auch der französische Außenminister Alain Juppé bestätigte Berichte über die Entsendung von Kampfhubschraubern nach Libyen. Die Helikopter böten eine höhere Präzision, und ihr Einsatz sei von der UN-Resolution zum Schutz von Zivilpersonen gedeckt, sagte Juppé am Montag in Brüssel.

Longuet sagte, er habe die Pläne mit Verantwortlichen der britischen Streitkräfte besprochen und man habe "auf exakt derselben Wellenlänge" gelegen. "Wir mussten uns die Mittel geben, um zuschlagen zu können, ohne Zivilisten zu treffen", sagte er. Bewegliche, tief fliegende Kampfhubschrauber können Bodenziele mit einer deutlich höheren Präzision angreifen als hoch fliegende Kampfflugzeuge. Allerdings sind sie auch deutlich verwundbarer.

Seit Beginn der Militäraktion am 31. März ist noch kein Soldat der Allianz im Kampf ums Leben gekommen.

Französisches Schiff in der vergangenen Woche ausgelaufen

Ein Nato-Sprecher in Neapel sagte, der Allianz sei bekannt, "dass die französische Regierung ein weiteres Schiff in dem Gebiet im Einsatz hat". Ein französischer Militärsprecher hatte am Sonntag erklärt, das Einsatzführungsschiff Tonnerre sei in der vergangenen Woche in Toulon ausgelaufen. Die französische Tageszeitung Le Figaro berichtete am Sonntag, die Tonnerre habe zwölf Kampfhubschrauber an Bord und sei auf dem Weg zur libyschen Küste. Nach Angaben von Militärexperten deutet die Maßnahme an, dass sich Frankreich mit Bodentruppen an dem Konflikt beteiligen könnte. Der Einsatz der Hubschrauber sei nur in einem Bodenkampf sinnvoll und könnte den Druck auf Gaddafi erhöhen.