Krieg in LibyenAllianz der unterschiedlichen Motive

Die internationale Koalition eint ein Motiv: Zivilisten vor dem mörderischen Gaddafi-Regime zu schützen. Doch mancher Staatschef verfolgt eigene Ziele, die mit der Innenpolitik zu tun haben - und auch die Risiken sind ungleich verteilt.

Frankreich

Als Feldherr hat sich Frankreichs Präsident bislang nicht hervorgetan. So beobachtete Europa überrascht, mit welcher Verve Nicolas Sarkozy sich an die Spitze der internationalen Koalition in den Krieg gegen Libyens Diktator stürzt. Seine Armee stellt 100 Kampfflugzeuge für den Einsatz zur Verfügung, dazu weitere Maschinen zur Luftraumüberwachung sowie den Flugzeugträger Charles de Gaulle. Der Präsident, der am vergangenen Wochenende zum Sondergipfel nach Paris einlud, hat die Führung des Einsatzes für sein Land reklamiert. Sein Widerstand, die Chefposition abzugeben oder zu teilen, soll ein Grund für das Zögern der Nato sein. Das Verteidigungsbündnis konnte sich bislang nicht auf eine Teilnahme an der Militäraktion einigen.

Warum hat der Präsident so gehandelt?

In den Augen seiner Kritiker - und vieler Wähler - hat Sarkozy die Revolutionen in Tunesien und Ägypten verschlafen. Seine Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie stolperte über ihre engen Verbindungen zur Familie des geschassten tunesischen Herrschers Ben Ali und trat zurück. Möglich, dass Sarkozy seine politischen Versäumnisse in Libyen wieder gutmachen will. Möglich auch, dass eine Delegation von Aufständischen im Élysée-Palast tiefen Eindruck hinterließ.

Welche politischen Risiken nimmt Sarkozy in Kauf?

Der französische Präsident ist für seine bisweilen impulsiven Entscheidungen bekannt - mal gab der Erfolg ihm recht, mal weniger. Ob Sarkozys Einsatz gegen Muammar al-Gaddafi die Wähler beeindruckt, hängt nicht zuletzt vom Verlauf der Militärmission ab. Im kommenden Jahr stellt sich der unbeliebte Präsident zur Wiederwahl - und in den Umfragen erzielt die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Front National immer bessere Werte.

Bild: REUTERS 21. März 2011, 15:502011-03-21 15:50:04 © sueddeutsche.de/mati